3. Liga, Gruppe 4: Glattfelden – Effretikon 1:4 (1:1)

Zaghaftes Frühlingserwachen der Effretiker bei Schlusslicht Glattfelden
Am Ende resultierte an diesem ersten warmen Frühlingssonntag auf dem Eichhölzli in Glattfelden ein 4:1 (1:1) Auswärtserfolg des FC Effretikon. Allerdings musste man bei diesem erfolgreichen Rückrundenstart der Zürcher Oberländer klar attestieren: Schlusslicht Glattfelden hätte im ersten Abschnitt gut und gerne 3:0 führen können, ja müssen. Aber eben. Wer seine Tore nicht macht, kriegt sie und muss sich dann nicht wundern, wenn man eben in der Tabelle auf dem letzten Rang platziert ist. Aus Effretiker Sicht: Wieder einmal ein FCE mit zwei Gesichtern und zwei Halbzeiten. Im ersten Durchgang, wohl noch in der Winterzeit steckend mit einem überaus glücklichen 1:1 Pausenstand (Eigentor) – dann nach dem Seitenwechsel aber ein Effretikon, der sein Potenzial phasenweise aufblitzen liess, mehr Spielkultur als die Einheimischen zeigte und am Ende dank mehr Ballbesitz und Toren von Uchenna Anioke (2:1 Führung/59.), Christoph Panzer (65.) und Neuverpflichtung Dejan Stankovic in der zweiten Minute der Nachspielzeit verdientermassen zum Sieg kam.

Das FCE-Trainerduo Flakon Halimi/Urs Rhyner liessen gegenüber der Vorrunde leicht veränderte Formation einlaufen. Erstmals mit dabei war von Anfang an Orhan Emrulahri, als rechter Aussenverteidiger (wechselte in der Winterpause von Schlieren aufs Eselriet), dazu im zentralen Mittelfeld die Neuverpflichtung Dejan Stankovic (Neuanmeldung). Als nominell einzige Sturmspitze stürmte der unverwüstliche Christoph Panzer an vorderster Front. Der 32jährige schien seinen zweiten, oder dritten Frühling zu verspüren, leistete die uneigennützige Vorarbeit auf der linken Seite und klassischem Querpass in die Mitte, wo Anioke die erstmalige 2:1 Führung erzielen konnte (59.). Das dritte Tor markierte Panzer dann selbst (65.).

Zahlreiche FCE-Absenzen…
Den Zürcher Oberländern fehlte eine Woche vor den spielfreien Ostertagen zum offiziellen Rückrundenstart Dario Schanz und Yanik Meier (beide privat abwesend), dazu die verletzten Kim Schärz und Florian Bannwart, sowie Gürkan Sentuerk (krank), Adrian Lemm (im Aufbau), Marc Schneller (Militär) und Torhüter Tim Zgraggen (kein Aufgebot). Für den FC Effretikon diese erste Partie nach der Winterpause die absolute Premiere. Noch nie, weder in der Meisterschaft noch in einem Cupspiel, standen sich Effretikon und Glattfelden auf dem Eichhölzli gegenüber.

…bei Effretiker Premiere in Glattfelden
Von dieser Premiere erhofften sich die Gäste natürlich sehr viel. Aber auch Glattfelden nahm sich für die zweite Saisonhälfte viel vor, denn das aktuelle Schlusslicht der Gruppe 4 vollzog auf Grund der prekären Tabellensituation zur Winterpause einen Trainerwechsel. Davide Blandolino, der Glattfelden bereits zwischen 2010 bis 2014 und zuletzt die zweite Mannschaft im Verein trainierte, übernahm neu von Goran Petrovic. Man erhoffe sich damit einen neuen Impuls für die am Tabellenlende liegende Truppe. Am Schluss war die neunte Saisonniederlage für Glattfelden fast logisch. Zur Ehrenrettung der Platzherren muss man aber gestehen, dass Glattfelden eine starke erste Hälfte zeigte, oder anders gesagt: Das auf einigen Positionen neu formierte Effretikon in der ersten Halbzeit absolut noch nicht auf Touren kam. Die Zürcher Oberländer hätten gut und gerne 0:3 in Rückstand geraten können.

Schlusslicht respektlos und engagiert mit klarem Chancenplus
Glattfelden spielte anfangs, als die Kräfte noch vorhanden waren, respektlos, engagiert, resolut und druckvoll. Luca Dimita (10.) und Marco Marra, allerdings aus klarer Offsidestellung (13.) kamen zu zwei kapitalen Möglichkeiten der Heimelf. Mit einem satten Distanzschuss aus 20 Meter von rechter Position aus markierte Fatlum Canaj dann die sich abzuzeichnende Führung der Glattfelder (39.). Dann sah Dimita seinen harten Schuss aus zweiter Linie vom linken Pfosten abprallen (41.) und just im Gegenzug leistete sich die Glattfelder Hintermannschaft eine Unsicherheit und besorgte den 1:1 Ausgleich vor der Pause mittels Eigentor (43.). Irgendwie erwischte Glattfeldens linker Innenverteidiger Kevin Blaser seinen eigenen Torhüter Daniel Andermatt. Es sollte allerdings nicht die einzige Unsicherheit in der Defensive des Schlusslichtes bleiben. Doch mit dem generösen Geschenk des Heimklubs zum schmeichelhaften 1:1 Ausgleich, brachten die Einheimischen die Gäste wieder selbst ins Spiel. Aus Sicht von Flakon Halimi «war das 1:1 das wichtigste Tor am heutigen Tag. Viel wichtiger als unser 2:1, 3:1, oder am Schluss noch das 4:1».

Drei Mal Riesenglück…
Der FCE Trainer zur ersten Pausenbesprechung im neuen Jahr und diesem Frühling: «Ich habe meine Mannschaft in der Garderobe gefragt, ob man das Wort ‘Glück’ kenne» und wenn seine Spieler dieses Wort «Glück» in ihren Köpfen jetzt buchstabieren, dann treffe dies eben auf sie zu. «Wir hatten in der ersten Halbzeit drei Mal grosses Glück». Halimi gestand, dass «wir einen 0:3 Rückstand zur Pause hätten akzeptieren müssen», denn man habe klar gesehen, dass es «bei Glattfelden schon um sehr viel ging». Zur Leistung seiner Truppe über die ersten 45 Minuten: «Wir waren verwirrt und mit zu viel Gedanken nicht beim Spiel». Seine Spieler seien wohl «mit vielen Sachen beschäftigt gewesen, nur nicht mit dem Fussball». Und beim erfrischenden Pausentee stellte Effretikons Teamchef dann die provokante Frage, ob die Spieler nun von ihm erwarten würden, er, der Trainer «zeige ihnen Laufwege die sie auf dem Platz machen müssen». Das könne er nicht, meinte Flakon Halimi. «Dazu muss zuerst eure Bereitschaft vorhanden sein, die entsprechenden Schritte zu machen». Halimi geizte nicht mit Kritik und appellierte an die Ehre seiner Spieler. «Ihr wart in dieser ersten Hälfte nur ein Schatten von euch selbst». Haa

…mit Eigentor zum 1:1 Ausgleich ändert sich alles
Nach der Pause änderte sich aber das Spielgeschehen deutlich. Effretikon, ohne Schanz, Schärz, Sentzuerk, Yanik Meier, Bannwart, Lemm, Schneller und Zgraggen, dafür erstmals mit Orhan Emrulahri (Neuverpflichtung ex Schlieren), Dejan Stankovic (Neuanmeldung im zentralen Mittelfeld), und den Teileinsätzen von Avin Kqiku (Neuanmeldung im Sturm), zeigte nach dem Seitenwechsel wesentlich mehr Spielkultur und besseres Kombinationsspiel. Effretikon lief nun auch mehr als der ermüdende Gastgeber. Nach den ersten Auswechslungen (Danko für Bärtschi/54. Minute) und Giger anstelle von Ngari (57.) nahm Effretikon nun deutlich an Fahrt auf. Mit viel Einsatz gewann Christoph Panzer einen Zweikampf mit zwei Gegnern und lancierte Uchenna Anioke, welcher zur Führung der Oberländer vollstreckte (59.). Panzer setzte sich später erneut kraftvoll durch und reüssierte zum vorentscheidenden 3:1 weil sich Glattfeldens Captain Alban Maroshi und Torhüter Daniel Andermatt gegenseitig behinderten (65.). Nach diesem Doppelschlag lief bei Glattfelden nicht mehr viel. Den Schlusspunkt bei 4:11 Ecken, besorgte Dejan Stankovic in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum ungefährdeten 4:1 Auswärtssieg der Effretiker die damit in der Tabelle vorläufig Embrach überholen konnte. Allerdings weist die bisherige drittrangierte Mannschaft von Trainer Jürg Stücheli zwei Spiele weniger aus.

Am Ende doch zufrieden und glücklich
Natürlich war Flakon Halimi am Ende mit seiner Mannschaft zufrieden. «Glattfelden hat die heutige Partie mit viel Leidenschaft in Angriff genommen. Wir waren in der ersten Hälfte auf der Suche nach dem Ball, den der Osterhase versteckt hatte». Mit einem Sieg in die Rückrunde zu starten, «war natürlich unser grosses Ziel». Was er noch vermisste war, dass «wir uns gegenseitig selbst motivieren». Effretikon habe am Ende «verdient gewonnen, auch wenn wir in der ersten Halbzeit Riesenglück hatten».

Heinz Minder, Glattfelden

Matchtelegramm
Glattfelden – Effretikon 1:4 (1:1).- Sportplatz Eichhölzli (Glattfelden).- 85 Zuschauer.- SR: Ismail Pamuk (Widen).- Tore: 38. Canaj 1:0. 41. Blaser (Eigentor) 1:1. 54. Anioke 1:2. 63. Panzer 1:3. 92. Stankovic 1:4.- Glattfelden: Andermatt; Pajaziti, Blaser, Maroshi, Umiker; Marra, Horvath; Matfiak; Bollier, Canaj; Dimita.- Ergänzungsspieler: Anlauf, Volkart, Nussbaumer, Russo, Kunz, Kere, Halabaku.- Effretikon: Kläy; Aregger, Zulfikari, Shahinaj, Emrulahri; Stankovic; Anioke, Ngari, Fahrni, Bärtschi; Panzer.- Ergänzungsspieler: Kqiku, Amoako, Danko, Giger.- Bemerkungen: Glattfelden ohne Lachowicz (Militär), Ebach (anderes Aufgebot); Effretikon ohne Dario Schanz und Yanik Meier (beide privat abwesend), dazu die verletzten Kim Schärz und Florian Bannwart, sowie Gürkan Sentuerk (krank/gesperrt), Adrian Lemm (im Aufbau), Marc Schneller (Militär) und Torhüter Tim Zgraggen und Omer Zulfikari (beide kein Aufgebot).- Verwarnungen: 77. Blaser (Foul), 81- Halabaku (Foul).- 41. Pfostenschuss (links) Dimita.- 76. Zulfikari mit ausgerenktem Arm verletzt ausgeschieden.- Eckballverhältnis: 4:11 (3:6).- Nächstes Spiel des FC Effretikon: Samstag, 7. April 2018, Sportplatz Eselriet: Effretikon – Niederweningen (Spielbeginn: 18 Uhr).