Vergangenen Sonntag empfing die zweite Mannschaft das bereits abgestiegene Kollbrunn. Immerhin gab es vor dem Anpfiff erste positive Nachrichten: Die Ersatzbank sah deutlich besser aus als noch eine Woche zuvor gegen Veltheim. Tisler tauschte seine Stürmerrolle wieder gegen die Torwarthandschuhe, diverse angeschlagene Spieler bissen auf die Zähne und standen zumindest zur Verfügung. Nach mehreren Niederlagen in Serie wollte man endlich wieder einmal einen Sieg einfahren. Doch wie es so schön heisst: Wer sich in einer Abwärtsspirale befindet, findet den Notausgang nicht so leicht. Die Devise war klar: harte Zweikämpfe, hohe Intensität und dem Gegner möglichst früh ein Tor einschenken. Nun ja, zumindest der letzte Teil wurde konsequent umgesetzt.

Das Spiel war kaum angepfiffen, da liess sich Effretikon tief in die eigene Hälfte drücken. Statt den Ball einfach einmal lang nach vorne zu schlagen oder ins Seitenaus zu befördern, wurde noch ein weiterer Kurzpass gesucht. Es kam, wie es kommen musste: Fehlpass – Foul – Penalty. Und das in der ersten Minute. Der Kollbrunner Stürmer nahm Anlauf, versuchte es mit einem frechen Panenka – und setzte den Ball an die Latte! Riesenglück für Effretikon. Die Gäste blieben jedoch am Drücker und hätten nach zwanzig Minuten gut und gerne mit 0:3 führen können. Doch Tisler und seine Verteidiger warfen sich immer wieder dazwischen und verhinderten Schlimmeres. Nach rund zwanzig Minuten meldete sich dann auch die Effretiker Offensive zum Dienst. Und wie! Immer wieder tauchte man gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf. Schneller, Kramer, Joss und Lehner kamen zu guten Chancen, brachten den Ball jedoch nicht im Netz unter. In der 30. Minute folgte dann Schnellers mittlerweile schon traditionelle Zerrung, die ihn zu einer vorzeitigen Dusche zwang. Effretikon übernahm nun zunehmend das Kommando. Kurz vor der Pause wurde der Aufwand endlich belohnt: Nach einem schön vorgetragenen Angriff landete der Ball bei Schärz, der in der 45. Minute zur 1:0-Pausenführung einschob.

In der Kabine wurde nochmals eindringlich darauf hingewiesen, wie gefährlich Kollbrunn trotz Tabellenlage ist. Zudem wurde eine Tugend eingefordert, die zuletzt etwas verloren gegangen war: Leidenschaft.

Die zweite Halbzeit begann – und die Kabinenansprache hielt exakt eine Minute. Dann traf Kollbrunn zum Ausgleich. Effretikon war geschockt. Und wie. Wenige Zeigerumdrehungen später folgte bereits der nächste Treffer der Gäste zur 2:1-Führung. Aus einer Formkrise wurde plötzlich ein Charaktertest. Effi brauchte einige Minuten, um sich zu sammeln, fand danach aber wieder besser ins Spiel. In der 60. Minute setzte sich Kramer stark über die Seite durch, legte quer und Lehner musste den Ball nur noch über die Linie drücken. Der Ausgleich wirkte befreiend. Plötzlich war Effretikon wieder da. Das Pressing funktionierte, die Zweikämpfe wurden angenommen und zehn Minuten später eroberte Bleuler den Ball in der gegnerischen Hälfte. Sein Zuspiel fand erneut Lehner, der alleine vor dem Torwart cool blieb und zur erneuten Führung traf. Doch leider verfiel Effretikon danach wieder in alte Muster. Das Fussballspielen wurde zwischenzeitlich eingestellt, Kollbrunn übernahm wieder die Kontrolle und drängte auf den Ausgleich. Die Schlussphase wurde hektisch. Zunächst sorgte ein Handbruch für eine längere Unterbrechung, wenig später kam es zu einem heftigen Zusammenprall auf Seiten der Gäste. An dieser Stelle gute Besserung an beide Kollbrunner Spieler. Der Schiedsrichter dachte zwischenzeitlich sogar über einen Spielabbruch nach. Doch Kollbrunn wollte weiterspielen – und wurde dafür belohnt. In der 90. Minute vergass Effretikon ein weiteres Mal das Verteidigen. Eine Flanke segelte in den Strafraum, ein Kollbrunner stieg am höchsten und köpfte zum 3:3-Ausgleich ein.

Der Schlusspfiff fühlte sich für Effretikon eher wie eine Niederlage an. Die fünfte Pleite in Folge konnte zwar statistisch verhindert werden, doch nach der hervorragenden Vorrunde befindet sich die Mannschaft weiterhin im freien Fall. Und ausgerechnet jetzt wartet das Derby gegen Kempthal. Ist Effi bereit? Einer ist es auf jeden Fall. Patrick Kofler wird am Samstag sein letztes Spiel für die zweite Mannschaft im Eselriet bestreiten. Die Bühne ist bereitet. Die Frage ist nur, ob auch die Mannschaft bereit ist, ihren Teil zum Drehbuch beizutragen.

Categories: HerrenabteilungPublished On: Juni 10th, 2026