Und wieder einmal ein Auswärtsspiel in Winterthur. Immerhin sind die Anfahrtswege kurz – das Navi meldet kaum Motor warmgelaufen, schon ist man da. Doch wieder einmal ist die Personalsorge gross. Heute zwar 13 Mann im Kader, aber, das grosse Aber: Mit dabei die beiden Langzeitverletzten und Rückkehrer Nils Christen (Schulterverletzung) und Mark Sebök (Kreuzbandriss). Bei Sebök war schon vor Anpfiff klar, dass mehr als 20 Minuten Spielzeit nicht drinliegen. Immerhin war es nicht ganz so kalt, das Spiel ging ja schon um 10:00 Uhr los – da ist der Kaffee noch heiss und die Beine noch halb steif. Überraschenderweise war die Effretiker Fangemeinde zahlreich und lautstark vertreten. Vielleicht sollten wir das Rückspiel gegen den SCV einfach auf 08:00 Uhr legen – dann ist das Stadion sicher wieder voll! Das Spiel begann, wie man es aus Effretiker Sicht (leider) kennt: müde, träge, als hätte man die Snooze-Taste ein Mal zu oft gedrückt. Die ersten zehn Minuten dienten mehr dem Aufwachen als dem Fussballspielen. Nach und nach wagte man sich nach vorne, die beiden Stürmer kamen zu kleineren Chancen, aber nichts, das den Puls wirklich steigen liess. Hinten stand man sicher, die robusten Stürmer des SCV fanden keine Lücken. Doch in der 30. Minute war Effretikon mehr mit sich selbst beschäftigt, als der Gegner nach einem Eckball zum 1:0 traf. Verdient, muss man neidlos anerkennen, Effretikon hatte bis dahin kaum Spielanteile. Erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit folgte das Lebenszeichen: Santome lancierte Kramer, der legt quer, N. Lehner hält den Fuss hin – Ausgleich! 1:1! Doch die Freude währte kurz: Bienz musste mit einer Verletzung am hinteren Oberschenkel raus. Ausgerechnet heute. Christen ersetzte ihn. Und Zulfikari, schon rotgefährdet, wurde vorsorglich vom Feld genommen – auch ausgerechnet heute. Die Pause kam also gelegen, alle elf durften kurz durchschnaufen. Wechseloptionen? Überschaubar. Sebök war auf 20 Minuten limitiert, Zulfikari sass mit seiner Verwarnung erstmal auf der Bank. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Veltheim dominierte, Effretikon hielt tapfer dagegen, doch die Kräfte schwanden. In der 65. Minute brachte der SCV frische Beine mit einem Dreifachwechsel – sowas nennt man Luxus. Prompt traf Veltheim zur 2:1-Führung. 2:1 hinten, kaum Power, kaum Alternativen – eine mentale Herausforderung. Doch Effretikon wäre nicht Effretikon, wenn man sich davon beeindrucken liesse. Man kämpfte sich rein, biss, rackerte, und in der 75. Minute kam tatsächlich Zulfikari wieder aufs Feld. Mutig, vielleicht leichtsinnig, aber dringend nötig. Kurz darauf, in der 80. Minute, spekulierte A. Lehner auf einen Ball, bekam ihn tatsächlich in die Füsse und netzte eiskalt zum 2:2 ein. Der Jubel war gross, das Spiel wieder offen. Dann die Wende: Veltheim kassierte die zweite Gelbe, Platzverweis! Ein Mann mehr für Effretikon. Nach einem Freistoss herrschte Chaos im Strafraum, Santome und A. Lehner drückten den Ball gemeinsam über die Linie – 2:3! Auswärtssieg! Kein schönes Spiel, aber ein starkes. Verdient? Vielleicht nicht. Wichtig? Unbedingt! Diese Mannschaft zeigte Herz, Willen und den unerschütterlichen Glauben daran, dass Kaffee und Teamgeist mehr bewirken können als frische Ersatzspieler. Christen feierte ein fantastisches Comeback, stark und präsent. Sebök nutzte seine 25 Minuten voll aus – ruhig, clever, souverän. Willkommen zurück, Jungs! Mit diesem Sieg klettert Effretikon auf Rang 4, nur vier Punkte hinter dem Leader. Und ganz ehrlich: Mit solchen Leistungen wächst der Druck auf die Vereinsleitung und s’Eis, endlich für die zweite Mannschaft eine eigene Garderobe bereitzustellen. Man munkelt, s’Zwei hätte schon Tapetenmuster ausgesucht.

Categories: HerrenabteilungPublished On: Oktober 20th, 2025