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FCE Chlausturnier 2018

17. November bis
16. Dezember 2018
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Interview mit Thomas Wintsch Aktiver Schiedsrichter und Schiedsrichter-Verantwortlicher FCE

Geschrieben von Urs Jacober am .

Thomas, du bist nicht nur im Vorstand des FC Effretikon, sondern auch noch als Schiedsrichter aktiv. Wie kam es dazu?
Ich habe bereits in jungen Jahren erste Erfahrungen als Schiedsrichter am Chlausturnier in Effretikon sammeln können und habe während meiner Karriere als Aktiv-Spieler auch diverse Einsätze als KIFU-Schiri geleistet. Da der FCE einen notorischen Mangel an offiziellen Schiedsrichtern hat, (jeder Verein muss pro Aktiv-/Senioren-/Frauen-Mannschaft einen offiziellen Schiedsrichter stellen, beim FCE wären dies aktuell 5), habe ich mich vor rund 2,5 Jahren dazu entschieden, die Ausbildung zum offiziellen Schiedsrichter zu absolvieren.

Was war das schönste Erlebnis in deiner bisherigen Schiedsrichterkarriere?
Meine Schiedsrichter-Karriere dauert ja noch nicht allzu lange und es gibt daher nicht ein spezifisches Erlebnis, welches ich hier nennen könnte. Grundsätzlich ist es aber natürlich immer schön, wenn Trainer oder Spieler nach dem Spiel zu mir kommen und meine Leistung loben.

Gab es auch negative Momente?
Natürlich sind Spieler, Trainer und auch die Zuschauer nicht immer meiner Meinung und teilweise werden strittige Entscheide auch lauthals kommentiert. Ich bin aber zum Glück bis anhin noch mit keiner Situation konfrontiert worden, bei welcher diese Äusserungen über die normalen Emotionen herausgegangen wären.

Viele Vereine haben Schwierigkeiten genügend Schiedsrichter zu rekrutieren. Was denkst du, woran dies liegen könnte?
Der Job des Schiedsrichters ist natürlich ein sehr undankbarer, da sehr häufig eines der beiden Teams mit deiner Entscheidung nicht einverstanden ist. Man muss schon etwas die Persönlichkeit dazu haben und der Typ dafür sein, dass man seine Freizeit opfert um als Einzelkämpfer auf dem Feld zu stehen, um sich in manchen Szenen dann auch noch anmotzen zu lassen.

Nichts desto trotz geht es halt nicht ohne Schiedsrichter und ich würde mir daher natürlich wünschen, dass sich in naher Zukunft der/die eine oder andere für dieses tolle Hobby begeistern könnte. 

Wie sieht die Ausbildung zum Schiedsrichter aus und würdest du diese weiterempfehlen?
Die Grundausbildung zum Schiedsrichter besteht grob gesagt aus 4 Teilen:

1. Teil: Eintrittstest: Hier wird an einem Samstag-Vormittag die Fitness der Kandidaten anhand eines 12min-Laufes getestet. Zudem muss ein kleiner Deutsch-Test absolviert werden, da sich ein Schiedsrichter auf dem Feld mündlich und in der Nachbearbeitung eines Spieles auch schriftlich gut in Deutsch ausdrücken muss.

2. Teil: Hauptkurs: Der Hauptkurs dauert rund 2 ½ Tage und findet in Filzbach statt. Dort werden die Teilnehmer detailliert regeltechnisch geschult und es werden ihnen die wichtigsten administrativen Aufgaben erläutert. Am Schluss des Kurses findet dann ein Regeltest statt, welcher bestanden werden muss.

3. Teil: Spielbeobachtung: Gemeinsam mit anderen Kandidaten und einem erfahrenen Instruktor wird live ein Spiel angeschaut und danach die Schiedsrichter-Leistung beurteilt. Diese Spielbeobachtung dient dazu, live vor Ort sehen zu können, auf was ein Schiedsrichter bei einem Spiel achten muss.

4. Tel: erster Einsatz als Schiedsrichter: Wenn man die ersten 3 Teile der Ausbildung absolviert hat, darf man dann seinen ersten Einsatz als Schiedsrichter leisten. Dabei wird man von einem Schiri-Götti begleitet. Dieser Götti gibt vor dem Spiel nochmals die letzten Tipps und kann dann während der Pause oder nach dem Spiel noch auf Dinge hinweisen, die entweder besonders gut oder auch nicht so gut waren. Je nachdem wie der Schiri-Götti die Leistung des Neu-Schiedsrichters beurteilt, kann der Neu-Schiedsrichter das nächste Spiel dann alleine pfeifen, oder der Schiri-Götti begleitet ihn nochmals.

Was müssen Interessierte für die Ausbildung zum Schiedsrichter mitbringen? Gibt es Kriterien, welche zwingend erfüllt werden müssen?
Grundsätzlich ist das einzig zwingende Kriterium das Mindestalter von 15 Jahren. Es gibt aber natürlich gewisse Merkmale die ein Schiedsrichter erfüllen sollte:

- Freude am Fussball Man muss nicht selber aktiver Fussballer sein um Schiedsrichter werden zu können, aber ein gewisses Grundverständnis der Fussball-Regeln ist natürlich hilfreich.

- Leistungsbereitschaft / Zeit Ein Schiedsrichter muss pro Saison 12 Einsätze leisten, um für seinen Verein für die Schiedsrichter-Statistik zu zählen. Die notwendigen 6 Einsätze pro Halbjahr können im Normalfall leicht erreicht werden, es setzt aber natürlich voraus, dass der Schiedsrichter (vor allem auch am Wochenende) Zeit hat, um diese Einsätze zu leisten.

- Gesundes Selbstbewusstsein, ohne überheblich zu sein Wie schon erwähnt, muss man etwas der Typ dafür sein um die Aufgabe des Schiedsrichters ausführen zu können. Man muss genügend Selbstvertrauen haben um sich auf dem Platz durchsetzen zu können. Keiner mag jedoch Schiedsrichter die total überheblich sind und die Spieler von oben herab behandeln. Wer sich also nur selbst inszenieren will, der sucht sich besser ein anderes Hobby.

- Sportlichkeit Man muss kein Profi-Sportler sein um Schiedsrichter werden zu können, aber man sollte natürlich auch nicht der grösste Bewegungsmuffel sein. Ein Schiedsrichter der sich auf Ballhöhe bewegt, geniesst im Normallfall eine grössere Akzeptanz, als einer der sich nur im Mittelkreis bewegt.

Worin siehst du die grössten Vorteile für Jugendliche, welche die Ausbildung zum Schiedsrichter durchlaufen?
Die Ausbildung zum Schiedsrichter und die Einsätze danach sind eine super Lebensschule. Man lernt sich durchzusetzen. Man lernt, sich besser einzuschätzen und auch zu Fehlern stehen zu können. Man treibt Sport und ist im Freien unterwegs. Und als netten Zusatz kann man auch sein Sackgeld mit den Einsätzen als Schiedsrichter etwas aufbessern. (Ein Schiedsrichter erhält für jedes Spiel das er leitet eine Spesen-Entschädigung. Zu Beginn sind dies z.B. bei den C- und B-Junioren Fr. 80.--/Spiel.) –

Wie werden Schiedsrichter während und nach der Ausbildung vom FC Effretikon unterstützt?
Der FCE übernimmt sämtliche Ausbildungskosten für die Schiedsrichter und rüstet alle Neu-Schiedsrichter mit einer Grundausrüstung (Kleidung, Karten-Set, Pfeife, Schiri-Uhr etc.) aus. Zudem sind alle offiziellen Schiedsrichter vom Mitgliederbeitrag des FCE befreit.
Nach erfolgreich absolvierter Ausbildung und sofern ein Schiedsrichter die notwendige Anzahl Einsätze pro Jahr geleistet hat, erhält er (zusätzlich zu den Spesen pro Spiel) eine jährliche Entschädigung von aktuell Fr. 800.--.

Ich persönliche habe zudem im Vorstand das Amt des Schiedsrichter-Verantwortlichen inne. Neu-Schiedsrichter können sich jederzeit mit Fragen oder Anliegen an mich wenden. Hier helfen mir natürlich die Erfahrungen die ich selbst als Schiedsrichter gemacht habe, um die Schiedsrichter des FCE möglichst gut betreuen zu können.

Als Gegenleistung erwarten wir von den Schiedsrichtern, dass sie sämtliche vom FVRZ vorgegebene Pflichten einhalten, die notwendigen Einsätze leisten, sowie den FCE in positiver Art und Weise repräsentieren. 

Wo können sich Interessenten für die Ausbildung zum Schiedsrichter melden?
Interessierte Personen dürfen sich direkt bei mir oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  melden. Gerne bin ich bereit, detailliert Auskunft über eine allfällige Ausbildung zum Schiedsrichter oder zu allgemeinen Fragen rund um das Schiedsrichter-Wesen zu geben.

Zudem kann ich jedem empfehlen, einmal das Regelquiz des SFV im Internet zu machen. Das gilt nicht nur für potentielle Schiri-Kandidaten, sondern für alle Fussballerinnen und Fussballer! Ich bin mir sicher, dass es die eine oder andere Frage gibt, die ihr falsch beantworten werdet.

Was möchtest du den Lesern zum Schluss noch mit auf den Weg geben?
Wenn ihr euch während dem Fussball spielen (oder auch während dem Fussball schauen im TV) immer mal wieder über den Schiedsrichter aufregt und euch denkt; „das kann ich auf jeden Fall besser!“, dann lasst euch zum Schiedsrichter ausbilden und zeigt, dass ihr es besser könnt.

Ich selber habe mich erst im Alter von 29 dazu entschieden die Ausbildung zum Schiedsrichter zu absolvieren und werde daher voraussichtlich nicht mehr den WM-Final pfeifen können. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich gerne vor 10 Jahren schon jemanden gehabt, der mich detaillierter über das tolle Hobby des Schiedsrichters informiert hätte.

Als aktiver Fussballer bin ich extrem froh, dass es Leute gibt, die Ihre Freizeit opfern, um Wochenende für Wochenende als Schiedsrichter im Einsatz zu stehen, damit wir Fussballer unserem Hobby nachgehen können. Denn ohne Schiris geht es nicht.

Thomas Wintsch - Aktiver Schiedsrichter und Schiedsrichter-Verantwortlicher FCE