3. Liga, Gruppe 4: Effretikon – Neftenbach 3:3 (0:2)

Chamäleon Effretikon wieder mal mit zwei Gesichter
Im Eselriet vergab Neftenbach den Sieg. Die Gäste führten gegen Effretikon dank Thomas Steger (23.) und Lukas Mäder zur Halbzeit 2:0. Die Zürcher Oberländer erwachten nach dem Seitenwechsel aus ihrer Lethargie. Fabian Danko (51.) und der neu eingewechselte Uchenna Anioke (ab 57. Minute im Spiel und Torschütze neun Minuten später), gleichen zum 2:2 aus. Ein Torhüterfehler brachte Effretikon abermals in Rücklage (73.). Mit seinem zweiten Treffer (83.) rettete Fabian Danko Chamäleon Effretikon noch einen Punkt.

Mal gut - mal schlecht, mal stark - mal schwach, mal Hoch – mal Tief, mal Auf – mal Ab – beim FC Effretikon lösen sich positive – und negative Meldungen selbst in einem einzigen Spiel über 90 Minuten teils in munterer Folge ab wie auf der Geisterbahn. Die Effretiker kranken noch immer an ihrer alten Schwäche der Inkonstanz. Rollt es nicht, dann rollt es eben nicht. Statt sich zu fragen und schnellstmöglich zu überlegen: Warum rollt es nicht und wie bring ich es zum Rollen.

Erste Hälfte zum Abschminken
Getreu einem Chamäleon zeigten die Platzherren im Effretiker Eselriet in ihrem vierten Heimspiel der laufenden Saison wieder einmal ihr wechselseitiges Gesicht. Die erste Halbzeit war, getrost bemerkt grottenschwach. Da führte Neftenbach standesgemäss und höchst verdient 2:0. Dass es am Ende den Gästen nicht zum Sieg reichen sollte – nah ja – da war die Truppe von Salvatore Ciancio am Schluss wohl selbst schuld. Auch Neftenbach bringt es momentan in der Meisterschaft nicht fertig, auf einem konstanten (hohen) Level zu spielen. 0:6 Auswärtsniederlage in Wallisellen, dann eine 1:7 Heimschlappe gegen Embrach (die beiden Gruppenfavoriten) und zuletzt der 7:2 Befreiungsschlag im Kellerduell gegen Effretikons nächstem Gegner, dem aktuellen Schlusslicht Oberglatt.

Effretikon mit schmalem Kader
Der psychologische Vorteil schien auf Seiten der Gäste zu liegen. Neftenbach wollte den Elan der letzten Partie, des Kantersieges, mit in die Begegnung in Effretikon zu ziehen, derweil beim Heimklub etwelche personelle Probleme vorhanden waren. Effretikons Abwehrchef und Captain Avni Shahinaj war Gelb-Gesperrt. Kam noch hinzu, dass Florian Bannwart kurz vor Spiel wegen Krankheit absagen musste. Damit sahen die Teamverantwortlichen Flakon Halimi und Urs Rhyner sich genötigt, abermals die Defensive um zu stellen. Nebst Ersatzkeeper Marvin Rutz stand dem Trainerduo nur noch Christoph Panzer und Jason Amoako zur Verfügung. Nach Bannwarts Forfait rückte Amoako in die Startformation vor und Panzer verblieb als eigentlich, einziger Ergänzungsspieler, worauf sich Trainer Halimi selbst noch auf das Matchblatt setzen liess, aber auf einen Einsatz verzichtete. Uchenna Anioke hatte vorab aus beruflichen Gründen absagen müssen, erschien dann aber zwanzig Minuten vor Spielbeginn doch noch im Eselriet und wurde fast mit Handkuss doch noch auf das Matchblatt genommen. Der 17jährige Stürmer kam nach dem Seitenwechsel (57. Minute) zum Einsatz und markierte neun Minuten später den 2:2 Ausgleich.

Gäste dominierten erste Halbzeit deutlich
Neftenbach zeigte von Anfang an eine starke Leistung und dominierte Effretikon über die erste Halbzeit hinweg klar und deutlich. Klar, man könnte entschuldigend sagen, bei Effretikon hätten die Automatismen nach den zahlreichen Umstellungen nicht von Anfang an gegriffen. Doch das wäre vielleicht auch etwas zu einfach. Resolut übernahm Neftenbach das Spieldiktat und brachte die Platzherren mit schnellen Läufen über die Aussenbahnen noch und noch in Verlegenheit. Die beiden ersten Gegentore, gleichbedeutend dem Zweitore-Rückstand zur Pause, handelte sich Effretikon fast auf die gleiche Art und Weise ein.

Zwei Mal fast identisch vorbereitet – über rechts
Neftenbach zwei Mal über rechts. Zwei Mal praktisch runter bis zur Grundline. Dann seitlicher Pass vor das Tor, wo die mitlaufenden Spieler aufmerksam wartend, resolut vollstrecken. Noch bevor das 1:0 für Neftenbach Tatsache wurde, vergaben die Gäste bereits einige vielversprechende Möglichkeiten wie durch Assfalk (1.), Chiga (5.), Steger (9.). Dann überlief Thomas Steger temposchnell die rechte Seite, von wo aus er seinen Pass von der Grundlinie in die Mitte schlug, wo Lukas Mäder den Abschluss suchte und Steger, nun von der Grundlinie kommend, den Ball noch über die Linie drückte. Vergeblich reklamierte Effretikon Offside. Trotz verbalen Reklamierens zahlreicher Effretiker zeigte der bis auf zwei, drei kleine Unsicherheiten aufweisende Schiedsrichter unmissverständlich auf den Anspielkreis (23.). Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Neftenbach bereits ein klares Chancenplus erarbeitet.

Taktischer Seitenwechsel der Aussenverteidiger
Bei Effretikon setzte Fabian Danko nach herrlichem Doppelpass den Ball knapp am Tor vorbei (7.) und bei einem schnell ausgeführten Freistoss aus erfolgsversprechender Distanz setzte Romaio Giger das Leder direkt auf Zellweger (15.). Mit einem taktischen Seiten-Wechsel der beiden Aussenverteidiger Aregger und Veomani (ab 25. Minute), bekam Effretikon den Gegner etwas besser in den Griff, doch Neftenbach wirbelte weiter stark und druckvoll und sorgte in Effretikons Defensive weiterhin für starke Unruhe.

Vor Halbzeitpfiff der zweite Gegentreffer
Zwei Freistösse, einer für Neftenbach als Assfalk gefoult und Kessler ausführte (3. Eckball/35.), sowie nach Foulspiel an Romario Giger auf Seiten der Effretiker und durch Jahja Zulfikari ausgeführt (42.), sorgten vor den jeweiligen Torhütern für etwelche Action. Und dann: Unmittelbar vor dem Pausenpfiff dribbelte sich Marcel Brechbühl fast wie im Training durch Pylonen, natürlich wieder über die rechte Seite und, natürlich wieder praktisch bis zur Grundlinie. Dann wieder der Pass in den rückwärtigen Raum, von wo aus diesmal Mäder vollstreckte.

Trainer Flakon Halimi blieb gelassen
«Nein, ich bin in der Garderobe zur Pause überhaupt nicht laut geworden», bestätigte Flakon Halimi. Er habe seinen Spielern «nur ins Gewissen geredet und ihnen einen Spiegel vors Gesicht gehalten». Effretikons Trainer bestätigte, dass «Neftenbach zur Pause völlig verdient 2:0 führte». Halimi war am Schluss darüber höchst erstaunt, dass «meine Mannschaft wieder einmal zwei verschiedene Charaktere zeigte, zwei höchst verschiedene Gesichter, zwei unterschiedlichste Spielarten praktizierte, basierend auf der Entschuldigung der ersten Hälfte: ich konnte nicht, ich wollte nicht, ich musste auch nicht».

Nach Pause Schwung und Elan aufgenommen
Dann erfolgte scheinbar doch noch der FCE-Sinneswandel. Provokant mag hier vielleicht vorab Halimis Feststellung genutzt haben: «Wenn ich alles gebe, kann mir am Ende niemand was vorwerfen». Effretikons Teamchef rüttelte seine Truppe bei deren Ehe wach. «Wenn es nicht rollt, dann rollt es nicht», liess er nicht gelten, sondern meinte, «wenn es nicht rollt, dann bringe ich es zum rollen». Effretikon nahm merklich an Schwung und Elan auf. Fabian Danko sorgte nun für zusätzlichen Druck und verkürzte kurz nach Wiederbeginn zu einem psychologisch wichtigen, weil frühen Zeitpunkt, zum 1:2 Anschlusstreffer. Herrlich lanciert von Romario Giger mit einem klugen und präzisen Steilpass, stürmte Danko auf und schloss umgehend ab (51.). Nun schien Effretikons Selbstvertrauen (vielleicht auch durch die 0:6 Kanterniederlage dienstags im Cup gegen Titelverteidiger Bassersdorf in den Keller geschossen), plötzlich wieder intakt. Mit einem Schuss prüfte Captain Adrian Fahrni Zellweger, welcher fausten musste (55.). Dann kam Uchenna Anioke zum Teileinsatz (57.) und sorgte unverzüglich merklich für zusätzlichen Druck und Gefahr. Nach einem weiteren Versuch von Fahrni brannte es plötzlich in der gegnerischen Abwehr lichterloh. Zellweger konnte nur noch ungenügend klären, Anioke war zur Stelle und reüssierte zum 2:2 (66.).

Das Ende des sechsten Eckballes
Im Anschluss an den sechsten Eckball, von Bernet getreten, fror den Einheimischen das Blut in den Adern. Effretikons Keeper Mathijs Kläy pflückte den Ball am zweiten, entfernten Pfosten runter und liess ihn durch die Hände ins eigene Tor fallen (73.). Effretikons Zweitore-Aufholjagd erlitt einen argen Dämpfer. 45 Minuten schlecht, dann die ersten zwanzig Minuten im zweiten Abschnitt wieder stark gespielt, folgte nun wieder ein «kreativer Durchhänger». Da war sie wieder, die angesprochene Inkonstant selbst innerhalb eines Spieles, ja einer einzigen Halbzeit. 2:3 Rücklange. Dann wieder ein Silberstreifen am Horizont. Durchspiel von Romario Giger auf Uchenna Anioke, dieser auf Danko und Effretikons Mittelfeldspieler, stark offensiv orientiert, traf mit seinem zweiten Tor zum 3:3 (83.).

Sonntags bei Schlusslicht Oberglatt
Die Schlussphase verlief etwas hektisch. Neftenbach konnte es am Ende nicht fassen, den möglich scheinenden Sieg trotz 2:0 und 3:2 Führung nicht mit nach Hause zu bringen. Er sei am Ende natürlich «mit der Punkteteilung sehr zufrieden», so Flakon Halimi. Er glaube nicht an das Gesetz der Serie, worauf bei Effretikon auf ein schlechtes prompt ein gutes, dann wieder ein schlechtes Spiel erfolgte. Demnach müsste Effretikon am kommenden Sonntag auswärts bei Schlusslicht Oberglatt ein sehr gutes Spiel zeigen.

Trotz der Tatsache, heuer in einer wesentlich stärkeren Gruppe als vor einem Jahr eingeteilt zu sein, hat Effretikon nach nur sieben Meisterschaftsrunden seine letztjährige (dürftige) Punktebilanz schon fast übertroffen. Effretikon, noch vor den vier weiteren Vorrundenspielen vor der anstehenden Winterpause mit den Spitzenkämpfen gegen Wallisellen (Heim), Embrach (Auswärts), sowie am nächsten Sonntag bei Oberglatt und zuletzt gegen Bassersdorf 2, eroberte im Vorjahr aus elf Spielen/elf Punkte. Nun steht Effretikon mit der Bilanz von zehn Punkten aus sieben Partien da.

Heinz Minder, Illnau

Matchtelegramm
Effretikon – Neftenbach 3:3 (0:2).- Sportplatz Eselriet (Effretikon).- 77 Zuschauer.- SR: Liridon Muzlijaj.- Tore: 23. Steger 0:1. 45. Mäder 0:2. 51. Danko 1:2. 66. Anioke 2:2. 73. Kläy (Eigentor) 2:3. 83. Danko 3:3.- Effretikon: Kläy; Aregger, Schanz, Zulfikari, Veomani; Ngari; Danko, Giger, Fahrni, Amoako; Schärz.- Ergänzungsspieler: Rutz; Panzer, Anioke, Halimi.- Neftenbach: Zellweger; Kessler, Ehrensperger, Storz, Brechbühl; Stähli, Chiga, Widmer, Assfalk; Mäder, Steger.- Ergänzungsspieler: Krämer; Peter, Ratano, Bardellini, Lienert; Bemerkungen: Effretikon ohne: Shahinaj (gesperrt), Yanik Meier (Ausland), Bärtschi (Ferien), Schneller (verletzt), Bannwart (krank); Anioke erst als beruflich abwesend gemeldet, erscheint 20 Minuten vor Spielbeginn doch noch im Eselriet und bereitet sich auf Einsatz in zweiter Halbzeit vor.- Neftenbach ohne Bardellini (verletzt).- Verwarnungen: 33. Veomani (Foul), 40. Widmer (Foul), 75. Giger (Reklamieren), 85. Ratano (Reklamieren).- Nächstes Spiel des FC Effretikon: Sonntag, 15. Oktober 2017: Oberglatt – Effretikon, Platz 2/Sportplatz Chliriet, Oberglatt, Spielbeginn: 10:15 Uhr.-