Vergangenen Sonntag fand im Eselriet das letzte Heimspiel des FC Effretikon in der laufenden Saison statt – ein Spiel, das in vielerlei Hinsicht unter besonderen Vorzeichen stand. Zum einen ging es um nichts Geringeres als den möglichen Meistertitel, zum anderen war es für gleich mehrere Spielerinnen sowie Staffmitglied Thomas das letzte Heimspiel im Trikot des FCE. Mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten FC Phönix Seen war klar: Ein Sieg war Pflicht. Doch gegen den FC Niederweningen, der zwar nicht zu den Top 4 der Liga gehört, sich aber als zäher Gegner erwies, sollte es ein denkbar bitterer Fussballnachmittag werden.
Emotionale Einleitung – Abschied und Ehrung
Bereits vor dem Anpfiff wurde es emotional. In einer würdigen Zeremonie wurden Fabienne, Nadine, Richelle, Ladina, Nisha, Ramona und Thomas verabschiedet. Mit Blumen, Applaus und einigen Tränen wurden sie für ihre Leidenschaft und ihren langjährigen Einsatz gefeiert – ein Moment, der die Bedeutung dieses Spiels noch einmal unterstrich.
Erster Durchgang: Frühe Führung, dann Flaute
Mit dem Anpfiff um 14:00 Uhr startete Effretikon furios – gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Natascha Frieden nach einem Angriff über die rechte Seite zur frühen Führung einschoss: 1:0 (2’). Ein idealer Auftakt? Theoretisch ja – praktisch jedoch offenbar ein schlechtes Omen. Die Mannschaft wirkte danach fahrig, die Körpersprache passte sich dem zunehmend unstrukturierten Spiel an. Fehlpässe, mangelnde Zweikampfhärte und überraschend geringe Laufbereitschaft prägten die erste Halbzeit.
Niederweningen agierte nicht zwingend, aber diszipliniert – und kam immer wieder über Konter oder schnelle Umschaltmomente gefährlich in Tornähe. Einzig die Effretiker Defensive, unterstützt von Torhüterin Shannon, hielt das fragile 1:0 zur Pause fest. Nach vorne ging jedoch kaum noch etwas. Von spielerischer Kontrolle oder kreativen Ideen war wenig zu sehen.
Zweite Halbzeit: Ein kurzer Hoffnungsschimmer – dann der Einbruch
Direkt nach Wiederanpfiff gelang erneut ein Blitzstart – diesmal war es Nadine Baker, die in der 46’+4 Minute auf 2:0 stellte. Hoffnung machte sich breit – kurz, flüchtig. Denn die Euphorie verflog binnen Minuten.
In der 53. Minute verkürzte Julia Schneider für Niederweningen auf 2:1 – und mit diesem Treffer begann der langsame aber stetige Zerfall des Effretiker Spiels.
Zwar versuchte das Trainerteam durch Einwechslungen (u.a. Meyer, Obrist, Kobel) noch Impulse zu setzen, doch diese verpufften weitgehend wirkungslos. Laufwege wurden nicht eingehalten, Abstimmungen stimmten nicht, und das Zentrum wurde zunehmend dem Gegner überlassen. Das Ergebnis: Julia Schneider konnte in der 71. Minute erneut zuschlagen – der Ausgleich zum 2:2 war verdient und das Momentum endgültig auf Seiten der Gäste.
Schlussphase: Der Knockout
Während Effretikon sichtbar mit sich selbst und der Situation haderte, zeigte Niederweningen weiterhin Moral und war einfach präsenter – physisch wie mental. In der 90. Minute dann der Tiefschlag: Nadine Götschi erzielte den Treffer zum 2:3 für Niederweningen. Ob Abseits, Handspiel oder beides – Diskussionen gab es genug. Entscheidend jedoch: Der Treffer zählte, und das Spiel war verloren.
Fazit: Ein Spiel, das sinnbildlich für die Rückrunde steht
Diese Niederlage schmerzt – sportlich, emotional und symbolisch. Sie war keineswegs unverdient, sondern das Produkt einer über weite Strecken des Spiels ideenlosen und willensschwachen Vorstellung. Zwar liesse sich über den letzten Gegentreffer diskutieren, doch der Kern des Problems liegt woanders: Im Spielaufbau, im Einsatz, in der Bereitschaft, sich in ein Spiel reinzubeißen – all das fehlte an diesem so wichtigen Tag.
Mit dieser Niederlage wurde der FC Effretikon vom FC Phönix Seen überholt und fällt auf Rang zwei zurück – zwei Punkte hinter dem neuen Tabellenführer. Der Meistertitel ist rechnerisch noch möglich, aber realistisch betrachtet in weite Ferne gerückt. Besonders bitter: Nach einer makellosen Vorrunde mit 11 Siegen in 11 Spielen wurde ein 8-Punkte-Vorsprung in der Rückrunde komplett verspielt.
Und so bleibt von diesem letzten Heimspiel nicht die Erinnerung an eine umkämpfte Tabellenführung oder eine würdige Krönung zum Abschied – sondern die bittere Realität einer verpassten Chance und eines verlorenen Spiels, das auf vielen Ebenen hätte anders laufen müssen.
Ein Spiel bleibt – ein kleines, mathematisches Wunder wäre noch möglich. Aber nach diesem Spiel ist klar: Nur mit viel externer Hilfe und einem vollkommen anderen Auftreten könnte das Unmögliche doch noch geschehen.
Bis dahin bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack – und ein Dank an die scheidenden Spielerinnen für alles, was sie auf und neben dem Platz geleistet haben.

