Präsi's Corner Oktober 2017

Heute möchte ich einige Dinge, welche mich und meine Vorstandskollegen in den letzten Tagen und Wochen beschäftigen, zum Thema machen. Vorab sei erwähnt, dass es immer wieder Momente gibt, in denen man am liebsten den Bettel hinwerfen würde. Ebenso wichtig ist es aber klarzustellen, dass es kurz darauf nichts Schöneres gibt, als in unserem Verein etwas zu bewegen und Erfolge zu sehen. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass eine grosse Mehrheit unserer Mitglieder uns Woche für Woche Freude bereitet. Trotzdem sind gewisse Tendenzen erkennbar, welchen wir etwas entgegenwirken wollen. Soweit wäre die Basis für die kommenden Gedanken also gelegt. Die kommenden Zeilen sind wichtig für Juniorinnen und Junioren, Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer, Eltern und alle, welche mit unserem Verein und unseren Teams irgendetwas zu tun haben. Ebenfalls vorausschicken möchte ich, dass wir im Vorstand nicht immer darüber einig sind, welche Kommunikationsmethoden heutzutage angebracht, sinnvoll und überhaupt wirkungsvoll sind. Ich rufe an dieser Stelle einfach mal dazu auf gewillt zu sein, einen etwas längeren Text zu lesen und sich darüber Gedanken zu machen. Es würde mich freuen, wenn so viele wie möglich auf den ‚Link zum Weiterlesen‘ klicken. Feedback ist erwünscht und Fragen werden gerne beantwortet. 

Als erstes möchte ich die Rolle unserer unzähligen Trainerinnen und Trainer etwas beleuchten. Es ist noch gar nicht so lange her, da durfte man sich als Trainer darauf konzentrieren Fussball beizubringen und Spiele zu managen. In den letzten zehn bis zwanzig Jahren hat sich das aber grundlegend geändert. Die Ansprüche und Anforderungen an die Teamverantwortlichen sind massiv gestiegen und die Rolle wurde einem starken Wandel unterzogen. Wandel und damit zusammenhängende Veränderungen sind nicht grundsätzlich schlecht. Aber sie stellen vor allem für Organisationen, welche wie wir ausschliesslich mit Freiwilligen arbeiten, eine grosse Herausforderung dar. Wie angetönt reicht es heute nicht mehr einfach nur Fussball zu lehren. Es wird vorausgesetzt, dass wir eine ‚Erlebniswelt‘ schaffen, welche Woche für Woche spannend, abwechslungsreich, unterhaltsam, perfekt organisiert, sozial, anspruchsvoll, verständnisvoll, grosszügig, flexibel und noch vieles mehr ist. Ich habe in meinen vielen Jahren im Fussball noch keinen Trainer und keine Trainerin getroffen, welche sämtlichen Anforderungen entsprochen hätte. Aber ich stelle fest, dass alle versuchen, diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen. Damit sie ihre Rolle so gut wie möglich spielen können, braucht es die Unterstützung aller Beteiligten.

Verpflichtungen einzugehen scheint schwierig
Am deutlichsten spüren wir den Wandel an der notwendigen Teamgrösse, welche es braucht, um eine Saison reibungslos über die Bühne bringen zu können. Reichten früher je nach Kategorie 3-5 Ersatzspieler, muss man heute die Anzahl Spieler in der Startaufstellung verdoppeln, um nicht früher oder später Personalengpässe zu haben. Immer mehr Spielerinnen und Spieler scheinen auch Mühe mit regelmässigen Trainingsbesuchen zu haben. Die Gründe sind vielfältig. Einige Absenzen sind begründet mit Krankheit, Verletzungen, Ausbildung oder Beruf. Immer öfter scheinen aber nicht ganz so zwingende Gründe für eine Abmeldung verantwortlich zu sein. Das sind dann der xte Geburtstag einer Grossmutter, das Einkaufen zusammen mit den Eltern, der kurzfristige Besuch eines Abenteuerparks (um nur einige zu nennen) oder wenn wir ehrlich sein wollen, einfach keine Lust oder das schlechte Wetter. Hier möchte ich daran erinnern, dass man sich mit der Anmeldung im Fussballclub für einen Teamsport entschieden hat. Gemeinsam Fortschritte machen kann man nur, wenn man die überwiegende Anzahl Trainings besucht. Gemeinsam Erfolg haben kann man nur, wenn man an den Spielen verfügbar ist. Die Spassgesellschaft hat ihren grossen Anteil an vielen unserer Schwierigkeiten einen geregelten Betrieb zu gewährleisten. Und der Weg des geringsten Widerstandes war noch selten der erfolgreiche Weg. Und der gemeinsame Spass – sei es über siegreiche Spiele oder über sichtbare Fortschritte – kommt selten von alleine.

Gesellschaftlicher Wandel
Der Fussball ist natürlich ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft. Mit einigem müssen wir umgehen können. Pubertierende Teenager gab es schon immer. Dass Grenzen ausgetestet werden ist klar – wenn auch nicht immer angenehm. Es gibt die Rebellen und richtig kanalisiert tun diese dem Team sogar gut. Mehr Mühe bereitet da die feststellbare Verrohung unserer Sprache. Vieles scheint salonfähig geworden zu sein. Ich möchte an dieser Stelle keine Beispiele nennen, sie sind hinlänglich bekannt. Ich wehre mich aber vehement dagegen, dass unsere Spielerinnen und Spieler bei diesem Trashtalk mitmachen. Ich möchte, dass unsere Teams sich auf das Fussballspielen konzentrieren. Dass sie Antworten auf dem Platz und in Form von Toren und gelungenen Aktionen geben. Es geht auch nicht, dass jeder Schiedsrichterentscheid vehement verbal bekämpft werden muss. In den seltensten Fällen pfeift der Schiedsrichter schlechter, als die Spieler spielen. Lasst uns also unsere überschüssige Energie in gewonnen Laufduellen oder mit wuchtigen Schüssen (am liebsten ins Tor) abbauen. Dies gilt übrigens über alle Kategorien hinweg. Zunehmendes Alter ist keine Entschuldigung für fehlbares Verhalten. Und nur weil einige Superstars in den Top-Ligen dieser Welt publikumswirksam in Super SloMo und 4K schlechte Beispiele abgeben, müssen wir dies noch lange nicht tun. Auch Egoismus ist eine Facette, mit welcher wir immer wieder mal umgehen müssen. Wir versuchen so gut es geht auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder Rücksicht zu nehmen. Manchmal müssen wir das Wohl des Vereines über dasjenige eines Einzelnen oder einer Gruppe stellen.

Spielregeln einhalten
Die Politik zeigt uns schöne, woran es heute scheitert. Die einen hätten gerne alles reglementiert, die anderen am liebsten gar nichts… oder nur was einem selber nützt. Unser Verein steht dafür ein, dass es gewisse Regeln gibt und diese auch eingehalten werden müssen. Wer nach einem verlorenen Spiel mit Dreck die Wände der Garderobe mit nicht salonfähigen Sprüchen verunstaltet hat einiges nicht verstanden. Solcherlei Dinge werden nicht toleriert und haben immer Konsequenzen. Andere Spielregeln im Verein sind nicht für alle sofort zu verstehen. Beispielsweise hat der Vorstand vor vielen Jahre beschlossen, dass Hygiene zum Sport gehört und deshalb nach Trainings und Spielen geduscht wird. Ab den Junioren F gilt diese Regel. Natürlich gibt es nasse Haare. Im Sommer kein Problem – in der kälteren Jahreszeit kann man eine Kappe anziehen und wir setzen uns für immer mehr Haartrockner im Sportzentrum ein. Eines ist klar, was man den Kids von Klein an nicht bei bringt, werden sie im Alter nicht oder nur schwer lernen. Gleichzeitig gilt, wenn die Grossen es falsch vormachen, haben wir es bei den Kleinen schwierig Regeln durchzusetzen. Lasst uns also am gleichen Strick ziehen.

Und zum Schluss das Gute
Mit Ausnahme der Spiele und in der Tabelle versuchen wir es zu vermeiden, uns ständig mit anderen zu Vergleichen. Trotzdem stellen wir hoch erfreut fest, dass im FC Effretikon ganz viele Dinge gut laufen. Ein Verbandsvertreter hat mir kürzlich zu verstehen gegeben, dass es gewisse Dossiers (Straffälle, fehlende Rückmeldungen und Spielberichte etc.) über den FC Effretikon schlicht nicht gibt oder nur wenige Einzelfälle zu finden sind. In den letzten fünf Jahren waren wir als Gesamtverein ständig in den Top Ten der Fairplay Rangliste – drei Mal davon sogar in den Top Five. Die Anzahl Stellungnahmen, welche wir wegen Fehlverhalten zu schreiben haben ist stark rückläufig und betrifft überwiegend gegnerisches Fehlverhalten. Bei einem Verein mit fast 30 Teams und über 500 aktiven Fussballerinnen und Fussballern einen hundert Prozent reibungslosen Ablauf zu erwarten, wäre naiv. Aber allen muss klar sein, dass Gutes oft nicht von alleine kommt und vieles, was der FC Effretikon heute darstellt über Jahre hart erarbeitet worden ist. Es braucht manchmal wenig, um vieles kaputt zu machen. Dagegen müssen wir uns stemmen. Oft sind es einige wenige, welche uns kostbare Zeit und Nerven rauben.

Mein persönlicher Antrieb ist sowohl in der gemeinsamen Führung unseres Vereines mit meinen Vorstandskollegen, als auch auf dem Platz, wenn ich ein Mädchenteam betreue, Spass daran zu haben. Der Spass, den wir gemeinsam erleben, für den wir aber auch gemeinsam etwas tun müssen. Ich wünsche allen Mitgliedern schöne Herbstferien und den Teams einen guten Abschluss der Vorrunde.

Sportliche Grüsse - Euer Präsi - Andé Sahli