3. Liga, Gruppe 4: Effretikon – Embrach 3:3 (1:1)

3:3 Punkteteilung im letzten Heimspiel des FC Effretikon gegen Embrach
Der FC Effretikon verabschiedete sich donnerstags vom Heimpublikum. Gegen Embrach traten die Effretiker letztmals in der laufenden Saison 2017/18 vor heimischem Publikum auf. Die beiden Vereine trennten sich am Ende mit einem 3:3 (1:1) Remis. Die Platzherren führten dank eines Weitschuss-Treffers von Avni Shahinaj, welcher seltenerweise mit einem Distanzschuss aus rund 24 Meter traf (22.). Shahinaj verschuldete später jenen Foulpenalty (am durchbrechenden De Filippo), welcher Blerton Dauti zum 1:1 Pausenstand verwandeln konnte (41.). Nach dem Seitenwechsel reüssierten für die Gäste Fidan Surlici (47.) und Giuseppe De Filippo (47.). Effretikon, das frühzeitige personelle Wechsel vornehmen musste (Captain Fahrni und Verteidiger Schanz fielen im ersten Abschnitt verletzt aus), kämpfte bis zum Schlusspfiff und wurde für seine Leidenschaft diesmal belohnt. Dejan Stankovic verwertete die Flanke von Fabian Danko fünf Minuten vor Schluss zum 2:3 Anschlusstreffer und in der ersten Minute der Nachspielzeit vollstreckte Uchenna Anioke unhaltbar mit einem Schuss in den hohen rechten Torwinkel zum 3:3 Ausgleich.

Jetzt stehen für die Mannschaft von Flakon Halimi/Urs Rhyner (das Duo wird Effretikon auch in der neuen Saison trainieren) noch die zwei Auswärtsspiele beim Gruppensieger und automatischen Zweitliga-Aufsteiger Wallisellen (Samstag, 2. Juni/18 Uhr) und bei Bassersdorf 2 (Sonntag, 17. Juni/einheitlicher Spielbeginn der Schlussrunde 10:15 Uhr) auf dem Restprogramm.

Flakon Halimi wollte Rehabilitation für 0:6 Vorrunden-Klatsche…
Es war ein Derby, bei dem es für beide Mannschaften um nichts mehr als die Ehre ging. Die Entscheidung, wer sich in der Gruppe 4 den ersten Tabellenrang, damit den Gruppensieg und automatischen Aufstieg in die Zweitliga sichern wird, ist längst gefallen. Weder Effretikon noch Embrach haben bei der anderen Entscheidung, am Tabellenende, darüber, welche zwei Mannschaften der bitteren Relegation in die Viertliga verfallen, ebenfalls nichts mehr mit zu entscheiden. So ging es beim letzten Heimspiel des FC Effretikon in der Saison 2017/18 einzig ums Prestige. «Wir wollen dieses letzte Heimspiel unter allen Umständen gewinnen», so Flakon Halimi bereits am vergangenen Sonntag nach der 1:4 Auswärtsniederlage in Neftenbach. Und Effretikons Trainer gestand, dass «ich die 0:6 Vorrundenniederlage in Embrach noch immer nicht ganz verdaut habe». Er wolle Revanche dafür und fordere von seiner Truppe eine klare Reaktion.

…wollte stärkst mögliche Formation und musste wieder improvisieren
Nun ja. Soweit gut die Theorie. Doch die Praxis sah dann schon etwas anders aus, fehlten sonntags in Neftenbach doch elf Spieler und kam dann noch der verletzungsbedingte Ausfall von Abwehrspieler Adrian Aregger dazu, welcher in Neftenbach angeschlagen ins Spiel ging und nach sechs Minuten bereits ausschied. Die personellen Probleme zwangen nun Flakon Halimi und Urs Rhyner, sich für das Heimspiel gegen Embrach etwas ganz Neues einfallen zu lassen.

Mit Heinz Berger und Christian Frick boten Halimi/Rhyner zwei Spieler der zweiten Mannschaft (4. Liga) auf. Das ‘Ersatzduo’ stand dann gleich in der Startformation und somit von Anfang an auf dem Platz. Hinzu kam, dass Effretikon damit gleich ein neues (taktisches) Spielsystem wählte. Mit Berger/Shahinaj/Schanz setzten die Effretiker Teamverantwortlichen auf «ein 3-5-2 System», wie Flakon Halimi am Schluss bestätigte. Dass die Zürcher Oberländer aber ein solches System bislang nie spielten und Berger ja ein Spieler der zweiten Mannschaft war und somit die Dreier-Abwehr ohne jegliche Spielpraxis ‘kalt’ gegen Embrach startete, überraschte schon etwas. Doch macht Not bekanntlich erfinderisch.

Sein Konzept brach nach zehn Minuten auseinander…
Flakon Halimi meinte in Neftenbach noch, «wir werden gegen Embrach mit der best- und stärkst möglichen Formation einlaufen und wollen von Anfang an den Sieg». Zu diesem zweiten Punkt gilt zu vermerken, dass Effretikon die Anfangsphase gehörte und auf dem Platz trotz Improvisation noch alles respektabel funktionierte. Allerdings nur kurz, bis zu jenem Zeitpunkt, als Captain Adrian Fahrni nach nur zehn Minuten Spielzeit angeschlagen, dann zur Pflege und schliesslich nach 14 Minuten durch Dylan Ngari ausgewechselt werden musste. Von da an brach Effretikons Dynamik. Trotzdem glückte den Einheimischen die Führung. Erzielt durch Avni Shahinaj, der Embrachs-Keeper Christopher Buntschu mit einem Distanzschuss aus 25 Meter erwischte (22.). Vor dem 1:0 hatte Uchenna Anioke auf Seiten Effretikons bereits die erste Möglichkeit auf dem Fuss (13.).

…Fahrni und Schanz vorzeitig verletzt ausgeschieden
In der 26. Minute schied dann auch Dario Schanz aus. «Dass Adrian Fahrni angeschlagen war, sah ich anfangs gar nicht», meinte Flakon Halimi. «Als ich dann aber Dario hinken sah, wusste ich sofort, dass er nicht mehr weiterspielen kann», so der Effretiker Trainer, der dann Christian Bärtschi einwechselte und seine Start-Formation der Dreier-Abwehr gleich wieder auflösen und umstellen musste, denn Halimi zog verbunden mit dem Aus von Schanz nun Yanik Meier um eine Position zurück. Effretikon bekundete nun aber Probleme mit dem Ausscheiden von Fahrni/Schanz.

Embrach wollte schnellen Ausgleich
Embrach kam starker auf und hatte folglich zwei Mal den Ausgleich auf dem Fuss. Es war Giuseppe De Filippo der bei den Gästen die Akzente setzte. Erst klärten Berger und Torhüter Mathjis Kläy gemeinsam auf der Linie (27.), dann, als De Filippo aus linker Position mit einem in Corner abgefälschten Ball das 1:1 suchte. Der anschliessende Eckball kam wiederum auf De Filippo und diesmal rettete Christian Frick für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Linie (30.). Zeichnete sich der Ausgleich noch vor der Pause ab, wurde dieser Tatsache, als abermals der spielfreudige De Filippo über links durchlaufen wollte und von Avni Shahinaj im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Allerdings gilt zu bemerken dass ein Spieler von solchem Kaliber auch schon klar weiss, wann und wie er sich fallen lassen muss. Nun: Blerton Dauti liess Kläy beim Elfer keine Abwehrchance und verwandelte stilsicher (41.).

Von De Filippo eingeleitet und durch Dautis Foulpenalty vollstreckt
Damit glückte Embrach im psychologisch wichtigen Augenblick, unmittelbar vor der Pause noch der Ausgleich. Und Embrach nahm seinen Schwung aus der zweiten Phase der ersten Halbzeit mit in den zweiten Durchgang und erhöhte nun die Kadenz. Es waren vor allem der neu eingewechselte Aziz Gönlügür, dazu Kenan Tepe und natürlich De Filippo, welche mit raumgreifenden Tempoaktionen das Effretiker Mittelfeld zu überwinden verstanden. Kam noch hinzu, dass Sandro Huber auf der rechten Feldseite meist über sehr viel Freiraum verfügte und von dort aus gute und gefährliche Flanken in die Mitte schlagen konnte. So spektakulär wie Shahinaj das 1:0 markierte, so sehenswert dann Embrachs Führung kurz nach Wiederbeginn. Dabei zog Fidan Surlici aus etwa 35 Meter ab und erwischte Kläy (47.). Diese erstmalige Führung beflügelte das zuletzt in der Meisterschaft vor heimischen Rängen arg enttäuschende Embrach (1:9 gegen Elgg, 0:5 gegen Neftenbach). Die Spiellaune schien bei den Akteuren von Jürg Stücheli zurück. Nun zeigten die Gäste starke Momente und auf dem Feld wurde es nun plötzlich etwas hektischer und lebendiger. Mit einem krassen Fehlpass in der eigenen Platzhälfte direkt in die Füsse von De Filippo lancierte Dylan den Gegner, doch verhinderte Kläy mit einer starken Parade (54.).

Embrach wurde im zweiten Abschnitt stärker
Es entwickelte sich ein munterer offener Schlagabtausch. Effretikon wollte den 2:2 Ausgleich, wurde nun mutiger und offensiver und schien dem gut disponierten Gast plötzlich ins offene Messer rennen zu wollen. Embrach kam zu weiteren guten Möglichkeiten, wirkte aber im Abschluss unkonzentriert und etwas zu nonchalant. Gänzlich entblösst war die Effretiker Abwehr dann, als De Filippo zu seinem Tor zum 3:1 kam (57.). Noch etwas mehr als eine halbe Stunde war zu spielen und man ahnte böses, zumal Embrach seine Spiellaune behielt.

Embrach schafft die Entscheidung nicht
Effretikon versuchte immer wieder den Angriff über die rechte Seite über Fabian Danko, bei Embrach lief vieles bis alles über De Filippo. Der eingewechselte Aziz Gönlügür hämmerte in der 72. Minute seinen Einschussversuch an den rechten Torpfosten – es hätte wohl für Effretikon den Todesstoss bedeutet. «Wir hatten heute wieder personelles Pech», so Flakon Halimi am Schluss. «Unser Konzept brach mit den beiden verletzungsbedingten Ausfällen von Fahrni/Schanz auseinander und nachher kamen wir ins Schwimmen». Allerdings lobte Effretikons Teamchef, dass «heute jeder der neu ins Spiel kam, sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stelle. Ich bin wirklich sehr stolz auf meine Mannschaft die heute ein grossartiges Spiel zeigte. Die Zuschauer sind bei unserem letzten Heimspiel nochmals auf die Kosten gekommen und haben immerhin sechs Tore gesehen».

Effretikon kommt mit starkem Schlusspunkt zu zwei Toren…
Sechs Tore? Da stand es doch lange 1:3. Nun ja. Ein Fussballspiel geht der alten Weisheit entsprechend eben über 90 Minuten, plus etwas Nachspielzeit. Und da waren die Effretiker, die nie aufgaben. «Beim 1:3 hätte ich ehrlich gesagt nie daran geglaubt, dass wir nochmals zurückkehren», so Halimi, der mit ansehen musste, wie im zweiten Durchgang Embrach klar die Akzente auf dem Feld setzte. «Aber mein Team hat heute trotz des Zweitore-Rückstandes nie aufgegeben und hat weiter Fussball gespielt», lobte Halimi. «Wir haben heute genau das gemacht, was uns sonntags in Neftenbach fehlte. Wir haben mit Leidenschaft gekämpft».

…dank Leidenschaft erfolgte noch Belohnung
Und diese Leidenschaft wurde in der Schlussphase noch belohnt. Zu einem Zeitpunkt, als Embrach wohl schon glaubte, vorzeitig am Ziel zu sein, setzte Effretikon nochmals nach. Erst verwertete Dejan Stankovic eine Flanke von Fabian Danko von der rechten Seite aus am entfernten linken Pfosten stehend vor Freund und Feind vor Buntschu zum 2:3 Anschluss (85.). Und, nachdem Embrach weiter im Abschluss sündigte, reüssierte dann Uchenna Anioke mit seinem spektakulären Treffer exakt in den hohen rechten Torwinkel zum 3:3 Endstand, als bereits die Nachspielzeit lief (91.).

Embrach konzentriert sich auf Cup-Halbfinal gegen Wädenswil
«Ein Kompliment an die Adresse unseres heutigen Gegners», so Flakon Halimi. «Ich habe ehrlich nicht geglaubt, dass Embrach so gut und stark auftreten wird». Für Effretikons Trainer ging die Punkteteilung am Ende in Ordnung. «Wir waren Anfangs Spiel etwas stärker, Embrach später. Die Zuschauer sahen sechs Tore, was will man mehr». Die vollständige Rehabilitation für die 0:6 Kanterniederlage ist seiner Mannschaft aber nicht gelungen und Halimi bestätigte ja im Vorfeld des letzten Heimspieles der Effretiker, dass «mir jene Niederlage in Embrach noch heute weh tut». Nun. Jetzt können sich die Effretiker über zwei Wochen Wettkampfpause freuen und ihre lange Verletztenliste pflegen. Embrach wird am Dienstag nach Pfingsten zum Cup-Halbfinal gegen Zweitligist Wädenswil antreten müssen. Auch nächste Woche sollte dann der Verband den Entscheid über den Spielabbruch in Oberglatt (beim Stand von 4:2 für Embrach bei Halbzeit wegen verletztem Schiedsrichter) fällen. Es wird allgemein mit einer Spielwiederholung gerechnet, obschon Embrach auf einen Forfait-Sieg hofft.

Mit dem 3:3 Remis wird wohl Embrachs Teamchef Jürg Stücheli nicht ganz zufrieden sein. Seine Mannschaft die im zweiten Abschnitt stark aufspielte, vergeigte am Ende den Sieg noch. Das Remis bringt die Embracher in der Tabelle auch nicht viel weiter. Für Effretikon war es der 30. Meisterschaftspunkt im 20. Spiel. 

Heinz Minder, Illnau

Matchtelegramm
Effretikon – Embrach 3:3 (1:1).- Sportplatz Eselriet (Effretikon).- 55 Zuschauer (Stadion-Minusrekord/gleichzeitig lief im TV das WM-Viertelfinalspiel in Dänemark zwischen der Finnland und der Schweiz 2:3).- SR: Luis José Lopez.- Tore : 22. Shahinaj 1 :0. 41. Dauti (Foulpenalty) 1 :1. 47. Surlici 1 :2. 57. De Filippo 1 :3. 85. Stankovic 2 :3. 91. Anioke 3 :3.- Effretikon: Kläy; Berger, Shahinaj, Schanz; Yanik Meier, Stankovic; Danko, Fahrni, Frick; Anioke, Sentürk.- Ergänzungsspieler : Ngari, Lemm, Romario, Bärtschi, Kqiku; (kein Einsatz:Panzer).- Embrach : Buntschu; Enzler, Paradiso, Riesen, De Araujo; Surlici, Dauti, Koyutürk; Huber, De Filippo; Tepe.- Ergänzungsspieler : Gönlügür, Shabani (keine Einsätze: Norton, Korchad, Toprak, Gjukaj).- Bemerkungen : Effretikon ohne Kim Schärz, Adrian Aregger, Jahjo Zulfikari (definitives vorzeitiges Saisonende), Orhan Emrulahri und Jason Amoako (alle verletzt), Florian Bannwart (Ferien), Marc Schneller (Militär) und Torhüter Tim Zgraggen (kein Aufgebot), dafür mit zwei Spielern aus der zweiten (4. Liga)-Mannschaft: Heinz Berger und Christian Frick (beide in Startformation); Embrach ohne Nuzzi und Tahiri (beide gesperrt), Bolli (krank).- Verwarnungen: 24. Berger (Foul), 44. Shahinaj (Foul/8. Verwarnung/und gesperrt für das nächste Spiel der Effretiker in Wallisellen).- 72. Rechter-Pfostenschuss Gönlügür.- Eckballverhältnis: 4:5 (1:3); 10. Effretikons-Captain Adrian Fahrni verletzt ausgeschieden; 22. Dario Schanz verletzt ausgeschieden.- Nächstes Spiel des FC Effretikon: Wallisellen – Effretikon, Samstag, 2. Juli 2018 (Sportzentrum Wallisellen), Spielbeginn: 18:00 Uhr.