Das Zwei des FC Effretikon bleibt auf Erfolgskurs. Nach zuletzt zwei Spielen ohne Niederlage und – noch wichtiger – ohne Gegentor, wollte man diese beeindruckende Serie natürlich unbedingt fortsetzen. Dass die Matchvorbereitung diesmal etwas anders ausfallen würde, konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand ahnen.

Am Freitag zog es das Team fast vollzählig ans Oktoberfest in Uster. Eine höchst professionelle Teambuilding-Massnahme, wie man hörte. Der Sportchef wusste selbstverständlich von nichts. Assistenzcoach und Fitnesscoach Setz hingegen war bestens informiert und hatte die Situation jederzeit unter Kontrolle. Sein Auftrag: streng darauf achten, dass keine überschüssigen Kalorien aufgenommen werden. Schliesslich stand am Sonntag ein wichtiges Meisterschaftsspiel an. Coach Blu, ebenfalls vor Ort, nutzte die Gelegenheit sogar für taktische Weiterbildung. Mit Hilfe von Bierkrügen wurden dem einen oder anderen Spieler die verlangten Laufwege erklärt. Ob diese Taktiktafel aus Glas später noch vollständig war, ist nicht überliefert.

Am Sonntag dann: schönstes Wetter im Eselriet, volles Matchblatt und zumindest optisch beste Voraussetzungen. Das Spiel begann ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für die Gäste. Grosse Torchancen blieben zunächst jedoch Mangelware. Beide Teams tasteten sich ab – vermutlich wollte niemand zu früh offenbaren, was am Freitagabend wirklich passiert war. Die erste gefährliche Aktion gehörte den Gästen nach einem Eckball. Effretikon verteidigte jedoch aufmerksam und konnte anschliessend blitzschnell umschalten. Und dann kam S. Bienz. Pfeilschnell ging es Richtung gegnerisches Tor, ehe A. Lehner den Zuckerpass serviert bekam. Lehner blieb eiskalt und schob zur 1:0-Führung ein. Die Freude war gross – und hielt ungefähr so lange wie ein frisch gezapftes Bier am Oktoberfest. Denn die Gäste schlugen zurück. Mit einem wunderschönen Freistoss, bei dem selbst Ricci Rodriguez anerkennend genickt hätte, erzielte Veltheim den Ausgleich. Effi war plötzlich von der Rolle und nur wenige Minuten später klingelte es erneut. 1:2. Zum Glück war kurz darauf Halbzeit. Zeit also, um durchzuatmen, den Schock zu verdauen und möglicherweise auch noch einmal zu überprüfen, ob am Freitag wirklich alle Kalorien gezählt worden waren.

Die Coaches fanden die richtigen Worte und machten klar: Mindestens dieser eine Punkt sollte her.

Die zweite Halbzeit begann – und die Ereignisse überschlugen sich direkt. In einem Zweikampf verletzte sich F. Bienz am Knie. An dieser Stelle: Gute Besserung und schnelle Genesung! Effretikon konnte nicht sofort wechseln, die Ersatzbank war ebenfalls noch nicht vollständig bereit und plötzlich war auf der linken Seite ungefähr so viel Platz wie auf einer Autobahn am Sonntagmorgen. Veltheim sagte Danke, spielte den Ball in die Mitte und plötzlich stand es: 1:3. Autsch. Doch diesmal zeigte Effretikon Moral. Anstatt auseinanderzufallen, rappelte sich das Heimteam auf und machte sich auf die Jagd nach dem Anschlusstreffer. Und der liess nicht lange auf sich warten. A. Lehner tankte sich in den Strafraum und wurde anschliessend gelegt. Elfmeter! Wer sollte sich dieser Aufgabe annehmen? Natürlich Kim Schärz – der Spezialist für schwierige Aufgaben. Nerven aus Stahl, Blick wie ein Pokerprofi und der Ball anschliessend sicher im Netz. 2:3! Jetzt war endgültig Feuer unter dem Dach. Effretikon kämpfte, rannte und warf alles nach vorne. Veltheim hingegen verteidigte mit Mann und Maus die knappe Führung. Die Uhr tickte erbarmungslos herunter. Die 90. Minute war angebrochen. Und dann kam er. Jonathan „Joni“ Kramer. Während die einen bereits mit dem Schlusspfiff liebäugelten und die anderen vermutlich schon überlegten, welches Getränk nach dem Spiel wohl am besten schmecken würde, versenkte Joni den Ball zum 3:3-Ausgleich! Der Fussballgott hatte offenbar beschlossen, an diesem Nachmittag doch noch Partei zu ergreifen. Was für eine Moral. Was für ein Comeback. Und was für ein Spiel!

Damit bleibt das Zwei nun seit drei Spielen ungeschlagen. Die Serie hält – und nach der Kritik an der Offensive aus der vergangenen Woche gab die Mannschaft ebenfalls die passende Antwort. Drei geschossene Tore. Kritik angenommen. Antwort auf dem Platz gegeben. Nun wartet allerdings die nächste Herausforderung: Am kommenden Wochenende gastiert der Leader FC Töss 2.

Eine echte Standortbestimmung also. Ob das Zwei auch gegen den Tabellenführer bestehen kann? Wir werden sehen.

Eines ist jedenfalls sicher: Wenn die Mannschaft weiterhin so kämpft, dürfte es für jeden Gegner unangenehm werden. Und wenn Coach Blu weiterhin Laufwege mit Bierkrügen erklärt, ist taktisch sowieso alles möglich.

Categories: HerrenabteilungPublished On: Oktober 7th, 2026