Es war angerichtet: Spitzenspiel in der 2. Liga Frauen, Erster gegen Zweiten, FC Effretikon Frauen 1 gegen FC Phönix Seen. Ein Duell, das auf dem Papier Spannung, Emotionen und Fussball auf hohem Niveau versprach. Doch auf dem Platz… da kam erst mal ganz lange: nichts. Jedenfalls nichts von uns.
Mit dem Selbstvertrauen eines 6:0-Sieges aus der Vorwoche gegen Thayngen reisten wir an. Die Hoffnung war gross, den Schwung mitzunehmen, endlich einmal Konstanz zu zeigen und Phönix Seen auf Distanz zu halten. Doch statt Dominanz, Energie und Feuer… fühlte es sich an, als wären wir auf dem Platz, um ein wenig Vitamin D zu tanken. So viel Sonne, so wenig Schatten – vor allem in unserem Spiel.
Halbzeit: Wo sind wir hier eigentlich?
Die erste Halbzeit war, um ehrlich zu sein, ein Sammelsurium von allem, was man eigentlich vermeiden will. Fehlpässe? Check. Ballverluste? Check. Kein Zugriff auf das Spiel? Doppel-Check. Es wirkte phasenweise, als hätten wir uns für ein Yoga-Retreat angemeldet – nur ohne innere Ruhe.
Phönix Seen war bissiger, wacher, einen Schritt schneller. Wir? Immer einen Schritt zu spät, als hätten wir die Einladung zum Spitzenspiel nicht ganz gelesen. Es war ein Spiel der vergebenen Möglichkeiten – für Phönix. Denn nur dank einer hervorragend aufgelegten Shannon zwischen unseren Pfosten – unsere Lebensversicherung in dieser Partie – retteten wir uns mit einem schmeichelhaften 0:0 in die Pause. Da musste was passieren. Und es passierte auch.
Halbzeit: Jetzt wach, aber… zu spät
Coach Patrik Meier reagierte, brachte frischen Wind und klare Worte. Und siehe da – wir kamen raus, als wäre uns in der Pause der Feueralarm losgegangen. Plötzlich: Laufbereitschaft! Pressing! Ideen! Torchancen! Wir waren präsent, wir waren auf einmal da.
Aber der Fussballgott ist bekanntlich ein zynischer Typ. Denn obwohl wir mehr Ballbesitz hatten, Phönix Seen teilweise in deren Hälfte einschnürten und uns schöne Kombinationen erspielten – das Tor wollte einfach nicht fallen. Stattdessen ein Déjà-vu aus dem Bilderbuch: „Effretikon spielt, Gegner trifft.“
Ein schneller Konter, ein Moment der Unordnung, und in der 76. Minute war es Flurina Bosshard, die den Ball zum 1:0 für Phönix Seen über die Linie drückte. Ein Schlag in die Magengrube – nicht unverdient, aber definitiv gegen den Spielverlauf der zweiten Halbzeit.
Endspurt mit offenem Visier – aber ohne Happy End
Trotz des Rückstands gaben wir nicht auf. Patrik warf alles nach vorne – buchstäblich. Umgestellt auf eine Dreierkette, eine zusätzliche Offensivkraft, alles oder nichts. Und wir kamen noch zu Abschlüssen, zu Halbchancen, zu Szenen im Strafraum. Doch entweder fehlte die letzte Konsequenz – oder wir wollten lieber noch einen Haken schlagen, ein Kabinettstückchen zu viel zeigen. Wer zu viel zaubert, verliert manchmal den Ball – und so auch das Spiel.
Denn in der Nachspielzeit folgte der endgültige K.O. Sereina Locher, frisch zurück auf dem Platz, stand zur rechten Zeit am rechten Ort und versenkte den Ball zum 2:0. Schluss. Aus. Vorbei.
Fazit: Selbstverschuldetes Drama
Es ist schwer, Worte zu finden, die nicht weh tun. Fakt ist: Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Da war nichts, was nach Tabellenführer aussah. Die zweite Halbzeit war stark, keine Frage. Doch Fussball dauert eben 90 Minuten – nicht 45.
Und klar, der Platz war holprig, der Ball wie ein Flummi – aber eben für beide Teams. Das Feuer, das uns letzte Woche noch beflügelt hat, war diesmal nur ein Flämmchen. Die Passqualität? Teils erschreckend. Die Laufbereitschaft? Nur phasenweise vorhanden. Motivation, Fokus, Spielfreude? Vermisst wie Socken aus der Waschmaschine.
Wir haben es wieder einmal selbst aus der Hand gegeben. Wir haben das Talent, die Klasse, die Spielerinnen – doch wir machen es uns selbst schwer. Kein Team spielt uns an die Wand – aber wir stolpern immer wieder über unsere eigenen Füsse.
Ausblick: Lernen, aufstehen, weitergehen
Der Vorsprung auf Phönix Seen ist dahin. Wir bleiben an der Spitze, ja – aber jetzt heisst’s: endlich aufwachen! Und nicht nur beim nächsten Spitzenspiel, sondern gegen jedes Team. Volketswil, Thayngen, Phönix – egal. Wir müssen konstant unser Spiel durchziehen, unsere Stärken ausspielen und das Feuer endlich konstant brennen lassen.
Denn wenn wir es nicht tun – dann tun es andere. Auf geht’s, Mädels. Das nächste Spiel ist die nächste Chance. Und davon hatten wir jetzt schon genug. Jetzt muss geliefert werden.

