Präsi's Corner Februar 2019

Liebe Mitglieder und Eltern
Liebe Trainer und Funktionäre
Liebe Sponsoren und Fussballfreunde
Dies ist mein letzter Newletter-Beitrag als aktiver Präsident des FC Effretikon (siehe auch separater Beitrag zu diesem Thema). Als wir den Newsletter vor vielen Jahren als Ersatz für die nicht mehr zeitgemässe Clubrevue (gedrucktes Vereinsheft) ins Leben gerufen haben, schrieb ich meine Beiträge noch unter der Rubrik Vizepräsi-Corner. Nach meiner Wahl zum Präsidenten vor fünf Jahren wurden meine Beiträge nahtlos zum Präsicorner umbenannt wurde. Ich habe mich oft gefragt, ob meine Beiträge überhaupt gelesen werden. Zu meiner Freude und Überraschung wurde ich nach Veröffentlichung des Newsletters öfters von verschiedensten Personen auf meine Beiträge angesprochen, was mich immer wieder motivierte weitere Beiträge zu verfassen. Ich habe immer versucht aktuelle Themen aus meiner Sicht darzustellen und den Mitgliedern und allen anderen Empfängern des Newsletters auch unsere nicht immer einfache Aufgabe als Vereinsleitung aufzuzeigen. Oft habe ich auch von Verantwortlichen anderer Sportvereine unserer Gemeinde Feedback zu meinen Beiträgen erhalten und gespürt, wie sehr wir alle im gleichen Boot sitzen und mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Nun da ich meinen letzten Beitrag in dieser Form schreibe, habe ich mir lange überlegt, welches Thema das geeignetste sein könnte. Ich möchte Euch aufzeigen, was die Faszination des Fussballs ausmacht und wie diese in einem Verein, wie dem FCE gelebt wird. Warum so viele Millionen Frauen und Männer, ältere Semester und vor allem auch Kinder und Jugendliche diesen Sport so lieben.

Als ich 1974 mit fünf Jahren zum ersten Mal FCE-Luft geschnuppert habe, war mir nicht klar, was daraus werden würde. Ich habe damals meinen Vater, der die E-Junioren des FCE betreute (das war damals die niedrigste Juniorenkategorie überhaupt), hin und wieder zum Training begleitet. Trainiert wurde entweder mit viel zu harten Lederbällen oder gar mit Plastikbällen. Auch wenn die Bedingungen und Umstände damals ganz andere waren, jagten wir genauso wie heute hinter dem Ball nach, mit dem Ziel dieses runde Ding ins eckige Tor zu spedieren und dies hoffentlich mindestens einmal mehr als der Gegner. Den Wunsch gegen einen Ball zu treten hat eigentlich jedes Kind, die Einen ausgeprägter als die Anderen. Und die Einstiegshürden sind tief. Jeder kann auf der Strasse, auf dem Schulplatz, einer Wiese oder (zum Leidwesen geplagter Mütter und Väter) zu Hause im Zimmer oder der Stube kicken. Es reichen ein Paar Schuhe und ein Ball. Im Sommer geht es sogar barfuss in der Badi und auf der Strasse reicht oft auch ein Stein, eine Büchse, ein Tannenzapfen oder im Winter etwas gefrorener Schnee. Und wen die Sucht einmal gepackt hat, kommt nur schwer wieder davon los. Heute, da die Kinder immer früher mit dem Fussball beginnen und dann meist schon in recht 'professionellem' Umfeld, geht hin und wieder der Fussballinstinkt, den man sich meist besser auf der Strasse oder im Quartier holt, etwas verloren. Aber auch heute sehen wir immer noch viele Kids in der Nachbarschaft hinter dem Ball herjagen, zwei gegen zwei Spielen und heimlich (oder ganz offiziell) von einer Fussballkarriere à la Messi, Ronaldo oder Neymar träumen.

Teamsport als Lebensschule
Der Fussball hat aber noch ganz andere Eigenschaften. Wie andere Teamsportarten auch, fördert er das Miteinander und auch das Gegeneinander. Man lernt in der Gruppe gemeinsame Ziele zu verfolgen. Es ist wichtig auch mal Rücksicht auf andere zu nehmen. Respektvoll mit Mitspielern, Gegnern, Schiedsrichtern und Zuschauern umzugehen (was nicht immer allen gleich gut gelingt). Wenn ich mich abmelde oder einfach nicht gehe schwäche ich die Gruppe. Auch muss ich hin und wieder hinten an stehen und anderen den Vortritt lassen. Dafür aber in den nächsten Trainings Vollgas geben, um vorwärts zu kommen. All das sind Eigenschaften, welche wir im täglichen Leben, in Schule oder Beruf benötigen, um erfolgreich zu sein. Gleichzeitig fängt die Gruppe auch Schwächere oder Anfänger auf (auch das klappt leider nicht immer ganz so gut). Und dann sind da noch die vielen Trainerinnen und Trainer. Sie absolvieren bei uns Vereinen oft nebenbei und ohne grossen finanziellen Aufwand eine Kaderausbildung. Lernen (meist junge) Menschen zu führen und entwickeln sich so nebenbei zu sehr wertvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Hier wünschte ich mir, dass die Wirtschaft und die Gesellschaft dies noch viel mehr honorieren und sogar fördern würde.

Fussball ist aber noch mehr – nämlich Integration pur
Was der Fussball mehr als alle anderen Sportarten tut, ist Integration von Menschen verschiedenster Kulturen und Herkunft. Es spielen Menschen mit rund 40 verschiedenen Nationalitäten im FCE (Tendenz steigend). Während heutzutage oft von Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen wird, handeln wir. Bei uns findet (fast) jede und jeder einen Platz. Vorausgesetzt er oder sie akzeptiert ganz wenige Grundregeln und ist bereit das Miteinander zu pflegen. Natürlich machen uns einige Gebräuche manchmal Mühe. Dabei versuchen wir unsere Werte aufzuzeigen und Kompromisse zu schliessen. Man muss aufeinander zugehen können und nicht aus Prinzip auf Standpunkten beharren. Wir als Fussballclub sind ganz und gar unpolitisch, obwohl wir uns selbstverständlich für Politik interessieren und uns oft damit beschäftigen. Wir sind neutral und geben jedem und jeder eine Chance, solange er oder sie der Sache Fussball und dem Verein eine Chance geben. Kein anderer Sport ist so sehr ein Abbild unserer Gesellschaft, wie Fussball. Als scheidender Präsident wünschte ich mir, dass mehr Personen verschiedener Kulturen sich in der Vereinsleitung oder als Funktionär engagieren würden. Im Traineramt ist diese Entwicklung schon angekommen – es ist also zu hoffen, dass auch der nächste logische Schritt bald folgen wird.

Meine Freude am Fussball…
…ist ungebrochen. Auch wenn ich mich aus dem Vorstand zurückziehe freue ich mich als Trainer dabei zu bleiben. Kindern etwas beizubringen, nicht nur Fussball. Das ist das neue und alte Ziel. Wenn ich mit meinen Trainerkollegen im Training auch mal selber dem Fussball nachjage sieht man, was Fussball ist und was seine Faszination ausmacht. Die grösste Freude machen mir leuchtende Fussballer/innen-Augen. Und auch wenn siegen nicht alles ist, ein Sieg zum richtigen Zeitpunkt bewirkt manchmal Wunder. Wie gesagt, Fussball ist eine Lebensschule und das versuche ich Woche für Woche vorzuleben. Auch das gelingt nicht immer, aber bedeutend öfter als früher. Auch mit so vielen Fussballerjahren auf dem Buckel lernt man nie aus und entwickelt sich ständig weiter. 

Es ist hier und heute nicht der Zeitpunkt, um über meine 27jährige Vorstandstätigkeit Resümee zu ziehen. Da behalte ich mir für meine letzte Generalversammlung und spätere Gelegenheiten auf. In diesem Sinne wünsche ich allen Fussballerinnen (in immer grösserer Anzahl, was mich ausserordentlich freut) und Fussballern (in ungebrochen hoher Anzahl, was mich nicht weniger freut) unseres FC Effretikon einen guten Start ins Fussballjahr und dem FCE unter der neuen Leitung eine erfolgreiche Zukunft und viel Kraft bei der Verfolgung und Erreichung künftiger Ziele.

Euer (bald Ex-)Präsi
André Sahli