Chronik

Das Jahr 1966 bedeutete offenbar bei den Sportvereinen in der Stadtgemeinde Illnau-Effretikon (damals noch Politische Gemeinde Illnau) Aufbruchstimmung. Die Hockeyclubs Illnau und Effretikon fusionierten zum heutigen EHC Illnau-Effretikon (EIE). Am 3. Juni gleichen Jahres wurde im Restaurant Nussbaum in Effretikon anlässlich einer von zwanzig Gleichgesinnten einberufenen Gründerversammlung der Fussballclub Effretikon aus der Taufe gehoben.

Was machen männliche Pendler, die täglich mit dem Zug aus der Schlafstadt Effretikon nach Zürich zur Arbeit fahren? Sie reden über Beruf, Autos, Frauen oder Fussball! Das ist wohl heute noch so, das war auch in den 60er Jahren oft der Fall. Da trafen sich auf dem SBB-Perron stets zur gleichen Zeit morgens um 06.15 Uhr Karl Bloch und Ernst Amann. Letzterer war Banker und Karl Bloch arbeitete bei der Krankenkasse Helvetia. Bloch, der früher selbst in der Stadt Zürich wohnte und Aktivmitglied in der Jugendriege Hottingen und gleichzeitig noch ein angefressener ‚Gümmeler’ im Veloclub Hirslanden war: „Für mich war es damals fast unglaublich, dass mein neuer Wohnort Effretikon nicht über einen eigenen Fussballklub verfügte“. So reifte bei ihm und Ernst Amann der Gedanke, diesbezüglich etwas unternehmen zu müssen. In der Person des legendären Effretiker Max Brändli, der ein Bodenplatten-Geschäft führte und bereits enge Kontakte zum FC Kempttal hatte, (gegründet am 1. Juli 1905!), fanden die beiden einen höchst interessierten Gesprächspartner. Am Stammtisch im Nussbaum konkretisierten sich die anfänglich lockeren Gespräche zum handfesten Projekt. Immer mehr ‚Gleichgesinnte’ wurden gefunden und auf den 3. Juni 1966 konnte dann die Gründungsversammlung angesetzt werden.

FC Illnau mit Unikat 

Bei Kempttal spielten einige Illnauer mit, die nach der Auflösung des FC Illnau zu diesem Verein wechselten. Zu ihnen gehörte auch Hans Züger. Dieser erinnert sich an die legendären Tage des FC Illnau. „Wir waren eine bunt zusammen gemischte Formation. Unser Trainingsplatz war beim alten Gemeindehaus in Ober-Illnau“. Dieses Feld war keinesfalls vergleichbar mit den heutigen Vorstellungen eines modernen Trainingsfeldes. „Unser eigentliches Spielfeld befand sich beim Brandholz (ausserhalb von Illnau in Richtung Fehraltorf) in der Landwirtschaftzone“. Hans Züger weiss noch, wie er damals kurz von den Heimspielen den Rapid von Frieden-Wirt Vollenweider holen musste und die Wiese so kurz wie möglich mähte. „Unser Feld war bei der Gegnerschaft gefürchtet. Vor den Spielen hatte ich jeweils auch sämtliche Maulwurfhaufen abzutragen“. Die Illnauer aber waren unheimlich stolz auf eine echte Rarität. „Wir verfügten als einziger Verein weit über die Region hinaus, über einen einzelnen runden Torpfosten“. Hans Züger, weiter, wie die Illnauer zu diesem Unikat kamen. „Wir benutzten einen Telefonmast im Feld als Torpfosten, nagelten eine Querlatte daran und einen zweiten Pfosten. So hatten wir unser erstes Tor mitten auf der Wiese“. Es sei dann auch ihm als Malermeister vergönnt gewesen, besagtes Tor weiss zu streichen. Nachdem der Verein Ende der 50er Jahre aufgelöst wurde, wechselten zahlreiche der Illnauer-Fussballer zu Kempttal. 

Ohne Mannschaft und Spielfeld

An der denkwürdigen Gründungsversammlung vom 3. Juni 1966 hoben Robert Wyss (wurde erster FCE-Präsident), Hans Betschmann, Walter Schrämli, Werner Bachmann, Hugo Giezendanner, Karl Bloch, Hans Schnurrenberger, Hans Züger, Max Brändli, Erwin Kaspar, August Merki, Max Domenig, Arthur Weishaupt, Kurt Wintsch, Rolf Brändli, Theo Amann, René Rieder, Herbert Rüegg, Niklaus Müller und René Eperon den neuen Fussballverein aus der Taufe.

Pikantes Detail: Sowohl über eine Mannschaft, wie auch über einen eigenen Platz verfügten die initiativen Vereinsgründer noch nicht. Doch hinter den Kulissen war bereits gute Vorarbeit geleitstet worden. Zu jenem Zeitpunkt führten Effretiker Persönlichkeiten wie Toni Jegen, Rico Keller, Fritz Bodmer, Hans Meyer, Ernst Frei, Hans Löw, Werner Corrodi, Max Preisig und Hans Betschmann Gespräche über den Bau des Sportzentrum Eselriet. Bei der Gründungsversammlung der Fussballer lag von der Politischen Gemeinde Illnau die Zusage für den Sportplatz vor. Als Klubfarben bestimmten die Gründer Schwarz/Weiss. Mit Spenden und Beiträgen wurde der erste Kassenbestand von 350 Franken geschaffen. Ehe aber die ersten Fussballer auf dem Platz einlaufen konnten, musste selbst kräftig angepackt werden. Karl Bloch erinnert sich: „Wir fassten Pickel und Schaufeln und begannen mit dem Bau des ersten Spielfeldes“. Er habe dabei unwissentlich sogenannte Sickersteine entfernt und sei später über die Bedeutung dieser durch ‚Fachmann’ Max Brändli aufgeklärt worden. Selbst Karl Blochs Frau liess es sich nicht nehmen und packte beim Platzbau eigenhändig mit an. Die ersten Vereinsmitglieder investierten schliesslich über 1100 Stunden Frondienst in den Platzbau.

Parallel zum Platzbau wurden die ersten Vereinsstatuten verfasst und das Aufnahmegesuch beim Schweiz. Fussballverband (SFV) gestellt. 1967/68 konnten die Effretiker dann endlich zur Meisterschaft starten. Das erste Punktespiel gegen Nachbar Fehraltorf 2 ging mit 4:6 verloren. Am 15. Juni 1968 wurde, wiederum im Restaurant Nussbaum in Effretikon, die Seniorenabteilung des FCE gegründet. Der Illnauer Malermeister Hans Züger wurde erster Captain. Der Jahresbeitrag wurde auf 20 Franken fixiert. Jedes Mitglied musste damals sein Tenü selber kaufen. Im gleichen Jahr wurde auch die Juniorenabteilung offiziell ins Leben gerufen. Gehörten im Gründungsjahr 13 Jugendliche dem Verein an, hatte der erste FCE-Juniorenobmann Theo Feucht 1968 bereits 30 Junioren zu betreuen. Im selben Jahr spendete Max Brändli dem Verein zwei Tenüs. Je einen Satz Gelb/Schwarz/Gelb für die Aktivmannschaft und Rot/Weiss/Rot für die Junioren.

1000 Zuschauer bei Platzeröffnung

Mit zwei Spielen, Effretikon gegen Brüttisellen (1:5) und Winterthur gegen Uster (9:1) wurde der Sportplatz Eselriet offiziell eröffnet. 1000 Zuschauer weilten den beiden Partien bei und genossen den fussballerischen Leckerbissen mit vielen Toren. Weil es samstags noch stark geregnet hatte, sagten die Senioren des Grasshopper-Club Zürich ihre Teilnahme an der Platzeröffnung kurzfristig ab.

Die Effretiker starteten zu unterst, damals in der Viertliga. Als der Verein in der Person von Richard Dubacher den ersten Spielertrainer engagierte, ging es mit dem Team steil aufwärts. Unvergessen das Jahr 1973, als die Dubacher-Elf wirklich jeden Gegner vom Feld fegte. In 16 Spielen wurden 31 Punkte gewonnen (damals noch Zweipunkte-Regel). Die Effretiker erzielten exakt 100 Tore und kassierten lediglich neun Gegentreffer. Wahrlich eine Traumbilanz, die zum ersten Aufstieg in die Drittliga reichte. Den Mitgliedern (meist selbst noch Spieler) ging in dieser Zeit die Arbeit keinesfalls aus, denn am Sportplatz musste weiter intensiv gebaut werden. So galt es den Platz auf der Schwimmbadseite zu verbreitern und Ballfänger, Geländer sowie die erste Beleuchtung zu erstellen. Die stark strapazierten Stellen im Strafraum besserten die Effretiker mit selbst gestochenen Rasenziegeln aus.

In zehn Jahren 300 Mitglieder

1976, zum zehnjährigen Jubiläum, zählte der FCE bereits 300 Mitglieder. Diese standen vor dem Problem, nur über ein einziges Spielfeld zu verfügen. Dank Entgegenkommen der Schulpflege, konnten die jüngsten Kicker zum Training auf die Schulhauswiesen ausweichen. Doch der Ruf nach einem zweiten Platz wurde im Verein immer lauter. Den grössten bisherigen sportlichen Erfolg feierten die Effretiker, jetzt von Präsident Guido Meyer angeführt und von Walter Wolf trainiert im Sommer 1977. Beim SV Schaffhausen gelang Effretikon der erstmalige Aufstieg in die Zweitliga.

Baupläne

1978 wurde im Hirschen Tagelswangen die FCE-Supportervereinigung gegründet, die heute gegen 140 Mitglieder zählt. FCE-Präsident Meyer trieb den Bau des zweiten Spielfeldes voran und hatte im Hintergrund bereits die Vision des dritten Hauptfeldes. 1979 – der erste Rückschritt. Die Effretiker stiegen wieder in die Drittliga ab. 1980 konnte das wiederum mit vielen Frondienststunden erstellte zweite Spielfeld eingeweiht werden.

Das sprunghafte Wachstum rief nach weiterer Expansion. Das Bedürfnis nach dem dritten Feld war längst ausgewiesen. Probleme stellten sich beim Projekt zur Erstellung des jetzigen Hauptfeldes. Erst musste das Gelände im Eselriet ‚aufgefüllt’ werden, dann hatte sich das Terrain zu setzen, ehe die Entwässerung erstellt werden konnte. Der Stadtrat bewilligte dem FCE einen Kredit von 50'000 Franken für den Bau eines Materialraumes.

Das neue Klubhaus...

1982 kehrte die erste FCE-Mannschaft wieder in die Zweitliga zurück. Im gleichen Jahr begann der Bau des dritten Spielfeldes und ein Jahr später erfolgte der dritte Abstieg der Effretiker in die Drittliga. Unter Trainer Bruno Lüthi gelang den Effretikern 1985 die Rückkehr in die Zweitliga. Im selben Jahr sorgte der FCE auch im Schweizer Cup für Furore und überstand Runde um Runde. Erst im legendären Heimspiel vor über 2000 Zuschauer schieden die Effretiker im Cupwettbewerb gegen das Nationalliga-A Team St. Gallen aus. Am 1. April 1985, nachdem die FCE-Generalversammlung den Bau eines Klubhauses genehmigte (der vom Stadtrat bewilligte Kredit zum Bau eines Materialraumes wurde als Grundstock für die Erstellung des Klubhauses genommen), wurde die FCE-Baukommission gegründet. Am 20. April erfolgte der Spatenstich zum Klubhausbau.

...brennt ab

Mit grossem Stolz konnte Architekt, Bauführer, Polier, Vorarbeiter und Handwerker René Grimm, alles in einer Person, anlässlich des Aufrichte-Festes am 15. August 1985 auf ein grossartiges Werk zurück blicken. FCE-Mitglieder hatten innert wenigen Monaten 2500 Frondienststunden in den Bau des eigenen Klubhauses investiert. Was von zahlreichen Handwerkern, Klubmitgliedern und Freunden in stundenlanger schweisstreibender Freizeitopferung erbaut wurde, wurde in einer einzigen Nacht vernichtet und fiel innert wenigen Stunden in Schutt und Asche. Am 27. Juni 1987 bot sich den Mitgliedern des FC Effretikon ein trostloses Bild. Das Klubhaus war praktisch bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Ermittlungen ergaben später, dass ein jugendlicher Einbrecher aus Frust, im Klubhaus kein Geld gefunden zu haben, zwei Tenüsätze auf die Kochherdplatte legte und so den Brand auslöste. Die Fussballer liessen sich von diesem Ereignis nicht entmutigen und nahmen den Wieder-/Neuaufbau bald wieder in die eigenen Hände.

Sportlich festigten sich die Effretiker mit ihrem dritten Aufstieg in die Zweitliga. Das Team etablierte sich, später trainiert von René Mörgeli, in dieser Spielklasse. Ende 1995/96 eroberte sich die erste Mannschaft, nun von Renato Faccin (Effretikon) geführt, erstmals in seiner Vereinsgeschichte den Titel eines Gruppenmeisters in der Zweitliga. Damit konnten die Zürcher Oberländer die Aufstiegsspiele zur Erstliga bestreiten. Als krasser Aussenseiter scheiterten die Effretiker erst in der Verlängerung der letzten Partie in Wangen b/Olten. Der Klub war inzwischen auf über 500 Mitglieder angewachsen. Der Frauenfussball hatte sich beim FCE ebenfalls einen Platz erobert. Nebst einem Aktivteam beteiligen sich seit Jahren auch Juniorinnen und Piccolas am geregelten Meisterschaftsbetrieb.

Auf die Saison 1999/2000 hin übernahm Urs Meier neu den Trainerjob auf dem Eselriet und löste dabei Emilio Amati ab, der nach zwei Jahren zum Sportclub Veltheim zog. Meier schaffte in einer von viel Pech und Verletzungen gekennzeichneten Saison knapp den Ligaerhalt. Vom damaligen neunten Schlussrang steigerten sich die Effretiker erst auf den fünften Platz und schafften Ende Saison 2001/02, zum zweiten Mal als Gruppensieger, diesmal den direkten Aufstieg in die Interregionale Zweitliga.

Für die Saison 2002/03 meldeten die Effretiker, die inzwischen gegen 520 Mitglieder haben, nicht weniger als 17 Mannschaften zum offiziellen Meisterschaftsbetrieb an. Der Verein lebt und ist bestrebt, mit eigenen Nachwuchsleuten das Fanionteam stellen zu können. Immer wieder bringt der Verein gute und talentierte Fussballer heraus. Peter Beer schaffte den Sprung bis in die Nationalliga. Mit vielen Anlässen, wie den zahlreichen Junioren-/und Hallenturnieren, versucht der Verein den eigenen Kindern und Jugendlichen immer wieder etwas zu bieten. Dank umsichtiger Vereinspolitik (man leistet sich nur das was die Kasse ermöglicht), steht der FC Effretikon seit Jahren auf finanziell gesunden Füssen.

Kein bezahlter Fussball

Das die Aktivmannschaft des FC Effretikon in den vielen Jahren immer so erfolgreich aufzuspielen vermochte, ist ein klares Verdienst ihrer eigenen Klubphilosophie. Kein bezahlter Amateurfussball, auch wenn dieser von umliegenden Vereinen praktiziert wird, dazu der Wille, mit eigenen Spielern in jener Liga vertreten zu sein, die den sportlichen Fähigkeiten der Spieler entspricht. Im Klartext: Der Fussballklub Effretikon hegte nie den Hang zum Grössenwahn. Den Grundstein zum sportlichen Erfolg des FCE der Neuzeit aber liegt klar im Nachwuchsbereich.

Ob der FC Effretikon dem heutigen Interesse der Jugendlichen der Stadt Illnau-Effretikon am Fussballspiel noch gewachsen ist, beantwortete  André Sahli, verantwortlicher Nachwuchschef im FCE-Vorstand wie folgt: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Fussball, im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaftssportarten, ohne aktiv Werbung zu betreiben, stets steigende Mitgliederzahlen im Nachwuchsbereich zu verzeichnen hat. Diese einerseits sehr erfreuliche Entwicklung birgt aber tatsächlich die Gefahr, dass die Verantwortlichen den erhöhten organisatorischen und vor allem den zeitlichen Anforderungen - neben einem 100%- Pensum im Arbeitsbereich - nicht mehr gewachsen sein können. Die Frage nach Teil- oder Vollzeitangestellten in den Vereinen stellt sich. Wie soll(en) dies(e) jedoch finanziert werden“.

FCE-Präsident Martin Strässler wusste die Aussage zu bestätigen. „Die freiwillige Arbeit in den Vereinen wird generell massiv unterschätzt und kaum ein Aussenstehender interessiert sich dafür, welche enormen Stundenzahlen freiwillig, das heisst, ohne jegliches Entgelt geleistet werden“. André Sahli, der seit vielen Jahren praktisch seine gesamte Freizeit für den Fussballsport und den FC Effretikon opfert: „Der grösste Feind eines jeden Sportvereins (besonders von sehr günstigen Sportarten wie Fussball), ist die Konsumgesellschaft. Kinder werden bei uns ‚abgeliefert’. Man (Eltern), zahlt ja schliesslich dafür. Es sind aber immer weniger Mitglieder (oder auch die Eltern der besagten Spieler) bereit, etwas für den Verein (z.B. Trainer- oder Betreueramt, Mithilfe bei Anlässen etc.) zu leisten. So bleibt die ganze Arbeit in der Regel an wenigen (immer denselben) beherzten Leuten hängen und führt bei diesen irgendwann zu Frust und Überforderung“. Sahli weiter zum Aufwand, den gewisse Personen im FCE leisten: „Es gibt nicht wenige Verantwortliche, welche unentgeltlich pro Woche 20 und mehr Stunden in den Verein investieren“.

Tragende Elemente entlasten

Im FC Effretikon mehren sich in den letzten Monaten nun die Äusserungen, der Verein müsse sich dem veränderten Freizeitverhalten der Mitglieder anpassen und jenen, die noch bereit sind, zum Wohl des Klubs etwas zu leisten, eine (finanzielle) Ausgleichsbasis zu ermöglichen. „Der enorme Einsatz vieler Trainer, Helfer und Betreuer hat mit Freiwilligenarbeit im herkömmlichen Sinn nichts mehr zu tun“. André Sahli kommt zur Erkenntnis, dass „müssten die Vereine diese ‚Chrampfer’ entlöhnen, könnten sie gleich Forfait geben. Die tragenden Elemente müssen in Zukunft unbedingt entlastet oder entschädigt werden, sonst wird langfristig die „Vereinslandschaft“ stark ausgedünnt und das Angebot für Kinder und Jugendliche in Illnau-Effretikon erheblich eingeschränkt“. Diese Einschätzung bestätigt der Präsident der Fussballer: „Ich glaube, dass hier in naher Zukunft eine Lösung für die Vereine generell gesucht werden muss“. Martin Strässler weiter: „Ich denke dabei an vermehrte finanzielle aber auch administrative Unterstützung durch die Gemeinde. Es gilt zu bedenken, dass auch das Jugendhaus oder die Kinderkrippen nicht gratis betreut werden“.

(Zu) günstige Mitgliederbeiträge

Effretikons Nachwuchschef Sahli gab die aktuellen Zahlen bekannt. Für die Saison 2002/03 meldete der FC Effretikon nebst zwei Aktivmannschaften (Interregionale Zweitliga und Viertliga), zwei Senioren- und Veteranenteams und bei den Junioren/Juniorinnen/Frauen nicht weniger als 18 Teams beim Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) an.

Der FC Effretikon ist damit mit einem grossen Platzproblem konfrontiert. André Sahli: „60 Junioren in vier Teams trainieren pro Woche dreimal (5-6 Stunden), dazu 100 Junioren/Juniorinnen in acht Teams zweimal pro Woche (3 bis 5 Stunden, sowie 80 Junioren in sechs Mannschaften einmal pro Woche (eineinhalb bis zwei Stunden“. Hier gilt zu bemerken, dass diese Zahlen einzig und alleine die Nachwuchssektion betrifft. Die erste FCE-Mannschaft (20 Spieler) trainiert dreimal pro Woche. Hinzu kommen die Spieler der zweiten Mannschaft, Senioren und Veteranenklasse“. André Sahli darauf angesprochen, ob der Verein denn überhaupt genügend Trainings- und Wettkampfplätze habe: „Das Platzproblem (für die Trainings) konnte der Verein bisher dank Ausweichorten (Schulhauswiesen Eselriet, Schlimperg und Hagen/Illnau) einigermassen, wenn auch nicht immer zur vollsten Zufriedenheit aller einigermassen lösen“. Sahli betonte aber mit Nachdruck, dass „gerade die Benützung der Schulhauswiesen sehr stark wetterabhängig und zeitlich befristet ist“. So sei ein regelmässiger Trainingsbetrieb an diesen Orten ausschliesslich in der Zeit zwischen  Frühlings- und Herbstferien möglich.

Sahli kam auf die günstigen Mitgliederbeiträge im Fussballklub Effretikon zu sprechen. „Ein Junior, welcher dreimal wöchentlich trainiert (rund 128 Trainingseinheiten pro Jahr), zahlt jährlich zwischen 140 bis 160 Franken. Das bedeutet Kosten pro Training von einem bis 1.25 Franken. Darin sind noch keine Spiele, Turniere, soziale Anlässe etc. enthalten“. Weitere Kosten, welche der Fussballklub für jeden Junior aufwenden müsse, seien Abgaben an den Verband, das Waschen der Tenüs etc. All diese Auslagen würden ebenfalls vom Mitgliederbeitrag entrichtet. „Ein Junior, welcher nur einmal pro Woche bei uns trainiert, bezahlt jährlich 110 Franken, was pro Lektion 2.50 Franken ausmacht“.

Garderoben – das grosse Problem der Fussballer

Die Fussballer verfügen zwar über ein eigenes Klubhaus. In diesem sind aber keine Garderoben für die Spieler oder die Schiedsrichter vorhanden. Seit Bestehen des Sportzentrums Eselriet, kleiden sich die Fussballer jeweils im Zentrum um. Dort aber gibt es immer wieder Engpässe. André Sahli, der von einem guten Einvernehmen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sportzentrum Eselriet zu berichtet, weiss, dass Reto Petrig (Leiter Sportzentrum) die Anliegen der Fussballer stets ernst nimmt: „Das Leben von Vereins- und im speziellen von Junioren-Verantwortlichen wird je
länger je mehr durch zunehmendes Desinteresse an Freiwilligenarbeit erschwert“. Zudem stosse der Fussballklub in Bezug auf vorhandene Infrastruktur (Platzangebot für Trainings- und Wettkampfspiele, immer häufiger an Grenzen. „Die Garderobensituation im Sportzentrum Eselriet wird mit Beginn der Eislaufsaison ab ca. 5. Oktober überaus kritisch“. Dann würden den Fussballern für insgesamt 22 Mannschaften, darunter auch Frauenteams, nur noch zwei bis drei Garderoben (!) zur Verfügung stehen. „Jahr für Jahr gleichen die organisatorischen Massnahmen einem Hochseilakt zwischen Aufrechterhaltung des Betriebes und Vermeidung von zu viel Ärger zwischen den Geschlechtern, Gegnern und anderen Benützern der Sportanlage“. Dem konnte Vereinspräsident Martin Strässler beipflichten. „Wir kämpfen ständig, damit unsere Fussballer eine für die Ausübung ihres Sports gute Infrastruktur zur Verfügung haben. So suchen wir Lösungen für das Garderobenproblem. Des weiteren versuchen wir genügend Trainingsmöglichkeiten anbieten zu können (Plätze und deren Unterhalt). Wir stehen deshalb auch ständig in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden“.

Bald Wartelisten?

Um aber all den vielen Jugendlichen und fussballbegeisterten Knaben und Mädchen in Illnau-Effretikon eine gut funktionierende Trainings- und Wettkampfmöglichkeit bieten zu können, braucht es neben den Sportplätzen vor allem auch fachlich ausgewiesene Trainer. Effretikons Bemühungen liefen in der Vergangenheit darauf hinaus, die Trainerämter bei den Nachwuchsklassen doppelt besetzen zu können (problemlose Stellenvertretung bei Abwesenheiten wie Militärdienst, Beruf, Ferien oder Krankheit). „Die Trainersituation liess uns Verantwortliche gerade in diesem Jahr 2002 erstmals schier verzweifeln“, wusste André Sahli zu berichten. „Zwei Wochen vor dem Saisonstart waren noch acht Teams ohne Trainer. In einer Aktion mit Flugblattverteilung in alle Haushalte, Inserate im Kiebitz und Plakate an allen offiziellen Standorten wurde versucht, die Bevölkerung wachzurütteln. Innerhalb von acht Tagen konnten erfreulicherweise sechs Posten besetzt werden, die verbleibenden zwei Trainerämter wurden inzwischen ebenfalls besetzt“.

Die Vereinesverantwortlichen des FC Effretikon intensivierten in den letzten Jahren den Kontakt zu den Behörden. Die Basis, allen interessierten Jugendlichen eine Teilnahme am Vereinsleben der Fussballer zu ermöglichen, sollte gewährt werden können. Hat beispielsweise der EHC Illnau-Effretikon (EIE) stagnierende, ja gravierende Rückgänge im Nachwuchsbereich in den letzten Jahren zu verzeichnen, zeigt sich bei den Fussballern ein konträres Bild. Martin Strässler: „Die Mitgliederzahlen sind in etwa konstant. Wir kämpfen im Vergleich zu anderen Vereinen nicht mit Nachwuchsproblemen. Bei den Jugendlichen ist Fussball noch immer sehr beliebt. Fussball ist auch ein relativ günstiger Sport. Die Auslagen bewegen sich in vernünftigem Rahmen“. Bislang kam der FC Effretikon darum herum, interessierte Kinder vom Fussballsport in Effretikon ‚ausschliessen’ zu müssen. André Sahli wehrt sich gegen ein derartiges kontraproduktives Szenario. „Wir konnten bislang Rückweisungen und Wartelisten (teilweise jedoch mit nicht zufriedenstellenden Lösungen) verhindern. Die Einführung von Wartelisten kann aber für die Zukunft nicht mehr ausgeschlossen werden“. Und Sahli denkt auch über einen eigentlichen ‚Numerus clausus’ nach. „Wir überlegen uns ernsthaft  Plafonierungen der einzelnen Mannschaften mit den entsprechenden Konsequenzen auf die  Kadergrössen  der Teams“. 

Weiteres Spielfeld im Eselriet

Unbestritten ist die Tatsache, dass der FCE mit derart vielen Mitgliedern dringend ein weiteres Spielfeld im Eselriet benötigt. „Es ist unser oberstes Ziel, den Jugendlichen von Illnau-Effretikon eine sinnvolle Freizeitgestaltung in unserer Gemeinde zu ermöglichen“, unterstrich André Sahli. „Wir hoffen in Zukunft weiterhin auf die tatkräftige Unterstützung durch die Gemeinde, das Gewerbe und durch die Bevölkerung, ohne die unser Vereinsleben heute gar nicht mehr möglich wäre. Nur mit laufenden Anpassungen der Strukturen und der Verteilung der vielen Aufgaben auf eine grosse Zahl von Funktionären, Trainer und freiwillige Helfer garantieren jedoch die Zukunft einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung auf unseren Fussballplätzen“.

André Sahli und Präsident Martin Strässler unterstrichen mit grossem Nachdruck, es gehöre zur Vereinsphilosophie des FC Effretikon dafür zu sorgen, dass die Aktivmannschaft mit einem Grossteil von eigenen Spielern besetzt werden könne. Die kurz- und mittelfristigen Bemühungen des Vereines laufen jetzt darauf hinaus, ein weiteres, dringend notwendiges Spielfeld zu realisieren, sowie die Garderobenprobleme für die nächsten Jahrzehnte lösen zu können. Präsident Martin Strässler, abschliessend: "Eine Ablösung ist bereits im Gange. In ein- bis zwei Jahren werden andere die Zukunft des FC Effretikon bestimmen“.