Es war wieder soweit: Derbywochenende! Samstagabend, traumhaftes Wetter, eine tolle Kulisse und die perfekte Bühne für Fussballgeschichten. Das Zwei hatte eine intensive Trainingswoche hinter sich. Das Ziel war klar: raus aus der Abwärtsspirale und endlich wieder drei Punkte einfahren. Und wenn schon, dann doch gleich im Derby. Die Motivation vor dem Spiel stimmte jedenfalls. Auch personell konnte man fast aus dem Vollen schöpfen. Fast. Denn auf der rechten Aussenverteidigerposition herrschte eher Ausnahmezustand. Bienz, Christen und Schneller kämpfen schon seit geraumer Zeit mit Verletzungen. Bei Schneller ist die Situation mittlerweile so weit fortgeschritten, dass vermutlich jede Sportcreme aus dem Arztkoffer bereits getestet wurde. Falls also jemand vom Beobachter mitliest: Er wäre sofort bereit für eine klinische Studie. Speziell war dieser Abend aber nicht nur wegen des Derbys. Es war auch das letzte Heimspiel von drei Vereinslegenden: Patrick Kofler, Robby «Pepe» Pfeffer und Ruben Santome (der zwar noch mehr Namen hat, aber wir wollen den Matchbericht nicht unnötig verlängern). Vor dem Spiel wurden die drei verabschiedet. Auch von unserer Seite nochmals ein grosses Dankeschön für euren jahrelangen Einsatz im Eselriet!
Dann rollte endlich der Ball. Und leider wurde ein mittlerweile bekanntes Muster erneut bestätigt: Die ersten zehn Minuten verschlief Effi komplett. Der FCK drückte sofort aufs Gaspedal, erspielte sich mehrere gute Chancen und hätte früh in Führung gehen können. Nach rund 20 Minuten meldete sich auch Effi erstmals offensiv an. Die Abschlüsse waren allerdings eher Kategorie „gut gemeint“ als „gefährlich“. So kam es in der 29. Minute zu einer Szene, die sinnbildlich für die aktuelle Phase steht: Freistoss für Effi, der gegnerische Torhüter führt blitzschnell aus, Konter, 0:1. Zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient. Und weil das Fussballglück derzeit offenbar einen grossen Bogen um Effi macht, legte der FCK nur eine Minute später nach. Ein Weitschuss aus der Nähe der Mittellinie wurde unhaltbar abgelenkt und fand den Weg ins Tor. 0:2. Da rieben sich selbst die Zuschauer verwundert die Augen. Doch langsam begann Effi aufzuwachen. Schärz hatte den Anschlusstreffer auf dem Fuss, verzog aber knapp. So ging es mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause.
Ansprache von Meier, einmal tief durchatmen – und weiter ging’s. Zu verlieren hatte Effi ohnehin nichts mehr.
Und tatsächlich: Die Gastgeber kamen deutlich verbessert aus der Kabine. Doch wenn es nicht läuft, dann läuft es eben nicht. Die nächste Chance der Gäste landete in der 58. Minute erneut im Netz. 0:3. Spätestens jetzt hätte man meinen können, die Partie sei entschieden. Doch genau in diesem Moment begann Effi plötzlich Fussball zu spielen. Chancen wurden herausgespielt, Angriffe sauber vorgetragen – einzig die Abschlüsse erinnerten teilweise eher an Rückpässe zum gegnerischen Torhüter. Das Team drückte auf das Ehrentor. Und in der 84. Minute war es endlich so weit: Nach einem Eckball lenkte Lehner den Ball unhaltbar ins Netz. Das Eselriet tobte. Geht hier vielleicht doch noch etwas? Und wie! Nur drei Minuten später segelte ein Freistoss in den Strafraum. Wer könnte bei seinem letzten Heimspiel für die Geschichte sorgen? Natürlich Patrick Kofler. Per Kopf traf er zum 2:3-Anschluss. Das Stadion stand Kopf, plötzlich war Feuer drin. Genau jenes Feuer, das in den vergangenen fünf, sechs Spielen etwas verloren gegangen war. Effi warf nun alles nach vorne. Kampf, Leidenschaft, Emotionen – plötzlich war alles wieder da. In der Nachspielzeit flog nochmals eine Flanke in die Mitte. Dort stand ausgerechnet Ersatztorhüter Tisler. Ja, richtig gelesen: der Ersatztorhüter! Sein Abschluss wurde jedoch vom Gästekeeper gerade noch entschärft. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Gäste ein Unentschieden wohl unterschreiben müssen. Effi hatte sich aufgebäumt, Chancen erspielt und das Derby nochmals komplett auf den Kopf gestellt. Doch für den Ausgleich reichte die Zeit nicht mehr.
Trotz der Niederlage kann die Mannschaft vor allem die zweite Halbzeit mitnehmen. Genau diese Leidenschaft wird es auch im letzten Saisonspiel brauchen. Dort wartet der FC Neftenbach – und das hat es in sich. Neftenbach und Oberwinterthur liegen vor dem letzten Spiel punktgleich an der Tabellenspitze.
Die Bühne für einen dramatischen Saisonabschluss ist also bereit.

