Man merkte es schon, bevor überhaupt ein Ball rollte: Das Derby stand bevor. Bereits anderthalb Stunden vor Anpfiff traf sich die Truppe aus Effretikon in Kempttal – leicht angeschlagen vom Donnerstagsspiel gegen den FC Kollbrunn, aber hoch motiviert. Die Stimmung irgendwo zwischen konzentriert und nervös, doch ACDC in der Kabine tat, was ACDC eben tut: den Puls hochjagen und das Adrenalin in die Beine pumpen. Mission klar formuliert: Drei Punkte, Derbysieg, und bitte nicht den Anschluss an die Spitze verlieren.

Die Ausgangslage: gut. Der Platz: eine Zumutung. Kunstrasen ja – aber in der Grösse eher Kategorie „Kindergeburtstag im Garten“. Sollte jemand vom FVRZ das lesen: Bitte mal den Meter einpacken, der Platz schien verdächtig untermassig.

Der Anpfiff erfolgte bei leichtem Nieselregen romantisch für Zuschauer, rutschig für Spieler. Beide Teams standen hoch, das Pressing lief, der Platz war klein man hatte quasi Dauer-Bodycontact. Kempttal legte los wie die Feuerwehr und nutzte in der 9. Minute einen Fehlpass zum 1:0. Effretikon scheint sich diese frühen Rückstände inzwischen abonniert zu haben, vielleicht ein taktischer Kniff, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen? Danach übernahm Kempttal weiter das Zepter. Chance um Chance, doch hinten stand Mauer Meier, der seinen Spitznamen eindrucksvoll bestätigte. Vorne lief es langsam an – Kramer und Lehner schnupperten am Ausgleich, aber das Glück hatte sich wohl im anderen Torhäuschen versteckt. Kurz vor der Pause dann der Schockmoment: Elfmeter für Kempttal! Doch Penaltygott Meier blieb so cool wie der Nordpol und parierte souverän. Pause. Durchatmen. Neu sortieren.

Mit Beginn der zweiten Hälfte zeigte Effretikon ein anderes Gesicht – aggressiver, strukturierter, gefährlicher. Und siehe da: In der 57. Minute zog Husejni einfach mal ab und zack, 1:1! Spiel auf Null gestellt. Danach wurde’s ein Kampf im Mittelfeld, viele lange Bälle, wenig Feinschliff, aber dafür viel Herz. Dann die 74. Minute: Kramer wird im Strafraum vom gegnerischen Keeper abgeräumt – Elfmeter Nummer zwei, diesmal für Effretikon. Schärz tritt an, eiskalt wie sein Kollege Meier – 1:2! Effretikon jubelt, Kempttal schnaubt. Jetzt war Platz da, Schärz hatte sogar das 3:1 auf dem Fuss, doch der Pfosten hatte offensichtlich etwas gegen Gastgeschenke. In der 85. Minute dann der bittere Moment: Freistoss Kempttal, abgefälscht, der Ball trudelt an gefühlt 17 Beinen vorbei und landet irgendwie im Netz. 2:2. Ärgerlich, aber wenn man ehrlich ist, nicht unverdient. Die letzten Minuten waren dann pure Derby-Essenz: Hektik, Emotion, und ein Tackling, das eher an Kampfsport erinnerte. Ein Kempttaler Spieler dachte wohl, er müsse Mauer Meier aus dem Verkehr ziehen, brutale Grätsche, klares Rot… dachte man. Der Schiri sah’s anders und zeigte Gelb. Glücklicherweise blieb Meier unverletzt, und kurz darauf war Schluss.

Ein Derby, wie es im Buche steht – Emotionen, Tore, Elfmeter, Pfostenpech und ein bisschen Schiri-Kontroverse für die Stammtischdiskussion. Die Punkteteilung ist letztlich gerecht. Effretikon bleibt auf Platz vier, sechs Punkte hinter Leader Neftenbach. Doch der Showdown folgt direkt: Nächsten Sonntag kommt der Tabellenführer und da kann man das Polster wieder weichklopfen.

Categories: HerrenabteilungPublished On: November 3rd, 2025