Interview mit Rainer Bierbrodt - Fitness-Coach

Rainer Bierbrodt (Fitness-Coach 1. Mannschaft), 47 Jahre jung. Arbeite als Leiter Firmenkunden bei der Zurich Versicherung. 

Die ersten Schritte im Fussball hatte ich bei Höngg, wo ich aufwuchs. Nach den Junioren wechselte ich zu Polizei-Zürich in die 2. Liga, wo ich aber kein Stammspieler war. Nach einer Saison in der 3. Liga kam dann der historische Wechsel zu Effretikon, wo ich in der 2. Mannschaft in der 4. und ebenfalls in der 3. Liga spielte. Der absolute Höhepunkt kam dann aber mit den Senioren.

Meine Motivation ist, dass ich etwas bewegen möchte, dass ich viel Potential beim FC Effretikon sehe und es mich reizt, diesen anspruchsvollen Weg mit der Mannschaft zu gehen. Es ist eine grosse Herausforderung. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir es schaffen. Übrigens, der erste Kontakt kam durch den früheren Trainer Paolo Fatati, welcher für den Verein und auch für die Mannschaft immer alles gegeben hat! VIELEN DANK!

Interview 

Wie kam es dazu, dass Du Dich vor einigen Jahren entschieden hast, mit Workout/Fitness zu beginnen bzw. intensiv zu beschäftigen?
Ich war gerade wieder einmal in Barcelona, quasi meine zweite Heimat. Zu dieser Zeit hatte ich mich voll und ganz auf den TV Sport konzentriert. Aber ich wusste, dass das nicht mehr geht und so fing die Geschichte an. Ich wollte etwas ändern, musste etwas ändern! Ich war mit mir nicht mehr zufrieden und hatte ein paar Kilos zu viel. Da fing ich spät mit Kampfsport an, das war für mich wichtig, so konnte ich meine Grenzen auf radikale Art und Weise ziemlich hart erfahren. Stellte meine Ernährung um und danach kam ich auf Bootcamp und auf einmal war ich Bootcamp- und TRX Instruktor! Ich leitete viele Gruppen-, Firmen- und Personaltrainings. Zurzeit konzentriere ich mich auf zwei Personaltrainings, den FC Effretikon und trainiere noch einmal pro Woche für mich.

Die Idee, beim FC Effretikon (vorwiegend in der 1. Mannschaft) als Fitnesscoach tätig zu sein, entstand nicht von ungefähr. Viele Spieler wurden in den letzten Jahren immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen und mussten teilweise die Fussballkarriere beenden. Wie kannst Du mit Deinem Programm/Übungen beeinflussen, dass diese Verletzungen (vor allem im Muskelbereich) nicht mehr in dieser Häufigkeit auftreten?
In der Tat, das war ein grosses Problem! Die letzte Saison war leider ein gutes Beispiel dafür. Als ich die Vorbereitung anfing, kamen viele Spieler zu mir und klagten über Schmerzen hier und da. Da wusste ich, ich muss auch im mentalen Bereich viel arbeiten. Vor allem auch, weil wir eine sehr technische Mannschaft sind. Die mögen meine Trainings nicht soooo sehr und so versuchten sie natürlich auch, gewisse Minuten des Trainings auszulassen. Trotz allem, der grosse Teil der Mannschaft machte voll mit. Ich versuchte die Spieler darauf zu sensibilisieren, dass sie in jedem Training an die Grenzen gehen müssen! Meine Aufgabe besteht darin, dass ich sie auf dem Weg begleite, den Schritt bzw. den Weg müssen sie aber selber gehen. Wir hatten eine gute Vorbereitung, arbeiteten sehr hart an uns, machten viele Kraft-, Ausdauer- und Stabilisationsübungen. Mit diesen Einheiten stärkten wir die Muskeln wie auch den mentalen Bereich, stärkten aber auch das Selbstvertrauen (was NOCH nicht ganz auf dem Platz zu spüren war, da brauchen wir noch Geduld, auch das ist mit dieser jungen Mannschaft verständlich).

Aber natürlich musste ich sie immer wieder motivieren aber es zahlte sich aus, zumindest hatten wir keine Verletzungen in der Vorrunde. UND wir arbeiten weiter und weiter, es ist ein extrem langer Weg! Wir gehen diesen gemeinsam, geht nicht, gibt es nicht!

Welchen Einfluss hat Deiner Meinung nach die physische Verfassung eines Spielers auf seinen Körper bzw. wie kann ein mental fitter Spieler das Spiel der Mannschaft beeinflussen?
Einen ganz ganz grossen!!!!! Es gibt sehr sehr wenige Spieler die mit einer mageren Fitness ein Spiel beeinflussen können. Selbst ein Messi macht, sofern die Infos stimmen die ich bekomme, einen eifrigen Eindruck im Training - Ottmar Hitzfeld sagte einmal zu mir: „Der Unterschied zwischen einem Schweizer und einem Deutschen ist folgender: Bei einem 100 Meter-Sprint hört der Schweizer nach 98 Meter auf, der Deutsche nach 105 m! Diese Aussage ist wahrscheinlich heute nicht mehr ganz so richtig, aber es ist trotzdem etwas Wahres in der Aussage. Ein mental fitter Spieler, kann in der 89. Min. eines Spiels, genau den letzten Pass schlagen den es braucht, den letzten Sprint, den letzten scharfen Torschuss machen usw. oder in einer hektischen Phase die absolute Ruhe bewahren! 

Wenn wir nun die Vorrunde der ersten Mannschaft analysieren, sehen wir rein tabellarisch keine massive Veränderungen zu den 2 Jahren davor. An was fehlt es Deiner Meinung nach?
Da bin ich anderer Meinung. Letzte Saison hatten wir nach der Vorrunde, so glaube ich, 8 Punkte und waren ganz klar unten in der Tabelle anzutreffen. Nach dieser Vorrunde sind wir mit 17 Punkten auf dem 4. Rang. Ich gebe aber zu, wir könnten auf der einen Seite 6 Punkte mehr haben und noch weiter vorne liegen, wir könnten aber auch weniger Punkte haben und näher am Strich liegen. Aufgrund des Verlaufes der Vorrunde müssen wir aber zufrieden sein, was die Tabelle und Punkte angeht. Spielerisch haben wir sicherlich noch grosses Steigerungspotential. Uns fehlt es ganz klar an der Konstanz! Das Auf und Ab kann so nicht weitergehen und wir im Staff werden alles Mögliche tun, um die Rückrunde in eine andere Richtung zu lenken. Wir arbeiten hart daran und haben in vielen Gesprächen auch Selbstreflektion betrieben. Auch wir haben Fehler gemacht und werden diese sicherlich nicht mehr machen! Wir haben grosses Vertrauen in die Mannschaft und ich bin sicher, sofern alles nach Plan läuft, werden wir in der Rückrunde viel Freude an dieser Mannschaft haben!

Blickt man tiefer in die Mannschaft rein stellt man doch etwas sehr Positives fest; dass sich in der Vorrunde kein Spieler verletzt hat. Da hat sich ja Dein Engagement schon ausbezahlt?
Ja klar  Genau, wir hatten keine Verletzungen, ABER das ist nicht alleine mein Verdienst, grosses Kompliment an die beiden Haupttrainer welche absolut geniale Trainings vorbereiten, aber auch ein Kompliment an die Spieler, weil sie fast immer 100% geben. Aber wie eingangs schon einmal erwähnt, wir gehen unseren Weg, ohne Kompromisse ganz nach dem Motto: never give up!

Blicken wir ein wenig voraus. Wo hat es noch Potential im Team und wie kannst Du als Fitnesscoach dieses Potential bei den Spielern hervorrufen?
Wir haben sicherlich in der Konstanz das grosse Potential und um Konstanz zu zeigen, müssen wir bereit sein, noch mehr an die Grenzen zu gehen, den Sieg noch mehr zu wollen, sich für das Team noch mehr zu opfern. Also sind wir wieder im mentalen Bereich. In dieser Hinsicht hat jeder Spieler wie ich auch übrigens ein grosses Potential, der Weg ist nie zu Ende! Wir müssen noch härter an uns arbeiten, wir und die Spieler müssen die Selbstreflektion noch intensiver gestalten. Also werden wir im mentalen Bereich, Ausdauer, Kraft und Stabilisation weiter hart, sehr hart arbeiten.

Du warst früher beim FC Effretikon auch 3. Liga-Spieler. Wie hat sich heute das Spiel, das Niveau und die Fitness gegenüber Deiner aktiven Zeit verändert?
Stimmt, lange Zeit ist es her. Das Spiel heute ist viel technischer, schneller und intensiver geworden. Wir hatten damals in der 3. Liga kaum ein solches Setup wie heute. Auch in meiner aktiven Zeit hatten wir durchtrainierte Spieler, aber auch den einen oder anderen, welcher ein paar Gramm zu viel hatte, wie ich. Was wir aber hatten, in der ersten und in der zweiten Mannschaft, ein Teamgeist. Die erste Mannschaft wäre nicht so lange so erfolgreich gewesen ohne einen TOPP-Teamgeist. Natürlich hatten Sie auch eine TOPP-Mannschaft.

Ich sagte den Spielern anfangs Vorbereitung: Hey Jungs, wir haben ALLES! Eine eigene Garderobe, zu unserer Zeit hatten wir vielmals nicht mal warmes Wasser! Super Trainingsbälle, hervorragende Infrastruktur und ein sehr gutes Spielermaterial. Es liegt an uns zu zeigen, dass wir viel mehr können! Wir müssen und werden die Grenzen erreichen und werden hoffentlich bald einmal sagen können, WOW es hat sich gelohnt.

Was wünschst Du Dir für den FC Effretikon in Zukunft?In erster Linie dass wir alle gesund bleiben und natürlich das wir weiterhin keine Verletzungen haben! Und wenn wir alle weiterhin alles geben, wäre es sehr schön, wenn wir nächste Saison so lange wie möglich mit der Spitze mithalten könnten. Ein weiterer GROSSER Wunsch von mir ist es, dass wir frecher werden, mutiger, wir müssen viel wuchtiger Auftreten! Für das arbeiten wir hart!

Oliver Ziegler, Leiter Aktive