Mit einer Mischung aus nervöser Vorfreude und gesundem Respekt begrüssten wir den FF Toggenburg, ein Team, das nicht nur klangvoll klingt, sondern auch sportlich einiges zu bieten hat. Sie hatten ihr letztes Spiel mit einem beeindruckenden 5:0 gewonnen – ein klares Warnsignal, das wir nicht überhören konnten.
Unser Ziel war klar: die ersten Punkte in der neuen Liga einfahren und vor heimischem Publikum zeigen, dass wir nicht nur Statisten in dieser Liga sind. Nach der knappen 0:1-Niederlage gegen den FC Sempach letzte Woche wollten wir heute ein Ausrufezeichen setzen. Doch wir wussten: neue Liga, neue Gegner, neues Tempo – das ist kein Spaziergang im Park, sondern eher ein steiler Berganstieg in Fussballschuhen.
Der Start: Vollgas statt Beobachtungsmodus
Geplant war eigentlich ein defensiver Start – erstmal abtasten, die Strategie der Gegnerinnen lesen und dann zuschlagen. Doch anscheinend hatten wir den Matchplan vor Anpfiff irgendwo zwischen Garderobe und Anspielkreis verloren. Kaum war der Ball freigegeben, legten wir los wie die Feuerwehr! Und siehe da: Es dauerte nur wenige Minuten, bis Leonie Kobel eiskalt zuschlug und uns mit einem präzisen Abschluss in Führung brachte. 1:0! Das erste Heimtor in der 1. Liga, was für ein Moment! Die Stimmung auf und neben dem Platz? Pure Euphorie.
Die ersten 30 Minuten waren ein Beweis dafür, dass wir in dieser Liga durchaus mithalten können. Wir spielten mutig, zweikampfstark und mit Herz. Doch Fussball ist gnadenlos ehrlich – und nach einer halben Stunde drehte sich das Spiel. Drei blitzschnelle Gegenstösse, drei eiskalte Abschlüsse, und plötzlich stand es 1:3. Ein kleiner Alptraum kurz vor der Pause. Unsere Zuordnung stimmte nicht mehr, wir kamen einen Schritt zu spät, und die Gäste nutzten jede Unsicherheit gnadenlos aus.
Zweite Halbzeit: Hektik statt Kontrolle
Mit hängenden Köpfen, aber dem festen Willen, es noch einmal zu drehen, gingen wir in die zweite Halbzeit. Doch statt kontrolliertem Aufbau bekamen die Zuschauer ein Spiel zu sehen, das eher an einen hektischen Tennisball-Wechsel erinnerte: Ball erobern, Ball nach vorne dreschen, Anspielstation? Fehlanzeige. Unsere Ordnung war weg, die Kräfte schwanden, und wir liefen mehr hinterher, als uns lieb war.
Klar, wir hatten noch ein, zwei Chancen, die Hoffnung kurz aufflackern liessen – aber ehrlich gesagt: Das 1:4 und 1:5 für die Gäste war nur eine Frage der Zeit. Und als es fiel, blieb uns nur, den Hut zu ziehen. Endstand: 1:5 – bitter, aber leider nicht unverdient.
Fazit: Lernen, rennen, besser werden
Natürlich schmerzt dieses Resultat, vor allem nach dem Traumstart. Aber wir nehmen wichtige Erkenntnisse mit:
- Laufbereitschaft ist der Schlüssel. Die Gegnerinnen rannten – mit Ball, ohne Ball, selbst nach dem 1:5. Bei uns hingegen war nach 60 Minuten bei vielen der Tank leer.
- Eigenverantwortung statt Schuldzuweisung. Nach dem Spiel war zu spüren, dass manche die Fehler lieber bei anderen suchten. Doch nur wer bei sich selbst beginnt, kann sich verbessern. Kondition, Passgenauigkeit, Spielintelligenz – das sind die Schrauben, an denen wir drehen müssen.
Das Positive: Wir haben unser erstes Tor in der neuen Liga erzielt, wir haben gesehen, wie hoch die Messlatte liegt, und wir wissen jetzt, wo wir ansetzen müssen.
Ausblick: Grosse Bühne, grosser Gegner
Kommenden Samstag wartet im Schweizer Cup ein echtes Highlight auf uns: Der FC Winterthur aus der NLB kommt zu Besuch. Ein Gegner, von dem wir nur lernen können. Wir wollen mit Freude und Biss auftreten – und wer weiss, vielleicht für eine kleine Überraschung sorgen.
Mein persönlicher Tipp: Laufschuhe schnüren, Zähne zusammenbeissen, gemeinsam wachsen – und bald auch die ersten Punkte einsammeln.

