Wir sind mit einem Ziel nach Zürich gereist: Drei Punkte holen, die Meisterschaft fast schon sichern und die starke Saison krönen. Doch was sich dann auf dem Platz abspielte, hatte mit Ambition, Teamgeist oder Entschlossenheit wenig zu tun. Stattdessen boten wir – offen gesagt – eine katastrophale Vorstellung, in einem Spiel, das wir nie wirklich annahmen. Kein Drive, kein Power, kein Wille.

Ein Start, der Hoffnung machte – aber nicht lange hielt

Dabei fing es eigentlich gut an: Bereits in der 3. Minute brachte uns Natascha Frieden mit einem präzisen Abschluss nach einem Ballgewinn im Mittelfeld früh mit 0:1 in Führung. Ein Auftakt, der normalerweise Rückenwind geben sollte – doch dieser Wind kam nie.

Trotz der Führung wirkten wir von Beginn an passiv, fahrig, nervös. Unser Spiel war geprägt von fehlender Laufbereitschaft, mangelndem Zugriff in den Zweikämpfen und ungenauen Pässen. Die Gegnerinnen spielten von der ersten Minute an sehr körperbetont – grenzwertig oft, teilweise deutlich darüber. Es hagelte taktische Fouls, viele Aktionen waren mehr Kampf als Fußball – und wir? Wir liessen es zu.

Der Ausgleich in der 32. Minute durch Isabella Lindemann war die logische Konsequenz. Wir schauten zu, standen zu weit weg, kommunizierten kaum – Lindemann hatte keine Mühe, den Ball aus zentraler Position im Tor unterzubringen.

Wenigstens gelang es uns kurz darauf, nochmal zu reagieren: Natascha Frieden setzte sich im Strafraum durch und wurde beim Abschlussversuch regelwidrig zu Fall gebracht. Klare Sache – Elfmeter. Nadine Baker verwandelte in der 36. Minute sicher zum 1:2.

Doch auch dieser Moment brachte keine Energie ins Team. Kein Aufbäumen. Kein Ruck. Nur eine kurze Führung – und danach wieder Leerlauf.

Zweite Halbzeit – kein Auftritt, kein Zugriff, kein Zusammenhalt

Die zweite Hälfte begann mit einem Nackenschlag: In der 47. Minute erneut Isabella Lindemann, die mit einem einfachen Laufweg unsere gesamte Abwehrreihe aushebelte – 2:2. Und ab da war endgültig Schluss mit jeglicher Struktur.

Was wir boten, war ein Spiel ohne Tempo, ohne Überzeugung, ohne klare Aktionen nach vorne. Kaum ein Zweikampf wurde entschlossen geführt, unsere Zuspiele landeten im Niemandsland oder direkt beim Gegner. Tiefe Laufwege? Nicht zu sehen. Abstimmung? Fehlanzeige. Körpersprache? Resignation.

Die Gegnerinnen merkten das – und setzten genau dort an: Laut, provokant, körperlich. Und während sie uns permanent unter Druck setzten, wirkten wir wie eine Mannschaft, die sich innerlich längst aufgegeben hatte.

In der 70. Minute dann der Schlusspunkt: Wieder war es Isabella Lindemann, die das Spiel mit ihrem dritten Treffer entschied – 3:2. Wir kamen nicht mehr zurück. Nicht, weil die Zeit fehlte – sondern, weil nichts in uns nach Widerstand aussah.

Nach dem Abpfiff – respektloses Verhalten überschattet alles

Als wäre die sportliche Enttäuschung nicht schon gross genug, kam es nach Abpfiff zu völlig inakzeptablem Verhalten seitens der Gastgeberinnen: Auf Geheiss ihres Trainers sich bei ihren Zuschauern zu bedanken, liefen mehrere Spielerinnen mit erhobenen Mittelfingern auf unsere Zuschauer zu und riefen persönliche Beleidigungen in ihre Richtung. Worte, die jegliche Form von Fairness und Respekt vermissen liessen.

Der Trainer? Reagierte nicht. Still, gleichgültig, vielleicht sogar zustimmend. In einer Liga, in der Werte wie Respekt und Sportlichkeit gelten sollten, war das schlicht beschämend.

Fazit – ein Rückschlag, der tiefer geht als das Resultat

Die bittere Wahrheit ist: Wir waren nicht bereit. Weder mental noch spielerisch.

In einem Spiel, das wie ein Halbfinale war – mit der Chance, praktisch alles klarzumachen – standen wir uns selbst im Weg.

Wir haben nicht nur das Spiel verloren, sondern auch unsere Linie, unseren Fokus und unsere Bereitschaft, alles reinzuwerfen. Und das, obwohl der Wille im Staff da war, obwohl es im Training gut aussieht – doch im Spiel? Nichts davon zu sehen.

Statt eines sicheren Titels sind aus 8 Punkten Vorsprung nur noch 1 Punkt geworden. Zwei Spiele bleiben. Und sie werden nicht leichter.

Was jetzt zählt

Fehler kann man machen. Schlechte Spiele passieren. Aber diese Niederlage darf nicht folgenlos bleiben. Jetzt geht es darum, Haltung zu zeigen – nicht nur auf dem Papier, sondern auf dem Platz. Im Kopf. Im Herzen. Im Zweikampf.

Zwei Spiele. Ein Punkt Vorsprung. Alles in der eigenen Hand. Aber: So wie am Sonntag darf das nie wieder aussehen.

Categories: FrauenabteilungPublished On: Juni 4th, 2025