Es gibt Spiele, bei denen man sich als Reporter fragt, ob man wirklich alles gesehen hat – und dann gibt es dieses Spiel. Ehrlich gesagt: Es tut weh, diesen Matchbericht zu schreiben. Eigentlich möchte man nach so einer zweiten Halbzeit einfach den Laptop zuklappen, das WLAN kündigen und für zwei Tage keine Fussballplätze mehr sehen. Dabei hatte alles so schön begonnen. Gute, wenn auch kurze Trainingswoche, dazu ein kleiner Trainingsmatch mit der ersten Mannschaft in gemischten Teams, sonniges Wetter in Embrach – die Fussballgötter hatten eigentlich beste Voraussetzungen geschaffen. Zumindest bis sie in der zweiten Halbzeit kollektiv Feierabend machten.

Effi startete nämlich stark. Der Ball lief sauber durch die Reihen, vorne wurde früh gepresst und Embrach kam zwar immer wieder mit langen Bällen über die Seiten, wirklich gefährlich war das aber ungefähr so sehr wie ein Goldfisch beim Armdrücken. Effretikon kontrollierte die Partie und erspielte sich Chance um Chance. In der 18. Minute dann die verdiente Führung: wunderschön herausgespielter Angriff, Kofler mit der starken Vorarbeit und A. Joos vollendet souverän zum 1:0. Fussball zum Zungeschnalzen. Und Effi machte weiter. Nach einem energischen Rush von Bienz war es nur vier Minuten später Bleuler, der auf 2:0 erhöhte. Zu diesem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, Embrach bräuchte eher ein Navigationsgerät als einen Matchplan. Effi spielte ruhig weiter, liess den Ball teilweise minutenlang durch die eigenen Reihen laufen und hatte das Spiel komplett im Griff. Doch dann passierte etwas, das wohl selbst Wissenschaftler nicht erklären können: Plötzlich brach kollektive Nervosität aus. Aus dem Nichts. Die sonst so positive Mannschaft wirkte auf einmal verunsichert, obwohl man komfortabel führte. Und wie das im Fussball halt so ist: Wenn du dem Gegner Hoffnung gibst, nimmt er sie dankend an. In der 42. Minute gelang Embrach der Anschlusstreffer zum 2:1.

In der Pause war klar: Nicht taktisch, sondern mental musste etwas passieren. Die positive Energie musste zurück aufs Feld.

Und tatsächlich – sie kam zurück. Zumindest kurzzeitig. In der 49. Minute konterte Effi nach einem Eckball wie aus dem Lehrbuch. Bleuler traf erneut zum 3:1 und wahrscheinlich dachten sämtliche Effi-Spieler, Zuschauer und sogar der Linienrichter: „Das Ding ist durch.“

Tja.

Dann begann der Fussballwahnsinn. 51 Minute: Volley-Sonntagsschuss in die Maschen, 55 Minute: Noch ein Volley-Sonntagsschuss in die Maschen, 56 Minute: Flanke. Tor. Komplettausfall.

Innerhalb von fünf Minuten wurde aus einem souveränen 3:1 plötzlich ein 3:4. Effretikon reagierte nicht mehr – Effretikon zerbrach. Embrach hingegen spielte plötzlich mit der Überzeugung eines Teams, das notfalls auch mit verbundenen Augen getroffen hätte.In der 75. und 86. Minute folgten noch die letzten beiden Treffer. Der Rest des Spiels fühlte sich aus Effi-Sicht ungefähr so angenehm an wie barfuss über Lego zu laufen.

Am Ende muss man ehrlich sagen: Embrach wollte dieses Spiel gewinnen. Effi an diesem Sonntag offensichtlich nicht genug. Jetzt gilt es, den Siegeswillen, den Kampfgeist und vor allem den Teamspirit wiederzufinden. Denn wenn diese Mannschaft wieder als Einheit auftritt und nicht kollektiv den Stecker zieht, dann werden in dieser Rückrunde definitiv noch Punkte aufs Effi-Konto wandern

Categories: HerrenabteilungPublished On: Mai 21st, 2026