Trainingslager FC Effretikon Damen 1

Geschrieben von Frauen 1 am .

Zum ersten Mal konnte unser Frauenteam in ein richtiges Trainingslager reisen. Gerade noch rechtzeitig, vor Eintreten der ausserordentlichen Lage, ging es mit dem Flugzeug in Richtung Wärme, genauer gesagt, nach Malta. Was Sie dort auf und neben dem Platz erlebten und wieso der Virus doch noch fast alles vermasselt hätte, erzählen Sie uns gleich selber. (weiterlesen)

Dienstag, 10. März 2020
Der lang ersehnte Tag war endlich da! Unser erstes richtiges Trainingslager per Flugzeug stand vor der Türe. Mit viel Vorfreude im Gepäck und dem Corona-Virus im Nacken startete die Reise nach Malta am Flughafen Zürich. Aufgeregt, pünktlich und einheitlich im schwarzen Trainer gekleidet fand sich die ganze Mannschaft um 15.30 Uhr ein.

Nach erfolgreichem Gruppen Check-In ging es problemlos durch die Sicherheitskontrollen und anschliessend versuchten wir die lange Wartezeit – von eineinhalb Stunden!! – mit Kartenspielen und Tratschereien (und Wein) zu überbrücken. Mit vier weiteren Schweizer Fussball-mannschaften hob das Flugzeug um 17.40 Uhr ab und erreichte unsere Destination Malta nach rund zwei Stunden Flugzeit. Das Abenteuer mit 25 Fussballerinnen sowie zwei Trainer konnte beginnen!

Wir wurden von unseren zwei Betreuerinnen, Luisa und Louise, herzlichst empfangen, was man nicht von Malta selbst sagen kann…es regnete leicht. Bevor das grosse Auspacken und Einrichten von statten ging, wurde uns im Hotel ein Abendessen serviert. Die Zimmerein-teilung mit bis zu drei Personen haben wir vorab schon festgelegt, sodass einige Spielerinnen nach dem Essen und Zimmerbezug den Abend mit einem oder mehreren Schlummerdrinks in der Ausgangsmeile ausklingen lassen konnten. 

   

Mittwoch, 11. März 2020
Beim alltäglichen Footing frühmorgens am kurzen Strand von St. George’s Bay versuchte der Trainer mit einem lockeren Einlaufen die Müdigkeit aus den Beinen zu treiben. Leider gab es schon bei der allerersten Einheit am Strand die ersten Spielerinnen, die sich aufgrund des Überkonsum an alkoholischen Getränken verabschieden mussten. Nach dieser Aufwärm-übung ging es direkt zum Frühstück. Danach hiess es umziehen und sich mental auf das erste «richtige» Training in Malta vorzubereiten. Mit unseren zwei Begleiterinnen ging der zehn-minütige Marsch Richtung Fussballplatz los und die Aussicht, welche uns dort empfing, war schlichtweg atemberaubend. Fakt ist, der Meeresblick und das sonnige Wetter trugen definitiv zu einem guten Training bei ????.

Der Tagesablauf war tagein tagaus derselbe. Morgens starteten wir jeweils mit Technik- und Taktiktraining und an den Nachmittagen stand erneut ein technischer Teil kombiniert mit Kondition auf dem Programm.

Nach intensiven und muskelzerrenden Trainingseinheiten und jeweils vor den Essen etablierte sich das Eisbad zu einer kleinen Tradition. Viele mutige Spielerinnen liessen ihre beanspruchte Beinmuskulatur im eisig kalten «rooftop» Pool entspannen.

An diesem Tag um 15.00 Uhr trat die (fast) vollzählige Mannschaft konzentriert, motiviert und bereit dem Konditionstraining den Kampf anzusagen, die zweite strenge Trainingseinheit an. Erschöpft und doch voller Freude auf den obligaten Abschlussmatch, teilte uns unser Assistenztrainer Thomas Goekeritz in zwei gleich starke Mannschaften auf. Unser Trainer, Patrik Meier, wurde von unseren Betreuerinnen für eine Mitteilung auf die Seite genommen. Gespannt auf den Anpfiff wartend, standen wir beisammen, jedoch erkannten wir anhand der Reaktion des Trainers sofort die Ernsthaftigkeit der Lage. Schliesslich die Hiobsbotschaft: COVID-19 hatte uns eingeholt. Wir standen ab sofort unter Quarantäne. Die gute Stimmung war komplett dahin, Panikattacken und Fragezeichen, wie es weitergehen sollte, übernahmen die Oberhand. Trainingsabbruch und zurück auf das Hotel statt Plauschspiel.

Im Hotel angekommen überschlugen sich die Meldungen. Nach einer angespannten Stunde erhielt unser Trainer die Information, dass wir glücklicherweise doch nicht unter Quarantäne standen. Der Staat Malta stufte die Schweiz am 11. März als ein Risikoland betreffend des Corona-Virus ein. Da wir aber bereits einen Tag vor dieser Meldung, d.h. am 10. März in Malta eintrafen, zählten wir nicht zu den betroffenen Personen! Diese ausgesprochene Massnahme galt lediglich für alle Einreisenden ab dem 11. März…

Wie es jedoch so ist, folgt auf eine erfreuliche Mitteilung eine weniger erfreuliche: Unser Flug am Sonntag zurück in die Schweiz wurde gestrichen. Ab 00.00 Uhr des 12. März wurde im Flugverkehr weder eine Start- noch eine Landeerlaubnis erteilt. Trotz diesem Schrecken liessen sich einige Spielerinnen nicht entmutigen und machten erneut die Partymeile un-sicher. Zumal wir in den Geburtstag von einer Spielerin, welche ihr 24. Lebensjahr vollendete, ordentlich hinein feiern konnten.

Donnerstag, 12. März 2020
Am nächsten Morgen, wie gewohnt lockeres Einlaufen am Strand, Morgenessen und die Trainingseinheit mit Technik und Taktik. Der grosse Teil der Mannschaft trainierte konzen-triert und gut, dennoch war in diversen Gesichtern die Ungewissheit und Nervosität zu sehen. Auch das Trainergespann zerbrach sich ordentlich den Kopf, wie wir diese ausser-gewöhnliche Situation elegant meistern. Aufgrund der ständig psychischen Belastung nahm die Zahl der Verletzten bzw. Angeschlagenen immer mehr zu, sodass wir die anfänglichen 25 Spielerinnen mit Müh und Not in zwei Mannschaften à 8 Spielerinnen aufteilen konnten.

Speziell an diesem Tag war, dass uns spätabends eine maltesische First Division League Damenmannschaft erwartete. Um uns vor unserem ersten Testspiel noch ein wenig zu erholen, starteten wir das Nachmittagstraining ein wenig früher als üblich. Im Verlauf dieser Einheit erhielten wir die Nachricht, dass unser Gegner, aufgrund der aktuellen Situation und Schweiz als Risikoland, nicht antreten wird. Enttäuscht, denn wir haben uns alle auf diese Herausforderung gefreut, nahmen wir den restlichen Abend in Angriff inklusive Abendessen und Ausgang.

Freitag, 13. März 2020
Am Freitagmorgen, wie üblich, lockeres Einlaufen am Strand und die Meeresluft sowie schöne Aussicht geniessen. Obwohl in diesen Momenten das Dasein ruhig und sorglos erschien, stand das Problem «Rückflug» immer noch im Raum. Das Trainerduo wurde doch langsam aber sicher nervös. Nach intensiven Telefonaten und auch dank den Bemühungen «unseres» Reisebüros erhielten wir am Freitag die Bestätigung für einen Rückflug am Samstag statt Sonntag.

Die zwei letzten Trainingseinheiten wurden erfolgreich absolviert und eine heitere Stimmung war festzustellen. Für unseren Abschlussabend wurde speziell für das Frauenteam des FC Effretikon die Rapperin «Seredana» eingeflogen, welche während eines phänomenalen Auftritts in der überfüllten und aufgeheizten Lounge Nr. 505 ihre Seele aus dem Leib sang. Sogar zwei Background Tänzerinnen waren mit von der Partie, welche diese Darbietung mit einer stetig wechselnden Choreografie unterstrich. Nach einer von allen Anwesenden geforderten Zugabe wurde das Konzert kurzfristig unterbrochen und in einem Club in der Nähe des Hotels fortgesetzt. Auf ein erfolgreiches und unvergessliches Trainingslager wurde angestossen, getanzt und gejubelt. Sogar unser Trainer, Patrik Meier, liess sich diesen Abend nicht entgehen und «tänzelte» mit uns mit. Was für ein Abend!!

Samstag, 14. März 2020
«Earlybirds» konnten das Frühstück geniessen, andere bevorzugten den bitter nötigen Schlaf. Erschöpft und müde (und dies nicht nur aufgrund des intensiven Trainings ????) befand sich die gesamte Mannschaft am Samstagmorgen um 11.30 Uhr in der Lobby. Der Rückflug in die Schweiz stand an.

Unser Shuttle-Bus wartete vor dem Hotel auf uns und auch unsere lieben zwei Begleiter-innen, Luisa und Louise, standen uns wie immer zur Seite. Am Flughafen in Malta stand uns eine längere Wartezeit bevor: Boarding mit Temperaturmessung. Fieberfrei, glücklich endlich in den Flieger einsteigen zu können und mit vielen guten Erinnerungen im Gepäck ging es für uns Richtung Zürich, wo wir nach gut zwei Stunden sicher landeten.

Abgesehen von den Vorfällen rund um den Virus war das Trainingslager ein voller Erfolg! Und die Frage, ob wir wieder zurückgehen würden, erübrigt sich.

Tausend Dank!
Nicht zu vergessen sind diejenigen, welche uns einen reibungslosen Ablauf dieser Reise ermöglicht haben. An dieser Stelle möchte sich die Mannschaft des FC Effretikon Frauen 1 herzlichst beim Vorstand für die grosszügige Unterstützung und Ermöglichung des Lagers bedanken. Der Dank geht ebenfalls an den Staat Malta für den Sponsoren Betrag, welche die Mannschaft in Empfang nehmen durfte! Ein grosses Dankeschön gilt unseren zwei Betreuer-innen, Luisa und Louise. Vielen Dank für den Support, die vorzügliche Betreuung und dass ihr uns stets zur Seite gestanden seid. Ohne euch wären wir in dieser aussergewöhnlichen Lage verloren gewesen.

Zu guter Letzt und mit genauso grosser Dankbarkeit möchten wir uns bei unserem super Trainerduo bedanken! Wir hatten auf sowie neben dem Platz unseren Plausch, wurden gefordert, gejagt und zu Bestleistungen angetrieben und konnten dennoch blöde Sprüche reissen und lachen, danke dafür. Auch der gesamten Mannschaft gilt ein Dank, welches dieses Lager zu etwas ganz Besonderem gemacht hat. Der Erfolg eines Teams liegt auf vielen Schultern und unser Team hat definitiv an Zusammenhalt und Festigkeit gewonnen!

Team Frauen 1. Mannschaft