Es war ein kalter, grauer Sonntagmorgen – der Himmel bewölkt, die Luft feucht. Während viele Menschen diesen trüben Tag gemütlich im Warmen verbrachten, wartete auf uns, den FC Effretikon, eine weitaus anspruchsvollere Aufgabe: das sechste Saisonspiel gegen die robusten Spielerinnen der SG Thayngen/Neunkirch. Der Anpfiff um 11:00 Uhr schien für manche fast unverschämt früh, wenn man die lange Anfahrt bedachte. Verschlafene Gesichter prägten das Bild vor dem Spiel – auch ich hätte in diesem Moment lieber noch eine Stunde länger unter der warmen Decke gelegen.
Doch kaum rollte der Ball, war die Müdigkeit verflogen. Trotz der Kälte starteten wir voller Energie und mit einem klaren Ziel: unsere bisher makellose Serie von fünf Siegen fortzusetzen. Wir traten selbstbewusst auf, waren von Anfang an aggressiv und bereit, uns dem körperbetonten Stil von Thayngen entgegenzustellen. Schnell ließen wir den Ball durch unsere Reihen laufen, die Zuspiele waren präzise, die Laufwege klug gewählt. Doch obwohl wir das Spiel kontrollierten und einige vielversprechende Angriffe initiierten, blieb das Runde einfach nicht im Eckigen. Zu oft verzettelten wir uns im gegnerischen Strafraum, suchten den perfekten Pass anstatt einfach abzuschließen.
Nach 20 Minuten stand es noch immer 0:0, obwohl wir mehrere Chancen hatten, in Führung zu gehen. Und dann, wie aus dem Nichts, kam der Schock: Thayngen nutzte eine ihrer seltenen Offensivaktionen und erzielte in der 24. Minute den Führungstreffer. Es war eine kalte Dusche – nicht nur wegen der kühlen Temperaturen, sondern auch, weil dieser Treffer gegen den Spielverlauf fiel. Das 0:1 war für uns eine bittere Pille.
Aber anstatt die Köpfe hängen zu lassen, fanden wir schnell die richtige Antwort. Schon vier Minuten später belohnten wir uns für unseren unermüdlichen Einsatz: Andrea Spörri traf in der 28. Minute zum 1:1. Ein wunderbar herausgespielter Angriff, den Spörri mit einem eiskalten Abschluss krönte. Der Ausgleich war mehr als verdient und gab uns neuen Auftrieb.
Auch nach dem Ausgleich ließen wir nicht nach. Wir dominierten weiterhin das Spielgeschehen, doch Thayngens Torhüterin hatte einen starken Tag erwischt und vereitelte mehrere gute Gelegenheiten. Wir kombinierten uns schön durch das Mittelfeld, spielten präzise Pässe, aber es fehlte der finale Punch im Abschluss. So ging es mit einem 1:1 in die Halbzeitpause.
In der Kabine machte Trainer Patrik Meier klar, dass wir weiter das Spiel in die Hand nehmen mussten. „Haltet das Tempo hoch, lasst sie laufen, sie werden müde“, war seine Ansage. Mit frischer Motivation und klarem Fokus starteten wir in die zweite Halbzeit. Wir wussten, dass wir hier drei Punkte mitnehmen konnten – aber dafür mussten wir noch eine Schippe drauflegen.
In der 59. Minute dann der lang ersehnte Führungstreffer: Nadine Baker, unser Captain, setzte sich in einem intensiven Zweikampf durch und schob den Ball souverän zum 1:2 ins Netz. Endlich! Die kalte Herbstluft schien plötzlich etwas weniger beißend, als wir den Vorsprung feierten. Doch wir wussten, dass ein 2:1 nicht genug war. Eine knappe Führung bringt immer Risiken mit sich, und wir waren fest entschlossen, das Spiel nicht mehr unnötig spannend zu machen.
Wir blieben am Drücker, spielten weiter mit Druck nach vorne, und nur knapp 10 Minuten später war es erneut Nadine Baker, die in der 67. Minute auf 1:3 erhöhte. Der Treffer brachte uns die erhoffte Sicherheit, doch das Spiel blieb auch in der Schlussphase intensiv. Thayngen warf alles nach vorne, das Spiel wurde härter, der Körperkontakt nahm zu. Auf den Rängen wurde es laut, die Emotionen kochten hoch – doch wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen.
Mit viel Kampfgeist und einem klaren Kopf brachten wir den Sieg souverän über die Zeit. Am Ende konnten wir unseren sechsten Sieg in Folge feiern und stehen weiterhin ungeschlagen an der Tabellenspitze. Ein hart erkämpfter, aber verdienter Sieg, der zeigt, dass wir nicht nur spielerische Qualität, sondern auch den nötigen Willen und Kampfgeist mitbringen, um schwierige Partien zu meistern.
Nun heißt es, konzentriert zu bleiben. Die kommenden Spiele werden entscheidend – aber mit dieser Einstellung und Entschlossenheit sind wir bereit, jede Herausforderung anzunehmen. 6 Spiele, 6 Siege – wir wollen mehr!

