3. Liga, Gruppe 4: Effretikon – Seuzach 2 2:3 (2:1)

Geschrieben von Heinz Minder am .

Effretikons klassischer Hattrick in die (Mini)-Krise
Der hervorragende Rückrundenstart des FC Effretikon mit zwei Siegen in Folge ist längst Schnee von gestern. Des Trainers Wunschvorstellung, jetzt um den zweiten Schlussrang in der Gruppe 4 mitspielen zu können hat sich als Wunschvorstellung von Flakon Halimi erwiesen und ist geplatzt wie eine Seifenblase. Die harte Realität hat die Zürcher Oberländer brutal auf den Boden der Tatsache geschleudert – mit dem klassischen Hattrick von drei Niederlagen in Folge sind die Effretiker nach ihrer 2:3 (2:1) Heimpleite gegen die Reservisten des FC Seuzach ins Mittelfeld abgestürzt. Mit der bekannten frühen Selbstzufriedenheit stagnieren die Effretiker und brauchen jetzt schnellstmöglich wieder ein Erfolgserlebnis.

Das zweite Heimspiel in Folge für die Effretiker, sonntags gegen die Reservisten des FC Seuzach, war zugleich der Versuch beider Mannschaften den Weg zurück auf die Siegesstrasse zu finden. Gastgeber Effretikon startete bekanntlich mit zwei Vollerfolgen in die Rückrunde (4:1 gegen Schlusslicht Glattfelden und 3:0 über den Tabellenzweiten Niederwenigen), doch zuletzt folgten nun für die Zürcher Oberländer zwei enttäuschende Spiele und Leistungen mit zwei Niederlangen in Folge gegen Bülach (1:2) und donnerstags gegen das abstiegsgefährdete und zweitletztrangierte Oberglatt (3:2). Und die Gäste aus Seuzach rennen seit Rückrundenbeginn dem Erfolg nach. Drei Mal gestartet – drei Mal verloren – drei Mal je nur mit einem Tor Unterschied verloren und das ist besonders hart (1:2 gegen Oberglatt, 0:1 beim Leader Wallisellen und zuletzt 1:2 im Heimspiel gegen Embrach). 

Effi führt nach Doppelschlag von Uchenna Anioke nach 16 Minuten 2:0
Ärgerlich und enttäuschend, wie die Zürcher Oberländer abermals auf dumme Art und Weise und naivem Eigenverschulden ein Spiel und eine frühe 2:0 Führung aus den Händen gaben. Die Partie gehörte je zu einer Hälfte den Mannschaften, so ging der erste Durchgang klar an den spielbestimmenden Heimklub. Effretikon gab aber einmal mehr einen Match total aus den Händen, dabei hatten die Einheimischen anfangs sämtliche Vorteile auf ihrer Seite und führten dank dem Doppelschlag von Uchenna Anioke (10./16.) locker 2:0. Die schnelle und einfache Zweitore-Führung führte Effretikon aber auf die falsche Fährte. Was soll hier schon schief gehen? Der Gegner ist ja heute so harmlos und zahm.  Wir haben ja absolut keine gefährlichen Aktionen der Gäste zu vermelden gehabt. Alles Schall und Rauch. Ein Spiel geht bekanntlich über mindestens neunzig, oftmals noch einige Minuten mehr.

Doppelpack…
Zum ersten Treffer: Da gewann Uchenna Anioke den Zweikampf mit Sandro Jud und vermochte, letztlich durch die Mitte durchbrechend, Damian Csiba im Gästetor nach nur knappen zehn Minuten erstmals zu bezwingen. Den zweiten Treffer leitete Effretikon über die rechte Seite mit Fabian Danko ein. Dessen Flanke erneut in die Mitte wurde von Anioke wieder auf das Tor gezielt. Vergeblich versuchte Csiba den Ball von seiner Sicht aus auf der linken Torseite noch von der Linie zu schlagen, doch hatte der Ball die weisse Linie am tief am Pfosten bereits überschritten. Locker kam Effretikon, das im ersten Durchgang weit mehr Ballbesitzt als Seuzach zu vermelden hatte, zur Realisierung des Zweitore-Vorsprunges. Und dann kamen eben auch noch jene zwei Hochkaräter von Aregger und Fahrni dazu, bevor es bei Mathijs Kläy an diesem herrlich sonnigen Sonntag-Morgen wie ein Blitz aus heiterem Frühlings-Himmel hinten einschlug. Seuzach bekundete grosse Anlaufprobleme und sah sich nach Ablauf der Start-Viertelstunde bereits 0:2 im Hintertreffen, kam aber verbunden mit dem ersten Eckball von Medim Elezi von rechts getreten und auf den Kopf von Philipp Fischer gezirkelt praktisch aus dem Nichts heraus zum wichtigen 1:2 Anschlusstreffer (35.).

 …statt 3:1 der 1:2 Anschluss wie ein Blitz aus heiterem Himmel
Dass den Effretiker das wichtige und vorentscheidende 3:1 nicht gelang sollte sich später böse rächen. Seuzach nahm nach zwanzig Minuten bereits den ersten Spielerwechsel vor. Sandro Jud, der beim 0:1 im Zweikampf mit Uchenna Anioke gar nicht gut ausgesehen hatte, wurde durch Lukas Schüpbach ersetzt. Effretikon besass durch Adrian Aregger (30.) und Adrian Fahrni eine Minute später, zwei Hochkaräter zum wichtigen dritten Treffer. Da machte sich dann der 1:2 Anschluss (35.) praktisch aus dem Nichts heraus – am Ende doppelt bemerkbar. Aus dem Spiel heraus vermochte Seuzach im ersten Abschnitt mit keiner einzigen Szene Effretikon nur annähend zu gefährden.

Seuzach im ersten Abschnitt harmlos…
Die Passivität der Gäste und ihr harmloser Auftritt im ersten Durchgang führte scheinbar bei Effretiker-Spieler zur völlig falschen Einschätzung der Lage.

Seuzach erschien früh zur zweiten Hälfe und vollführte nochmals den Mannschaftsschwur auf dem Feld, derweil die Effretiker schon eher gemächlicher Art heran spazierten und letztlich dem Irrglauben zum Opfer wurden, das Spiel werde trotz der 2:1 Pausenführung nun noch ein klassischer Selbstläufer. Seuzach konnte zur Pause den Schalter umkippen, zeigte nun unbändigen Siegeswillen und brachte Effretikon mehrfach in Verlegenheit. Fischer scheiterte nach Wiederbeginn abermals auf einen Eckball hin, als er knallvoll nur den rechten Pfosten traf (47.).

…setzt Weckruf mit Pfostentreffer (47.). 
Diesen Weckruf hörten die Effretiker nicht, kassierten in der Schlussphase, als sie anstelle der Gäste nun in der zweiten Hälfte sehr passiv wurden und das Spiel abermals aus den Händen gaben, erst den 2:2 Ausgleich durch Philipp Luchsinger und Sekunden vor Ablauf der offiziellen Spielzeit gar noch das 2:3 durch Florian Schwerzmann. «Wir stecken nun in der (Mini)-Krise» gestand Effretkons schwer enttäuschter Trainer Flakon Halimi, fand aber wie auch Hero Dal Ben «dass Seuzach diese drei (ersten) Punkte dank unbändigem Siegeswillen verdientermassen gewonnen hat».

Vieles vorgenommen – wenig umgesetzt
Flakon Halimi, ratlos wirkend nach der dritten Niederlage in Folge: «Wir haben uns heute wieder einiges vorgenommen und wollten jene Fehler vermeiden, die uns zuletzt das Genick zwei Mal gebrochen haben. Wir wollten alles unternehmen, damit uns das wie gegen Bülach und zuletzt am Donnerstag gegen Glattfelden nicht mehr passiert und wir den Gegner wiederaufbauen. Es glückte uns nicht». Für Effretikons Trainer war es absolut nicht nachvollziehbar, wie seine Mannschaft abermals zwei grundsätzlich verschiedene Gesichter und Halbzeiten ablieferte. «Seuzach kam erst kurz vor der Pause etwas auf. Bis dahin machten wir absolut keine Fehler, waren klar dominant auf dem Platz, spielten hervor- und überragend, doch nach dem Seitenwechsel haben wir wieder aufgehört, Fussball zu spielen». Er wisse nicht, «ob letztlich der Glaube der Spieler gefehlt hat». Klar für Halimi ist, dass «wir einfach zielstrebiger werden und mehr Cleverness zeigen müssen». Und dann bestätigte Effretikons Trainer, dass «wir uns nun wirklich in einer (Mini)-Krise befinden und schnellstmöglich ein Erfolgserlebnis brauchen». Problematisch für Flakon Halimi ist auch die Tatsache, dass «wir nun in nur drei Spielen gegen Bülach (1:2), Oberglatt und heute Seuzach (je 2:3) nicht weniger als acht Gegentreffer einstecken mussten». Das sind seiner Einschätzung nach «einfach viel zu viele».

Seuzach zeigt mehr Siegeswillen
Der Sieg der Seuzacher «geht verdientermassen in Ordnung, denn die Gäste haben im zweiten Abschnitt wesentlich mehr Siegeswillen als meine eigene Mannschaft gezeigt. Wir haben heute eine 2:0 Führung verspielt». Ein Kritikpunkt blieb noch: «Einige meiner Spieler lassen sich nicht alles sagen und glauben, sie wüssten es besser, sind aber nicht bereit, Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen». Effretikon werde nun als krasser Aussenseiter zum nächsten Spiel antreten. «Elgg wird in seinem Heimspiel der grosse Favorit sein». Effretikon muss nun versuchen, sich aus dem Wellental heraus zu kämpfen. Jetzt ist wirklich Charakter und nicht nur Worte gefordert.

Heinz Minder, Illnau

Matchtelegramm
Effretikon – Seuzach 2 2:3 (2:1).- Sportzentrum Eselriet (Effretikon)
95 Zuschauer.- SR: Massimo Furlan.- Tore: 10. Aniocke 1 :0. 16. Aniocke 2 :0. 35. Fischer 2 :1. 85. Luchsinger 2 :2. 90. Schwerzmann 2:3.- Effretikon: Kläy; Aregger, Schanz, Shahinaj, Emrulahri; Stankovic; Aniocke, Ngari, Fahrni, Danko; Romario.- Ergänzungsspieler: Yanik Meier, Bärtschi, Kqiku (kein Einsatz Lemm und Schneller).- Seuzach 2: Csiba; Abegg, Ehrensperger, Oergel, Egg; Thurnheer, Elezi, Fischer, Jud; Schwerzmann; Luchsinger.- Ergänzungsspieler: Thom, Andrew Müller, Neukomm, Schüpbach.- Bemerkungen: Effretikon ohne Christoph Panzer, Kim Schärz, Jahjo Zulfikari (definitives vorzeitiges Saisonende)   und Jason Amoako (alle verletzt), Florian Bannwart (Augen-OP), sowie Gürkan Sentuerk (krank/Lungenentzündung), Adrian Lemm und Marc Schneller (beide im Aufgebot/aber nicht zum Einsatz gekommen) und Torhüter Tim Zgraggen (kein Aufgebot).- 23./75. Offizielle Trinkpausen.- 47. Rechter-Pfostenschuss (Fischer/Seuzach).- Verwarnungen: 91. Meier (Foul).- Eckballverhältnis 7:8 (4:2).- Nächstes Spiel des FC Effretikon: Samstag, 28. April 2018: Elgg – Effretikon, Sportplatz Im See (Ellg), Spielbeginn: 18:00 Uhr.-