Fast zehn Jahre spiele ich nun schon in der zweiten Mannschaft. Aber was uns diese Sommerpause beschert hat, war selbst für langjährige Zwei-Veteranen eine neue Liga. Long Story Short: Das Zwei wurde kurzerhand mit der dritten Mannschaft fusioniert. Bis kurz vor Saisonstart wusste gefühlt niemand so genau, wer eigentlich zum Kader gehört – und wer nur zufällig im Training auftauchte. Mit jeweils sieben bis zehn Spielern im Training war die Vorbereitung entsprechend eher Kategorie „kreatives Zusammensein“ als professionelles Trainingslager. Ein Freundschaftsspiel? Fehlanzeige. Für alle eingefleischten Fans kommt noch ein kleines Rätsel dazu: Auf dem Papier tritt das Zwei unter dem klangvollen Pseudonym FC Effretikon 1 auf. Wer also im FVRZ nach unseren Resultaten sucht, braucht etwas Geduld, detektivisches Geschick und im Zweifel einen zweiten Kaffee.
Die Vorbereitung war also alles andere als ideal. Wenig Spieler, keine Testspiele und entsprechend die grosse Frage: Was kommt da eigentlich am ersten Spieltag auf den Platz? Die Antwort wusste übrigens auch der Gegner nicht. Immerhin konnte man auf wertvolle Aushilfe zählen. Vielen Dank an Silvio von den 40+ sowie Stefano und Advan von der ersten Mannschaft, die uns tatkräftig unterstützten. Die Motivation war jedenfalls gross: Das Zwei hatte die grosse Ehre, bei schönstem Wetter den Spieltag vor dem Supporter-Brunch zu eröffnen. Zusätzlich wurden die langjährigen Spieler Dario Bader, Severik Meier und Marco „Ziege“ Siegenthaler gebührend verabschiedet. Und als wäre das noch nicht feierlich genug, wurden ihre Trikots im Rahmen einer Zeremonie unter das Hallendach gezogen.
Das Spiel begann dann tatsächlich furios. Man merkte allerdings ziemlich schnell, dass einige Jungs auf dem Platz noch nie wirklich miteinander gespielt hatten. Der FC Embrach nutzte die anfängliche Abstimmungsschwierigkeiten eiskalt aus und erzielte nach Eckbällen in der 4. und 26. Minute gleich zwei Treffer. Zwei Standards, zwei Tore – effizienter kann man einen Match kaum eröffnen. Doch Effretikon liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Nach und nach fand man besser ins Spiel, die Laufwege wurden klarer und plötzlich sah das Ganze immer mehr nach einer Mannschaft aus. In der 44. Minute war es dann so weit: Schneller erzielte den Anschlusstreffer zum 1:2. Kurz vor der Pause war die Hoffnung damit wieder zurück – und vermutlich auch der Puls der einen oder anderen Person am Spielfeldrand.
In der Pause wurde sich zusammengerauft. Blu, Setz und Sergio fanden offenbar die richtigen Worte und machten klar: Heute wollte man Punkte.
Die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit gehörten dann auch klar Effretikon. Der Ausgleich lag förmlich in der Luft. Doch dann kam Embrach – und zwar aus dem Nichts. Oder genauer gesagt: aus dem Offside. In der 53. Minute fiel das 1:3. Zumindest aus Effretiker Sicht war die Abseitsdiskussion damit eröffnet. VAR gab es keinen, der Supporter-Brunch wartete vermutlich schon – also musste man weiterspielen. Und genau das tat Effretikon. Die Mannschaft gab nicht auf und erarbeitete sich weiter gute Chancen. In der 62. Minute war es Kramer, der den erneuten Anschlusstreffer erzielte. 2:3! Jetzt war Effretikon endgültig am Drücker. Offensiv wurde immer mehr investiert, das Spiel zunehmend kontrolliert und der Ausgleich schien plötzlich wieder möglich. Doch Embrach blieb cool und machte in der 89. Minute mit dem Treffer zum 2:4 den Deckel drauf.
Am Ende steht also ein 2:4 für den FC Embrach auf dem Papier. Klar, drei Punkte wären schöner gewesen. Und vier Gegentore lesen sich ungefähr so gut wie ein Zahnarzttermin am Montagmorgen. Trotzdem darf das Zwei – ein positives Fazit ziehen. Trotz einer Vorbereitung, die eher einer spontanen Klassenzusammenlegung als einer Fussballsaison glich, trat die Mannschaft als Einheit auf, kämpfte sich zweimal zurück und zeigte, dass durchaus Potenzial vorhanden ist. Darauf lässt sich aufbauen. Und viel Zeit zum Nachdenken bleibt sowieso nicht: Am nächsten Sonntag wartet bereits das Derby gegen den FC Kempttal. Neue Woche, neues Spiel, neue Chance auf drei Punkte.

