Einleitung – David gegen Goliath
Am vergangenen Samstag stand für die Frauen des FC Effretikon 1 ein absolutes Highlight der Saison an: die Cup-Begegnung gegen den FC Winterthur aus der Nationalliga B. Schon im Vorfeld war klar – hier trifft David auf Goliath. Während Winterthur über viel Erfahrung, Tempo und Technik verfügt, stand für Effretikon das Motto fest: kämpfen, stören, unangenehm sein, mindestens ein Tor erzielen – und um jeden Preis das „Stängeli“ vermeiden.
Die Kulisse war dem Anlass würdig: rund 150 Zuschauer sorgten für eine packende Atmosphäre und trieben die Heimmannschaft über 90 Minuten unermüdlich an.
Frühe Dominanz der Gäste
Der FC Winterthur zeigte von Beginn an, warum er eine Klasse höher spielt. Schon in der 9. Minute eröffnete Annina Enz das Skore (0:1), ehe nur drei Minuten später Raika Toper per Freistoss sehenswert auf 0:2 erhöhte. Danach ging es Schlag auf Schlag: Meiffy Sol Bufalini (14’), Amanda Sigrist (24’), Melanie Huber (25’) und erneut Raika Toper (31’) stellten bis zur Pause auf 0:6. Besonders bei Standardsituationen offenbarte sich die Unsicherheit im Effretiker Defensivverbund – die Zuteilung passte nicht, niemand wollte so recht den Kopf hinhalten.
Die zweite Halbzeit – Herz und Moral
Nach der Pause zeigte Effretikon jedoch ein anderes Gesicht: mehr Mut, mehr Zweikämpfe, mehr Kampfgeist. Zwar erzielte Winterthur durch Cinderella Fuchs (65’) noch das 1:7, doch nur wenige Sekunden zuvor hatte Andrea Spörri (62’) mit einem wuchtigen Treffer den viel umjubelten ersten Torerfolg für Effretikon markiert. Die Freude auf und neben dem Platz war riesig.
Effretikon schöpfte daraus Mut – und tatsächlich gelang in der 71. Minute durch Talisha Siriu sogar das 2:7. Ein Moment, der zeigte: mit Herz und Wille ist immer etwas möglich. Winterthur blieb jedoch gnadenlos effizient: Meiffy Sol Bufalini (73’) und Elena Van Niekerk (80’) setzten den Schlusspunkt zum 2:9-Endstand.
Trotz der klaren Niederlage konnte Effretikon stolz sein: Das „Stängeli“ wurde verhindert und gleich zwei Tore gegen ein NLB-Team erzielt!
Besonderheit:
Mit Fabienne Siegenthaler und Nadine Baker standen zwei Spielerinnen auf dem Platz, die eigentlich bereits am Ende der letzten Saison ihren Rücktritt erklärt hatten. Ihr kurzfristiger Einsatz war ein grosses Geschenk für das Team. Beide spielten, als hätten sie nie aufgehört – souverän, routiniert und mit einer Präsenz, die der Mannschaft extrem guttat. Ihr Fehlen wird nach wie vor stark gespürt, umso grösser der Dank für ihre Aushilfe an diesem speziellen Cup-Abend.
Stimmen und Erkenntnisse
Das Spiel war für Effretikon mehr als nur ein Cup-Duell – es war eine wertvolle Lehrstunde. Die Spielerinnen sahen hautnah, wie entscheidend Laufbereitschaft, Mut zum Abschluss und Zweikampfhärte sind. Winterthur verwandelte fast jede Chance eiskalt, während Effretikon seine Energie aus dem unermüdlichen Einsatz und dem Kampfgeist zog.
Besonders auffällig: Bei Standardsituationen – vor allem Ecken – muss das Team an der Zuteilung arbeiten. Doch die positive Bilanz überwiegt: Ziel „kein Stängeli“ ✔️, Ziel „mindestens ein Tor“ ✔️✔️.
Ausblick
Nach diesem Cup-Abenteuer geht der Liga-Alltag weiter: am kommenden Sonntag steht die weite Reise ins Tessin an. Dort wartet ein schwerer Gegner, der zuletzt sämtliche Spiele gewonnen und dabei viele Tore erzielt hat. Es wird eine echte Bewährungsprobe – aber Effretikon nimmt die Cup-Erfahrung mit, weiss nun noch deutlicher, worauf es ankommt: Herz schlägt Talent.

