3. Liga, Gruppe 4: Elgg – Effretikon

Geschrieben von Heinz Minder am .

Samstag, 28. April 2018, Sportplatz «Im See» (Elgg), Spielbeginn: 18:00 Uhr
Drei Mal in Folge verloren - FC Effretikon – Quo vadis?
Was passiert, wenn ein Heimteam aufgetankt mit einem 9:1 Auswärts-Kantersieg, deshalb hoch beflügelt mit einer mächtigen Portion Selbstvertrauen ausgestattet sich seinem erwartungsvollen Heimpublikum präsentieren kann und dabei auf eine Mannschaft trifft, die sich in einer Mini-Krise befindet, wie es ihr Trainer bestätigte?

Höfen- gegen Tiefflug
Die Antwort bringt die Drittliga-Partie der Gruppe 4 samstags auf dem Sportplatz «Im See» zwischen Elgg und Effretikon (Spielbeginn: 18:00 Uhr). Wohin geht die Reise des FC Effretikon nach drei Niederlagen in Serie? Für die Mannschaft von Flakon Halimi/Urs Rhyner stehen noch die vier Auswärtsspiele gegen Elgg, Neftenbach, Wallisellen und Bassersdorf 2, sowie die zwei Partien im Eselriet gegen Kloten und Embrach an.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Wer die jüngste Geschichte des FC Effretikon einigermassen etwas kennt, der weiss, dass die Zürcher Oberländer in den vergangenen Jahren meist ihre Vorrunde vergeigten. Damit verlor Effretikon meist in der ersten Saisonhälfte wichtige Punkte, Positionen und meist entscheidende Ranglistenplätze und musste diesen verlorenen Boden nach einer langen Winterpause in beinharter Aufholjagd wieder gut machen.

J«Man wird Effretikon nicht wieder erkennen»
2015/16 schaffte Effretikon im Frühling mit fünf Siegen in Folge den Befreiungsschlag, ebenso wie im letzten Jahr, als die Zürcher Oberländer unter neuere Führung von Flakon Halimi/Urs Rhyner zwischen dem 30. April und 27. Mai wiederum 15 Punkte in Folge sammeln konnten. Zwei Mal also gelang Effretikon mit einer starken Rückrunde, respektive dank eines erfolgreichen Zwischenspurtes, sich aller (Abstiegs)-Sorgen zu entledigen.
«Man wird den FC Effretikon in der Rückrunde nicht wiedererkennen», so die Aussage von Flakon Halimi zur Winterpause. Effretikons Teamchef meinte in der Winterpause, dass «wir in der ersten Saisonhälfte neun Punkte vergeben haben» Das sollte sich gemäss Halimis Prognose «für die Rückrunde ändern».

Trugschluss…
Als Effretikon dann mit zwei Siegen in Folge über Glattfelden (4:1) und Niederweningen (3:0) in die Rückrunde gestartet war, glaubten viel wieder an einen Selbstläufer. Nun hat sich der Glaube an eine dritte Wiederholung und das dritte FCE-Frühlingswunder als gefährlicher und böser Trugschluss erwiesen. «Wir wollen nun den zweiten Schlussrang anstreben», so Halimi nach dem 3:0 Heimsieg über das zweitrangierte Niederwenigen. Seit jenem Effretiker-Sieg sind drei weitere Runden gespielt – Effretikon hat seither nie mehr gewonnen und keinen einzigen Punktegewinn mehr geholt. Drei Mal gegen Bülach, Oberglatt und Seuzach 2 nicht nur die jeweiligen drei Punkte, sondern was noch schlimmer ist, jegliches Selbstvertrauen, mitverloren.

…wechsel- und launenhaft…
Effretikons Gesicht als Chamäleon ist bekannt. Wechsel- und launenhaft wie das Wetter, ausgesetzt grossen Leistungsschwankungen. Einmal Himmel hoch jauchzend – dann gleich wieder zu Tode betrübt. Folgte dem Effretiker Biorhythmus meist auf eine hervorragende Partie eine schwache Leistung, dann wieder eine ansteigende Formkurve, zeigt letztere seit drei Wochen (steil) bergab. Effretikon am Boden. Das hoch gesteckte Ziel des Trainers, den zweiten Schlussrang, kann bereits abgeschminkt werden. Jetzt geht es für die Effretiker nur noch um Schadensbegrenzung.

…und weiterhin grossen (Stimmungs)-Schwankungen unterworfen
«Wir sind noch immer grossen Schwankungen unterworfen», es fehle seiner Mannschaft «an der nötigen Konstanz», so Halimi auch zur Winterpause. Beides konnte seine Truppe in diesem Frühling nicht korrigieren, verbessern. Die Hoffnung, Effretikon setzte nach dem obligatorischen Herbstblues in der zweiten Saisonhälfte wiederum zum starken Erfolgs-Marathon an, ist in Schall und Rauch aufgegangen. Der kurze Höhenflug mit zwei Siegen in Folge endete mit einer lauten Bruchlandung.

Sieger stehen auf – Verlierer bleiben liegen
Jetzt müssen die FCE-Teamverantwortlichen ihre am Boden zerstörte Mannschaft wiederaufrichten. Nach dem Motto: Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben, ist jetzt der viel zitierte «Charakter einer Mannschaft» gefragt. Bei Effretikon flogen jedenfalls unmittelbar nach Abpfiff der Sonntagspartie die verbalen Fetzen. Die Effretiker haben ein undenkbar schlechtes Timing für ihre Krise gesucht, wenn man überhaupt von einem «guten» oder «schlechten» Moment einer solchen Abwärtsspirale reden kann. Seuzach 2 verlor drei Mal in Folge nur mit einem Tor Unterschied und wollte mit allen Mitteln in Effretikon endlich wieder den Erfolg und damit den ersten Vollerfolg in diesem Frühling.

Und nun Effretikons kommender Gastgeber Elgg?
Die Mannschaft von Giuseppe Picone hat sich sonntags in Embrach in einen Spiel- und Torrausch gesteigert. Zur Pause führten die Gäste bereits 3:0 und deklassierten im zweiten Durchgang Embrach. Am Ende stand es 9:1. Vierfacher Torschütze war dabei Michael Bühler. Elgg vollzog auf diese Saison hin einen Schnitt und setzte nur noch auf Spieler aus dem eigenen Verein. Mit Ali Faton, Luca Licone, Laurin Guidon, Philippe Fuchs und Marco Hartmann wurden gleich fünf Spieler aus den eigenen A-Junioren, mit Marc Scherrer ein eigner B-Junior und Reto Blaser, Manuel Hösli, Diego Schöpfer, Christian Hirt, Benjamin Mulaj und Alessandro Cassara sechs Spieler aus der eigenen zweiten Mannschaft ins Fanionteam nachgezogen.

Elgg will sich nun mit eigenen Spielern in der Drittliga etablieren, verlor den Rückrundenstart gegen Neftenbach 3:5, siegte in Oberglatt 3:1, unterlag aber dem Leader Wallisellen «nur» 0:2 und tankte nun mit dem 9:1 über Embrach Moral und Selbstvertrauen für die restlichen Runden. Somit kommt es nun samstags zum Duell: Höhen- gegen Tiefflug. Können sich die Effretiker aus ihrer Krise kämpfen, oder fliegt Ellg weiter auf Wolke Sieben?

Stagnieren – heisst Rückschritt
«Das wir ein ganz hartes Auswärtsspiel», so Flakon Halimi unmittelbar nach dem Abpfiff in Effretikon noch bevor er das Resultat aus Embrach kannte. «Wenn wir so auftreten wie heute gegen Seuzach gibt es für uns eine Packung», so Halimi weiter. «Elgg ist klar der Favorit, wir nur der Aussenseiter und ich garantiere, dass Elgg uns so aufsässig ‘plagen’ wird wie eine aggressive Wespe. Wir werden zu keinem Zeitpunkt des Spieles Ruhe auf dem Platz haben». Alle Vorteile liegen nun beim Heimklub – einmal mehr erwartet man von den Effretikern «eine klare Reaktion». Elgg liegt momentan mit 19 Punkten auf dem achten- Effretikon mit 23 Punkten noch auf dem fünften Zwischenrang.


Heinz Minder, Illnau