3. Liga, Gruppe 4: Kloten – Effretikon 0:6 (0:2)

Wie aus einem Guss 
Effretikon fertigte auswärts ein etwas arrogant wirkendes Kloten brutal ab. Die Zürcher Oberländer kamen auf dem Stighag gleich zu einem 6:0 (2:0) Kantersieg. Bemerkenswert: bei Effretikon gab Christoph Panzer nach über einem Jahr Verletzungspause ein Comeback. In der 88. Minute anstelle von Zulfikari eingewechselt, steuerte Panzer gleich noch ein Doppelpack zum 6:0 Sieg der Effretiker bei.

Vor einer Woche verlor Effretikon sein Heimspiel gegen Elgg, für viele etwas überraschend, mit 2:3. „Wir haben heute in Kloten ganz anders gespielt“, so Flakon Halimi. Effretikons Trainer: „Gegen Elgg versuchten wir mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Heute in Kloten wussten wir, dass wir den Sieg nur über den Kampf erfolgreich gewinnen können“. Doch bevor es auf dem Stighag zur Sache gehen konnte, mussten FCE-Trainer Halimi und sein Assistent Urs Rhyner kurzfristig noch umdisponieren. Das verantwortliche Team-Duo wollte eigentlich Romario Giger vorerst auf der Bank haben. Doch dann konnte Adrian Fahrni aus gesundheitlichen Gründen nicht einlaufen. So übernahm Giger dessen Part.

Zwei Verlierer treffen aufeinander
Pikant an dieser Begegnung war die Tatsache, dass sonntags zwei Verlierer des letzten Spieltages zum Direktkampf aufeinandertrafen. Kloten hatte das prestigeträchtige Nachbarderby bei Embrach mit 1:3 verloren, obschon die Flieger über 75 Minuten lang mit einem Spieler mehr agieren konnten, denn Embrachs Torhüter Booss hatte in der Startviertelstunde den Platz wegen eines Handspieles ausserhalb des Strafraumes vorzeitig verlassen müssen. Kloten verstand es nicht, seine numerische Überlegenheit auszunutzen. Der Grund dürfte mitunter auch jener sein, den Halimi/Rhyner am Ende des Spieles dem Gastgeber attestierten: 2Überheblichkeit – ja arrogantes Auftreten“.

Schneller und gedanklich überlegen
„Wir waren von Anfang an wach und präsent auf dem Platz und dem Gegner in vielen Spielsituationen schneller und gedanklich überlegen“, freute sich am Schluss Flakon Halimi. „Die Einstellung der Spieler nach der Niederlage gegen Elgg war wieder wie vor dem Match in Seuzach, wo wir die stärkste Leistung sahen, seit ich die Truppe des FC Effretikon nach Ostern 2016 übernommen habe“. Halimi rechnete „mit einem sehr schweren Spiel in Kloten, denn der Gastgeber stand wie wir selbst auch unter Erfolgsdruck“. Dass am Ende alles so klar, ja einseitig ausgefallen ist, schreibt Effretikons Trainer auch der möglichen Tatsache zu, dass „uns Kloten an diesem Sonntag unterschätze“.

Umstellung und früher 1:0 durch Romario Giger
Das Spiel begann ganz nach dem Gusto der Oberländer. Mit einem Steilpass hinter die gegnerische Abwehr lancierte Florian Bannwart den eben doch anstelle von Fahrni in der Startelf mit dabei gewesene Romario Giger. Dieser dribbelte und schüttelte den Gegenspieler ab und bezwang Klotens Torhüter Krebs (konnte nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden vor Wochenfrist in Embrach wieder mitspielen) im unteren linken Eck zum frühen 1:0 Führungstreffer der Effretiker (12.). Folglich mit mehr Selbstvertrauen als der Gastgeber, kontrollierte Effretikon das Geschehen. „Meine Spieler sind heute mehr gelaufen als Kloten“, freute sich Halimi, der auch freudig zur Kenntnis nahm, wie seine Mannschaft mit einer herrlichen und gut einstudierten Ballkombination über das Zentrum hinaus, wo Kim Schärz auf die Aussenposition zu Christian Bärtschi spielte. Urs Rhyner später zur Entstehung des zweiten Treffers: «Bärtschi nahm den Ball stehen an und marschierte nach innen. Von dort aus schlenzte er dann den Ball durch die Abwehr wieder in die untere linke Torecke. Dieser passte ganz genau, wohl weil so exakt platziert, unhaltbar für den gegnerischen Keeper». Damit stand Kloten zur Halbzeit schon mal mit dem Rücken zur Wand und hatte sich den Verlauf des ersten Durchganges wohl ganz anders erwartet.

2:0 zur Pause – Effretikon steigert sich nach Seitenwechsel gar noch
Nach dem Seitenwechsel kassierte Avni Shahinaj eine Gelbe Karte, weil Effretikons Spielführer darüber reklamierte, dass ein Handspiel des Gegners nicht geahnet wurde und anschliessend der Freistoss zu Gunsten des FC Klotens ausgesprochen wurde (53.). Kurz vor Ablauf der ersten Stunde nahmen dann Halimi/Rhyner den ersten Wechsel vor. Anstelle von Kim Schärz kam nun Uchenna Anioke, welcher in den ersten Spielen dieser Saison stets als Effretikons einzige Sturmspitze von Anfang an mit dabei war.

Danko bereitet vorentscheidendes 3:0 vor
Dann eine Aufregung auf dem Platz. Erst wurde Effretikons Fabian Danko, ebenfalls wegen Reklamierens, verwarnt. Dann ahndete der Unparteiische eine Rückgabe des Gegners auf Krebs nicht, obwohl dieser dann den Ball mit den Händen aufnahm. Vergeblich protestierten die Gäste, konzentrierten sich dann aber wieder voll und ganz auf das Spiel und den Gegner, welcher weiter hin kaum zu einer nennenswerten Torchance kam. Anders Effretikon. 66. Minute: Der zuvor verwarnte Danko, steigert sich nach seiner schweren Knieverletzung kontinuierlich von Spiel zu Spiel, wurde über die Aussenbahn lanciert. An der gegnerischen Strafraumgrenze folgte dann das Zuspiel auf den mitgelaufenen Anioke, welcher nur noch zum 3:0 einschieben musste. «Während wir das Spiel komplett kontrollierten und nichts mehr anbrennen liessen, machten sich beim Gegner verbunden mit dem 0:3 die ersten Spuren von Resignation breit», so Flakon Halimi. Kurz nach diesem Tor dann ein weiterer Wechsel bei Effretikon. Danko ging, Jason Amoako kam (67.) und Effretikon bestimmte weiterhin die Gangart in Kloten. Nun steigerten sich die Gäste und verstärkten den Druck. Kloten konnte sich nun bedingt aus der Umklammerung befreien, schlug den Ball fast planlos in das Zentrum des Mittelfeldes, wo Jahjo Zulfikari in Ballbesitz gelangte, nicht lange fackelte und das Leder links ins Lattenkreuz hämmerte. Effretikons Assistent Urs Rhyner freute sich über den Sonntagsschuss: «Genauer konnte man den nicht mehr setzen. Dieser passte haargenau zum 0:4».

Kloten enttäuschend…und resignierend
Von Kloten kam in dieser Phase nicht mehr viel. Die Mannschaft von von Andreas Bockaj merkte, dass dieses Spiel wohl verloren ging. An eine ähnliche Effortleistung an das dramatische letzte Spiel der Effretiker vor zwei Jahren in Kloten glaubte wohl niemand mehr. Am 18. Oktober 2015 trafen die beiden Vereine in der Meisterschaft der Drittligisten ebenfalls in Kloten aufeinander. Die Gastgeber gingen nach 19 Minuten in Führung. Nach dem Platzverweis für den Effretiker Philip Laue (49. Minute) fiel nach einer Stunde Spielzeit das 0:2 aus Sicht der Zürcher Oberländer. Doch mit einem Mann weniger und dem Messer am Hals bäumten sich die Effretiker mächtig auf. Erst traf Fabian Danko zum 1;2 Anschluss (70.), dann glich Diego Beerle mit einem sicher verwandelten Foulpenalty zum 2:2 ais (76.). Und für Effretikon, das sich nun in Spiel- und Torlaune zu steigern schien, kam es noch besser. Mit seinem zweiten Treffer brachte Danko seine Farben erstmals (3:2) in Führung. Es bahnte sich eine hoch dramatische Schlussphase an, denn nur eine Minute nach dem 3:2 glich Kloten aus (3:3/88 Minute). Und in der Nachspielzeit glückte den Fliegern dann gar noch das 4:3. Effretikons Aufholjagd vom 0:2 zum 3:2 wurde am Ende nicht belohnt.

Spiel- und Torlaune
Nun standen die Vorzeichen ganz anders. Es folgten weitere Auswechslungen. Suriya Veomani kam nun für Christian Bärtschi (75.), dann doch noch Adrian Fahrni zu einem Kurz-/Teileinsatz ab der 77. Minute anstelle von Giger und mit Szenenapplaus, zwei Minuten vor Spielschluss Christoph Panzer zu seinem Comeback (anstelle von Torschütze Zulfikari). Panzer, Monate lang wegen einer Verletzung und Operation ausser Gefecht, gehörten dann die Schlussminuten. Kaum auf dem Platz, dribbelte sich Panzer im gegnerischen Strafraum durch und reüssierte zum 5:0 (89.) und doppelte gleich nach. In der Schlussminute lief Panzer in den Strafraum, bleib vorerst am Gegner hängen. Kloten konnte in dieser Phase ungenügend klären. Der Ball fiel Panzer direkt wieder direkt vor die Füsse. Ein Schritt, ein Schuss, präzis und unhaltbar, links unten zum 6:0. Urs Rhyner: „Dieser Ball passte genauso wie alle anderen. Kein Buch hätte mehr gepasst zwischen Torstange und Ballumrundung».

Sieg über Zweikampf gesucht
Flakion Halimi war von der Darbietung seiner Truppe begeistert. «Wir haben heute mehr als gut gespielt. Wir haben die Zweikämpfe gesucht und gewonnen. Wir haben uns heute darauf konzentriert, das schwere Treffen in Kloten nicht mit spielerischen, sondern mit kämpferischen Mitteln gewinnen zu wollen. Kloten ist meiner Meinung nach heute sehr arrogant aufgetreten und hat uns wohl unterschätzt».

Dienstags im Cup gegen Titelverteidiger Bassersdorf
Dienstags geht es für Effretikon bereits weiter. Dann steht die Cup-Partie der zweiten Runde an. Effretikon trifft auf den amtierenden Titelhalter Bassersdorf (Spielbeginn im Eselriet: Dienstag, 20:15 Uhr). «Wir freuen uns natürlich auf diesen Vergleichskampf gegen den Zweitligisten aus Bassersdorf. Der Cup hat für mich immer eigene Gesetze. Da ist oftmals alles möglich».

Heinz Minder

Matchtelegramm
Kloten – Effretikon 0:6 (0:2).-Sportplatz Stighag (Kloten).- 75 Zuschauer.- Tore: 12. Giger 0:1. 36. Bärtschi 0:2. 66. Anioke 0:3. 71. Zulfikari 0:4. 88. Panzer 0:5. 90. Panzer 0:6.- Kloten: Krebs; Melo, Urkay, Markovic, Aydinalp; Sisic, El Nasher; Funsch; Faustino, Alic, Korchad.- Ergänzungsspieler: Barrios, Amiti, Parrilla, Gashi, Zumberi, Xhuli.- Effretikon: Kläy; Aregger, Schanz, Shahinaj, Bannwart; Zulfikari; Danko, Ngari, Giger; Bärtschi, Schärz.- Ergänzungsspieler: Rutz; Fahrni; Veomani, Amoako, Panzer, Anioke.- Bemerkungen: Kloten ohne Weiss (Aufbau), Mörgeli (Beruf), Rikic und Kaurinovic (beide kein Aufgebot), Di Luziuo (privat abwesend).-