3. Liga, Gruppe 4: Embrach – Effretikon 6:0 (3:0)

Effretikon so trist wie das Wetter
Mit einer Riesenenttäuschung und klatschender Ohrfeige endete das Duell der Tabellennachbarn zwischen Embrach (Dritter/15 Punkte) und Effretikon (Vierter/14 Punkte) für die Gäste. Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. Eine Woche nach dem 1:1 Remis gegen Wallisellen wurde Effretikon nun von Embrach von A bis Z dominiert und zerzaust. Für die komplett harmlos auftretenden Effretiker setzte es verdientermassen mit 0:6 (0:3) eine Kanterniederlage ab. Effretikons Einsatzwille an diesem nass kalten Sonntag war so trist wie das Wetter. Verdientermassen haben die Effretiker «nur» einen Rang in der Tabelle verloren – und haben nun mit Seuzach 2 und Bülach je 14 Punkte auf dem Konto.

Embrach hat auf die zwei Niederlagen in Folge heftig reagiert und sonntags auf dem heimischen Bilg Effretikon gleich mit 6:0 (3:0) deklassiert. Damit verteidigte die Stücheli-Elf ihren dritten Zwischenrang und bleibt in Tuchfühlung mit den beiden Spitzenteams Wallisellen (weiterhin ungeschlagen). Niederwenigen muss erst am Dienstag in Oberglatt antreten. Trotz erschwerter Ausgangslage, beide Mannschaften hatten mit Luciano/Daute (Embrach) und Shahinaj/Giger (Effretikon) je zwei gesperrte Spieler zu ersetzen, gelang dem Gastgeber nach zwei jüngsten Niederalgen bei Wallisellen und zuletzt im Heimspiel gegen die Reservisten des FC Bassersdorf (nächster Gegner des FC Effretikon) nun noch der erhoffte Befreiungsschlag. Um weiterhin in engem Kontakt mit den beiden Spitzenteams Wallisellen und Niederweningen zu bleiben, musste Embrach unbedingt gewinnen. Effretikon selbst rechnete sich nach dem 1:1 gegen den nach wie vor ungeschlagenen und souveränen Tabellenführer Wallisellen intakte Chancen auf weiteren Punktezuwachs aus – und wollte in Embrach gewinnen.

Effretikons Trainer Flakon Halimi hatte es bereits in Oberglatt angekündet: «Aus den letzten drei Spielen wollen wir sieben Punkte holen». Dieses Ziel müssen die Effretiker nun vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Bassersdorf nicht nur revidieren und können im besten Fall noch auf vier Zähler kommen, vielmehr müssen die Teamverantwortlichen Halimi/Rhyner mit ihren Spielern intensiv über die Bücher. Was Effretikon sonntags in Embrach zeigte, war grottenschlecht. Wären Fussballer am Werke gewesen, die für ihren Einsatz finanzielle Entschädigungen erhalten würde, hätte man von Arbeitsverweigerung sprechen müssen.

Es erstaunte, wie harmlos Effretikon in Embrach aufspielte, respektive auf dem Feld anwesend war. Gezeigt haben die Gäste nicht fiel. Konnte man Effretikon vor Wochenfrist nach ihrem 1:1 über Wallisellen noch in allen Tönen loben, so müssen sich die Spieler von A bis Z die Kritik gefallen lassen, dass das, was sie in Embrach als Tabellenvierter zeigten, mehr als nur dürftige Fussballkost war. Es überrascht die aufmerksamen Matchbesucher der Effretiker nicht, dass diese ihrem eigenen Rhythmus scheinbar konstant treu bleiben. Flakon Halimi hat es in dieser Saison bereits mehrfach angetönt und bestätigt. «Einmal Hui, einmal Pfui, einmal Stark, einmal Schwach, einmal Gut, einmal Schlecht». Und auf das Heimremis gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Wallisellen gelang Effretikon nun die Bestätigung jenes Punktegewinnes absolut nicht. In keiner Phase der Partie in Embrach, konnte Effretikon an die begeisternde Leistung vor Wochenfrist anknüpfen. Und das beunruhigt, das stimmt nachdenklich und bestätigt einmal mehr, wie inkonstant doch die Leistungen und Resultate der Effretiker noch immer sind. Will heissen: Obschon es einige vielleicht absolut nicht gerne hören oder lesen wollen: Effretikon fehlt noch immer sehr viel, um selbst in der biederen Drittliga eine Spitzenposition einnehmen zu können. Und wer es gar wagen möchte, von einem Aufstieg und Rückkehr der Effretiker in die Zweitliga zu sprechen, ist schlicht ein Träumer mit rosaroter Brille, der an der Realität vorbei blickt.

Es war geradezu erschreckend, wie harmlos die Effretiker auf dem Bilg wirkten. Um die Vorrunde in einer Woche gegen die Reservisten des FC Bassersdorf noch positiv abschliessen zu können, dafür braucht es sonntags eine mehr als hundertprozentige Leistungssteigerung. Embrach verdiente sich den klaren Sieg, selbst in dieser Höhe. Am Ende wunderte sich Jürg Stücheli, über den harmlosen Gegner. «Es war doch immerhin das Duell des Dritten gegen den Vierten» und nur einen Punkt trennten vor Anpfiff die beiden Mannschaften. Am Schluss klaffte fast ein Klassen-Unterschied, so überlegen agierte der Heimklub, mächtig motiviert, mit glänzenden Kombinationen, derweil von Effretikon praktisch nichts zu sehen war.

Auf das 1:1 Remis gegen Wallisellen kann sich Effretikon nach einer solchen Leistung, einem solchen klaren 0:6 Resultat, absolut nichts mehr einbilden. Embrach legte die Schwächen der Effretiker eiskalt und schonungslos offen. Ein wichtiger Punkt war die mentale Stärke. Embrach trat nach zwei Niederlagen mit absolutem Siegeswillen an. Jürg Stücheli: «Wir haben sowohl gegen Wallisellen wie auch zuletzt gegen Bassersdorf absolut nicht zwingend verloren» und Embrachs Teamchef freute sich nach dem 6:0 über Effretikon nicht besonders, sondern «ärgere mich noch heute, über die Tatsache, zuletzt sechs Punkte verspielt zu haben».

Schon im ersten Abschnitt Einwegfussball, in welchem es nur eine Frage der Zeit war, wann Embrach den ersten Treffer erzielen würde. Im Spiel, das letztlich mit 14:0(!) Eckbällen an die Platzherren ging, erzielte Hugo De Araujo Robeiro nach 23 Minuten das längst fällige 1:0. Kaum ein Aufbäumen eines auf der ganzen Linie schwer enttäuschenden Effretikons, das sich zahm wie ein Lamm auf der Schlachtbank verhielt und ohne inneres Feuer, ohne wirkliche Lust zum Spiel, das 0:2 durch De Fillipo (38.) und Sekunden vor der Pause noch den dritten Gegentreffer durch Tobi Bolli einstecken musste. Effretikon kam in der ersten Halbzeit kaum aus der eigenen Platzhälfte heraus. Angriff um Angriff rollte von links nach rechts. Und in der rechten Platzhälfte waren die Effretiker konstant mit Defensivaufgaben beschäftigt. Embrach rannte konstant an. Unter dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein, war es nur logisch, auf welcher Seite die Tore fallen würden. Nur nach Ablauf der ersten halben Stunde wurde Effretikons einzige Sturmspitze Uchenna Anioke einmal steil lanciert, doch Embrachs Schlussmann Adrian Gehrig, an diesem Sonntag nie ernsthaft durch den Gegner geprüft, eilte zwei, drei schnellen Schrittens aus seinem Tor und klärte schneller als Anioke abschliessen konnte (31.).

0:3 zur Pause - So war das Treffen bereits nach der ersten Halbzeit entschieden, denn im Gegensatz zum letzten Auftritt der Effretiker, die vor zwei Jahren auf dem Bilg zur Halbzeit 0:2 in Rückstand lagen (am Ende noch 4:2 gewannen) erfolgte diesmal keine eigentliche Reaktion. Embrach, das keine einzige gegnerische Aktion zulassen musste, erhöhte nach der Pause durch Bolli (50.) und legte später mit Fidan Surlici (66.) und Kenan Tepe in der Schlussminute nochmals nach. Jürg Stücheli traf den Nagel auf den Kopf mit der Bemerkung nach Abpfiff: «So harmlos habe ich Effretikon nicht erwartet. Wir hätten heute ohne Torhüter spielen können». Effretikon kam zu keiner nennenswerten Torchance – ist nach dem 1:1 gegen Wallisellen mit einer total umgekehrten, absolut indiskutablen Kollektivleistung brutal auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen. Mit 0:6 waren die Oberländer am Ende noch gut bedient.

Zur Aufstellung: Anstelle des gesperrten Shahinaj spielte Heinz Berger in der Vierer-Abwehr mit. Berger bestritt am gleichen Tag (Spielbeginn 11 Uhr) bereits die Viertliga-Partie Russikon – Effretikon 2 (0:1) und spielte in Embrach über die volle Zeit durch. Nach der Pause löste Effretikon seine Vier-Mann-Abwehr auf. Florian Bannwart schied in der 34. Minute mit Verletzung aus. Später erwischte es auch noch den verwarnten Jahjo Zulfikari, ebenfalls mit Verletzung (85.). Zulfikari kann sich nun Zeit zur Genesung geben, mit seiner Gelben Karte in der 60. Minute handelte sich der Effretiker die vierte Verwarnung ein und wird sonntags im letzten Vorrundenspiel (Heimpartie der Effretiker gegen Bassersdorf) eh fehlen.

Heinz Minder, Embrach

Matchtelegramm
Embrach – Effretikon 6:0 (3:0).- Sportplatz Bilg (Embrach).- 65 Zuschauer.- SR: Massimo Furlan.- Tore: 23. De Araujo Ribeiro 1:0. 38. De Filippo 2:0. 44. Bolli 3:0. 50. Bolli 4:0. 66. Surlici 5:0. 90. Tepe 6:0.- Embrach: Gehrig; Simijonovic, Tahiri, Paradiso, Enzler; Korchad, Rottigni, Surlici; Bolli, De Araujo Ribeiro; De Filippo.- Ergänzungsspieler: Booss; Norton, Riesen, Gönlügür, Huber, Tepe.-Effretikon: Kläy; Aregger, Schanz, Berger, Bannwart; Zulfikari, Ngari; Danko, Fahrni, Veomani; Anioke.- Ergänzungsspieler: Panzer, Amoako, Bärtschi, Spirovski.- Bemerkungen: Embrach ohne Luciano/Dauti (beide gesperrt), Nuzzi, Bertschy und Gjukai (alle verletzt), Ademi (Beruf), Hölzel (Krank).- Effretikon ohne Shahinaj/Giger (beide gesperrt), Yanik Meier (Ausland), Schneller und Lemm (beide verletzt), Schärz (Ferien).- 34. Bannwart verletzt vom Feld; 85. Zulfikari verletzt vom Feld.- Verwarnung: 60. Zulfikari (Foul).- Eckballverhältnis: 14:0.-